Bundeswehr Ausbilder stellten sich beim Schießen zwischen Schützenscheiben

Die Vorfälle am Bundeswehrstandort Sondershausen waren nach SPIEGEL-Informationen gravierender als bisher bekannt. Offenbar wurde massiv gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen, Urkunden sollen gefälscht worden sein.

Bundeswehrsoldaten bei einer Übung
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Bundeswehrsoldaten bei einer Übung

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Ausbilder, die Kameraden als "Körperschrott" und "genetischen Abfall" bezeichneten, oder Strafrunden bei 30 Grad Celsius, bis ein weiblicher Stabsunteroffizier vor Erschöpfung wegen Dehydrierung zusammenbrach - bei der Unteroffiziersausbildung im thüringischen Sondershausen wurde offenbar gegen alle Regeln der Bundeswehr verstoßen (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL).

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Die Vorfälle waren aber noch schwerwiegender als bisher bekannt.

Nach SPIEGEL-Informationen soll es bei der Unteroffiziersausbildung zu eklatanten Verstößen gegen die Sicherheitsbestimmungen gekommen sein. So sollen sich Ausbilder beim Schießen mit Handwaffen zwischen Schützenscheiben gestellt haben.

Ein Verstoß gegen die Regeln, den ein Bataillonskommandeur so gerechtfertigt haben soll: Im Einsatz hätten die Soldaten auch keine andere Wahl, als sich über die Sicherheitsbestimmungen hinwegzusetzen.

Handgranatenwerfen wurde angesetzt, obwohl die Lehrgangsteilnehmer keine drei Stunden geschlafen hatten. Fehlerhafte Schießkladden sollen durch Ausbilder vorsätzlich mit Dienststempeln gefälscht worden sein, Ausbilder hätten Lehrgangsteilnehmer mit Plastikgeschossen aus Spielzeugwaffen beschossen und von Teilnehmern Alkohol als Ausgleich für "Ausbildungsmängel" verlangt.

Der Standort Sondershausen untersteht ebenso wie die umstrittene Staufer-Kaserne in Pfullendorf dem Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig, dessen Chef, General Walter Spindler, inzwischen abgelöst wurde. Ihm wird von der militärischen Führung der Bundeswehr vorgeworfen, in beiden Fällen die Probleme vernachlässigt zu haben.

Wolfgang Richter, der Beauftragte des Generalinspekteurs für Erziehung und Ausbildung, hat sich inzwischen erstmals zu den Verhältnissen bei der Kampfsanitäterausbildung in Pfullendorf geäußert. Eine Offizierin hatte sich dort über Mobbing und "herabwürdigende Praktiken in der Ausbildung" beschwert. So sei sie aufgefordert worden, an einer Tanzstange vorzutanzen.

General Richter wurde daraufhin mit einem Team von acht Offizieren im Dezember für drei Tage nach Pfullendorf geschickt, um sich ein Bild zu machen. Was er dort vorfand, erschütterte ihn. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas in der Bundeswehr noch gibt", sagte er dem SPIEGEL. Anscheinend seien Soldatinnen dort bewusst hingeschickt worden, nur um betatscht zu werden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
fblars 17.06.2017
1. Was erwarten Sie?
Unteroffizier beim Bund ist nun wirklich kein Beruf für eine Leistungselite. Die Bundeswehr war und ist ein Auffangbecken für die Unterschicht. So viele verkrachte Existenzen auf einem Haufen habe ich in meinem Leben nie wieder gesehen.
hwdtrier 17.06.2017
2. Da erfolgte die
Ausbildung wohl unter Einsatzbedingungen ( bei richtigen Armeen üblich) Das ist bei uns wohl ein Nö- Go.
Bueckstueck 17.06.2017
3. Wie war das noch?
Unverständnis und Hetze als VdL der Bundeswehr ein Haltungsproblem attestierte. Dabei hatte sie von A bis Z recht. Es geht nämlich vorallem auch darum, dass all diese Schweinereien, vom tumben Nazidünkel bis hin zu solchen unglaublichen Vorfällen und alles was dazwischen liegt, unbehelligt und jahrelang vor sich hin gären konnten, ohne dass es von Führungsoffizieren abgestellt wurde. Sondershausennlegt sogar nahe, dass es bis zur Generalitätsebene tolleriert wurde. Das wäre unfassbar. Und es werden noch viele solche Beispiele an die Oberfläche kommen, es ist daher Zeit dieses Saustall auszumisten!
ellenbetti 17.06.2017
4. schreibt und stänkert die Linksgrüne Presse
mit einem Mix aus Beissreflex und Gewohnheit gegen den Staat ? Gegen die, die den Kopf hinhalten ? Ja, die Späße mögen herb sein aber auf jedem Kinderspielplatz passiert mehr. Berichtet wird wie bei Porsche. Mit einem Beigeschmack dem Land mit der Nachricht zu schaden und nicht zum Besseren zu wenden. Reporter und Journalisten. Geht in den Krieg an die Front. Berichtet was sich Auge um Auge - Bein um Bein an der Front abspielt und selbst erlebt wurde. Nicht aus 2 oder 3 "Hand ". Dann schreibt nochmal über die Bundeswehr.
hegoat 17.06.2017
5.
Ich sag nur eins: Wehrdienst 2002, der ausbildende Uffz schreibt zwei Sätze an die Tafel, 12 Rechtschreibfehler. Wert beim Bund Ausbilder wird, hat im realen Leben nichts auf die Reihe gekriegt und kann jetzt endlich "wer" sein. Bevorzugtes Ziel: Abiturienten.
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