Ausrüstung und Personal Bundeswehr zweifelt an eigener Einsatzfähigkeit

"Einschränkungen in Qualität und Quantität": Die Bundeswehr kämpft weiter mit Defiziten bei Ausrüstung und Personal - und muss nach SPIEGEL-Informationen nun ihre eigenen Truppenzusagen an die Nato revidieren.
Panzergrenadiere in Frankenberg in Sachsen (im August 2019): Die Truppe leidet unter Ausrüstungs- und Personalmangel

Panzergrenadiere in Frankenberg in Sachsen (im August 2019): Die Truppe leidet unter Ausrüstungs- und Personalmangel

Foto: Jan Woitas/ DPA

Das Verteidigungsressort geht nach SPIEGEL-Informationen offenbar nicht davon aus, dass die Bundeswehr ihre eigenen Ausrüstungs- und Personalziele einhalten kann. In einem vertraulichen Schreiben an den Verteidigungsausschuss von dieser Woche schreibt das Ministerium, die eigenen Pläne würden sich angesichts der bisherigen Finanzplanung "absehbar verzögern".

So war geplant, die schnelle Eingreiftruppe der Nato ("Speerspitze"), die 2023 wieder von der Bundeswehr geführt wird, erstmals voll auszurüsten, ohne sich wie bisher Material bei anderen Einheiten leihen zu müssen. In dem Bericht des Ministeriums heißt es nun, die Ausstattung der Speerspitze sei nur "unter Inkaufnahme von Einschränkungen in Qualität und Quantität möglich". Ein "Materialausgleich" zwischen Einheiten sei weiter nötig "sowie ein mitunter erforderlicher Rückgriff auf älteres Gerät".

Die Militärplaner verabschieden sich auch von ihrer Zusage an die Nato, bis Ende 2031 drei voll ausgerüstete Heeresdivisionen mit jeweils etwa 20.000 Soldaten aufzustellen. Der dritte Großverband werde nun nur noch in "gekaderter" Form geplant, also als Formation, die bei Bedarf mit Reservisten aufgefüllt würde.

"Die Bundeswehrpläne sind gerade einmal ein Jahr alt", sagt der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner, "und schon fallen sie in sich zusammen wie ein Kartenhaus".

kvh