Hinweisgeber auf rechte Umtriebe Bundeswehr will Whistleblower feuern

Auf die Bundeswehr kommt eine neue Affäre zu: Nach SPIEGEL-Informationen will die Truppe einen Soldaten entlassen, nachdem er umfangreiche Hinweise auf rechtsextreme Kameraden gegeben hatte.

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Die Bundeswehr muss sich auf neue Fragen über den Umgang mit rechten Umtrieben in den eigenen Reihen einstellen.

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Heft 23/2019
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Nach SPIEGEL-Informationen will die Truppe in den kommenden Wochen einen Whistleblower entlassen, nachdem der Soldat mehrmals detaillierte Hinweise auf rechte Umtriebe in der Truppe geliefert hatte.

Unteroffizier Patrick J. meldete seit 2016 zahlreiche mutmaßlich rechtsextreme Soldaten an den Militärischen Abschirmdienst (MAD). In einem mehr als 100-seitigen Bericht führte er Belege aus sozialen Netzwerken auf, dazu Vorfälle, deren Zeuge er in Kasernen geworden sein will.

Aufgrund der Hinweise von Patrick J. startete der Truppengeheimdienst nach Informationen des SPIEGEL mindestens fünf Ermittlungen gegen Soldaten. In einem als Verschlusssache eingestuften Bericht des Bundesverteidigungsministeriums spricht der MAD von "nachrichtendienstlichen Operationen zu Verdachtspersonen". Das Bundeskriminalamt prüfe seine Hinweise auf eine "mögliche strafrechtliche Relevanz".

Trotzdem soll der Unteroffizier nun entlassen werden. Die Bundeswehr spricht ihm die charakterliche Eignung für den Soldatenberuf ab. So habe er Kameraden zu Unrecht bezichtigt. In vielen Fällen hätten sich seine Vorwürfe "als übertrieben und haltlos erwiesen", heißt es im Entlassungsschreiben des Personalamts der Bundeswehr. Nachdem ein Bundestagsabgeordneter und der SPIEGEL diese Woche Fragen zu dem Vorgang gestellt hatten, kündigte das Verteidigungsministerium überraschend an, den Fall nochmals zu überprüfen.

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insgesamt 197 Beiträge
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Seite 1
der_nachtarbeiter 31.05.2019
1. Typisch
Passt wunderbar in das Rezo-Statement auf YouTube. Veränderungen? Nööö. Getreu nach dem Motto: "Die paar Nazis in der Truppe stören doch nun wirklich keinen" wird weitergemacht wie bisher. Hauptsache alles bleibt ruhig. Ganz traurig das Ganze, der Mann tut mir leid.
checkitoutple 31.05.2019
2.
Dass die Generalität sich immer schützend vor Rechtsextreme gestellt war ist doch gut bekannt. Wie sollten sie auch anders. Wie war das bei der Vereinigung in Munsterlager vor der versammelten Generalität sprach der Ausbildung Hauptman die Worte. Bei der Bundeswehr gibt es kein Feindbild, aber ein echter Deutscher LAnzer macht 10 Russische Panzer platt. Seine anitsemitischen Sprüche zu melden endete bei Wehpflichtigen im Bunker.
josho 31.05.2019
3. "Aus dem "Tagesspiegel" vom März 2019:
"Wie die AfD um Soldaten wirbt - Die AfD will sich als Soldaten-Partei positionieren. Die Rechtspopulisten werben gezielt um Anhänger aus den Reihen der Bundeswehr". Folgt man dem jetzigen Bericht, dann scheint diese Kooperation die ersten Früchte zu tragen.
newline 31.05.2019
4. Wie Tucholsky schon sagte:
Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.
vantast64 31.05.2019
5. Es geht ihm die charakterliche Eignung für den Soldatenberuf ab,
er denkt zu freiheitlich, zu liberal, zu demokratisch? Es ist doch bekannt, daß sich unter Soldaten häufig eine mehr oder weniger rechte Gesinnung besonders wohl fühlt, das hierarchische Prinzip und das militärische Gehabe wirken auf gewisse junge Menschen recht anziehend. Anders herum tragen Neonazis und ähnliche Gruppierungen gern Knobelbecher und Frisuren, dem Militär nachempfunden. Der Skandal ist nun, daß die Führung in ihrer Einstellung nicht merkt, wie rechtsgerichtet sie ist.
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