Auslandseinsätze Wehrbeauftragter warnt vor Überforderung der Marine

"Kleiner war die Marine noch nie": Der Wehrbeauftragte des Bundestags hat auf die begrenzten Kapazitäten der deutschen Seestreitkräfte hingewiesen. Von ihrer Stärke auf dem Papier sei die Marine weit entfernt.

Fregatte "Sachsen" (Archivbild)
Mohseen Assanimoghaddam/DPA

Fregatte "Sachsen" (Archivbild)


Angesichts der Diskussion über einen Einsatz der Bundeswehr im Persischen Golf weist der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), auf die faktische Verkleinerung der Marine in der Vergangenheit hin. "Kleiner als jetzt war die Marine noch nie", sagte Bartels den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

"Auf dem Papier ist die Marine nie abgerüstet worden. Sie hatte und sollte immer 15 Fregatten haben. Wir sind im Moment weit davon entfernt." Dennoch müsse man gegebenenfalls Prioritäten setzen.

Ein Einsatz der Bundeswehr in der Straße von Hormus steht aktuell weder in der Bundesregierung und noch bei einer Mehrheit der Abgeordneten zur Debatte, die einen Einsatz beschließen müssten. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte eine Marinemission ebenso abgelehnt, wie CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Vereinzelte Stimmen in der Union hingegen, darunter der Außenpolitiker Norbert Röttgen, werben für eine europäische Militärmission zum Schutz des Seeweges vor der Küste Irans.

Persischer Golf: Einsatz "rein materiell" realisierbar

Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller hält einen Einsatz im Persischen Golf "rein materiell" für "natürlich realisierbar, weil die Marine es möglich machen würde". Die Marinesoldaten seien top ausgebildet, sehr erfahren und erfolgreich - "wenn die Schiffe fahren". "Fakt ist: Wir haben die kleinste Marine mit einer zu kleinen Anzahl an Schiffen gemessen an den Einsatzszenarien, für die wir angefragt werden", sagte sie der der Funke-Mediengruppe.

Eine große militärische Präsenz vor Ort berge die Gefahr, dass es aus Versehen zu einem Krieg komme. Deshalb müsse darauf hingewirkt werden, die militärische Präsenz dort zu reduzieren.

"Sollte es zu einem gemeinsamen europäischen Handeln kommen, würde Deutschland sicherlich auch seinen Beitrag leisten - Grundvoraussetzung ist allerdings ein europäischer Schulterschluss in Form eines europäischen Mandats."

cht/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.