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Pläne für verstärkte Reserve Bundeswehr will 60.000 ehemalige Soldaten schnell einsatzbereit halten

Der Bundeswehr fehlt es an Soldatinnen und Soldaten. Nun plant sie, die Zahl der Reservisten deutlich zu erhöhen, die im Ernstfall schnell die aktive Truppe verstärken können.
Appell eines Heimatschutzregiments von Reservisten in der Lützow-Kaserne (Münster)

Appell eines Heimatschutzregiments von Reservisten in der Lützow-Kaserne (Münster)

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Noah Wedel / IMAGO

Die Bundeswehr leidet unter akutem Personalmangel, gleichzeitig hat sich die Bedrohungslage durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verschärft. Im Verteidigungsministerium laufen nun Planungen für eine deutlich verstärkte Reserve. Ziel der Militärplaner ist es, künftig bis zu 60.000 Männer und Frauen als Reservisten in einer sogenannten Grundbeorderung zu haben, die in diesem Status für eine feste Aufgabe eingeplant und befähigt sind. Bisher gibt es rund 44.000 Grundbeorderte.

Die Reserve soll insgesamt zudem – wie im Kalten Krieg – so ausgebildet und ausgerüstet sein, dass sie die aktive Truppe im Kampf verstärken oder ersetzen kann, sagte Generalleutnant Andreas Hoppe, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten. »Ich bin der Überzeugung, dass wir die Reserve ganz den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen anpassen müssen«, so Hoppe.

Schon bei den aktiven Soldatinnen und Soldaten hat die Bundeswehr große Probleme, ihr Personalziel zu erreichen. Aktuell gibt es 181.400 von ihnen, Tendenz fallend. Bislang liegt das Ziel bei 203.000 Soldatinnen und Soldaten für das Jahr 2031, doch aus vertraulichen Papieren des Verteidigungsministeriums geht nach Informationen des SPIEGEL hervor, dass aktuelle Nato-Planungen ein Ziel von »tendenziell deutlich über 272.000« Soldaten erfordern.

In der kommenden Woche will Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) seine Pläne für ein neues Wehrdienstmodell im Verteidigungsausschuss des Bundestags vorstellen. Nach SPIEGEL-Informationen werden diese keine Rückkehr zu einer Wehrpflicht mehr vorsehen.

Im Ministerium wird überdies auch geprüft, wie groß die Zahl derer ist, die zwar nicht in der sogenannten Grundbeorderung gehalten, aber grundsätzlich im Verteidigungsfall zum Dienst herangezogen und geeignet sein könnten – die sogenannte unbeorderte Reservistentätigkeit. Diese Gruppe ist groß, doch schrumpft sie, seit die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde. »Das sind im Prinzip alle, die irgendwann mal Dienst in der Bundeswehr geleistet haben und ausgeschieden sind und in den Altersgrenzen liegen, also auch die letzten Jahrgänge der Wehrpflichtigen«, sagte Hoppe dazu.

»Es gibt dazu unterschiedliche Zahlen. Wir gehen davon aus, dass es etwa 800.000 sind, die noch wehrrechtlich herangezogen werden können«, so Hoppe. Und: »Wenn man sich aber die Altersproblematik vor Augen führt, dann weiß man auch, dass das jedes Jahr weniger werden. Es schmilzt jedes Jahr ab. Das heißt, wir müssen gegensteuern und auch zusätzlich Personal finden und gewinnen für die Reserve.«

Erst vor Kurzem hatte die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann die Aktivierung von 900.000 Reservisten gefordert. »Putin trimmt sein Volk auf Krieg und bringt es in Stellung gegen den Westen. Daher müssen wir so schnell wie möglich verteidigungsfähig werden«, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses.

fdi/dpa