Spezialeinheit der Bundeswehr Whistleblower darf beim KSK bleiben

Nach dem Brandbrief eines KSK-Hauptmanns hat die Bundeswehr die geplante Entfernung des Soldaten aus der Eliteeinheit gestoppt. Stattdessen soll der Whistleblower nun die Reform der Kommandotruppe vorantreiben.
KSK-Soldaten (Archivfoto vom Juni 2019)

KSK-Soldaten (Archivfoto vom Juni 2019)

Foto: Björn Trotzki/ imago images

Ein Whistleblower aus den Reihen des "Kommandos Spezialkräfte" (KSK), der sich mit einem dramatischen Hilferuf an die Verteidigungsministerin gewandt hat, soll nach SPIEGEL-Informationen bei der Eliteeinheit bleiben. In einem Brief an Verteidigungsstaatssekretär Thomas Silberhorn schreibt der Soldat, KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr habe ihm zugesagt, dass er die KSK-Führung bei der "nötigen Reformierung" der Einheit beraten solle.

Ursprünglich sollte der Soldat das KSK verlassen. Der Hauptmann erläutert in seinem Schreiben, dass die Führung des KSK wegen seines Briefs "fundamentale Probleme" bei der Spezialeinheit identifiziert habe. Er selbst wolle nun bei nötigen Reformen gerade im Bereich der Ausbildung mitwirken. Dafür sei er dem Chef des Stabes direkt unterstellt worden. Seine Beschwerde wegen seiner geplanten Versetzung in eine andere Einheit zog er deswegen zurück.

Der SPIEGEL hatte am Freitag über den Hilferuf des Hauptmanns berichtet. In seinem Brief vom 2. Juni prangert der Hauptmann, der seit 2018 die umfangreiche Ausbildung zum Kommandosoldaten absolviert hatte, unhaltbare Zustände bei der Eliteeinheit an. So würden Hinweise auf rechtsextreme Kameraden innerhalb des Verbands mit rund tausend Mann "intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert".

Durch die straffe Führung angehender KSK-Kämpfer werde ihnen rigoroser Gehorsam antrainiert, der "von Kommandosoldaten in Ausbildung bereits mit der Waffen-SS verglichen wurde". Anschaulich wird geschildert, wie KSK-Ausbilder die ihnen unterstellten Soldaten mundtot machen. Den Kämpfern werde eine Hörigkeit anerzogen, "die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten" seien.

Strafen würden von den Ausbildern genutzt, "um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen". Die Folgen seien "eine Art Kadavergehorsam", eine "Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens" und eine "toxische Verbandskultur". Der zwölf Seiten lange Brief schlug wegen seiner vielen Beispiele und der harschen Bewertungen im Ministerium ein wie eine Bombe.

Whistleblower sollte aus KSK entlassen werden

Der Verfasser war von den beschriebenen Maßnahmen selbst betroffen. Da er eine außereheliche Affäre hatte, wurde ihm von den Ausbildern eine charakterliche Nichteignung attestiert. Deswegen sollte seine Laufbahn als Kommandokrieger enden. Die geplante Entlassung war der Grund, warum der Soldat sein Schweigen brach und sich direkt an die Ministerin wandte. Er selbst bezeichnete den Plan seiner Vorgesetzten in seinem Brief als willkürliche Strafmaßnahme.

Die Reaktion des KSK-Kommandeurs zeigt, wie ernst er und das Ministerium den Vorgang nehmen. KSK-Chef Kreitmayr hatte schon vor einigen Wochen einen harschen Brief an alle seine Soldaten geschrieben. Aus den zwei Seiten wird sehr klar, dass der General ums Überleben seiner Einheit kämpft. Kreitmayr ermahnte alle KSK-Soldaten, dass für rechtsextreme Soldaten kein Platz bei der Einheit sei. Entweder sie gingen selbst oder die Führung entferne sie.

Wer Missstände benennt, hilft sie zu beseitigen. Wer schweigt, ist Teil des Problems und macht sich mitschuldig"

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

Der Brief des Hauptmanns, der sich sehr stark auf die harsche Ausbildung angehender Elitesoldaten fokussierte, soll nun auch in einer Arbeitsgruppe besprochen werden, mit der Ministerin Kramp-Karrenbauer eine Reform der Einheit voranbringen will. Der Taskforce gehören neben dem KSK-Kommandeur auch Kramp-Karrenbauers Staatssekretär Gerd Hoofe und der Generalinspekteur der Bundeswehr an. Noch vor der Sommerpause soll die Gruppe einen Bericht mit Vorschlägen aufsetzen.

Die Ministerin betonte am Montag in einem Interview erneut, sie werde beim KSK schonungslos aufräumen. "Das klare Signal ist: Wer Missstände benennt, hilft sie zu beseitigen. Wer schweigt, ist Teil des Problems und macht sich mitschuldig", sagte die Ministerin dem "Focus". Sie werde bei rechtsextremen Tendenzen in der Truppe "jedem Fall mit aller Konsequenz nachgehen". Dazu gehöre auch die Frage, ob es rechte Netzwerke in der Bundeswehr gebe.

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