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Waffensysteme der Bundeswehr: Bedingt einsatzbereit

Foto: Britta Pedersen/ picture alliance / Britta Pedersen/dpa

Bundeswehrbericht legt Mängel offen Verheerend

"Eurofighter" bleiben am Boden, U-Boote können nicht tauchen, Militärs zeigen sich genervt: Der Zustandsbericht über die Bundeswehr stellt Verteidigungsministerin von der Leyen erneut ein mieses Zeugnis aus.

Die Mängelliste ist lang, die Verteidigungsministerin gerät in Erklärungsnot. Viele Waffensysteme der Bundeswehr sind nur teilweise einsatzbereit. Das geht aus einem Bundeswehrbericht hervor, der am Mittwoch im Verteidigungsausschuss vorgestellt wird und dem SPIEGEL vorliegt.

Die wenig schmeichelhafte Bestandsaufnahme setzt Truppen-Chefin Ursula von der Leyen unter Druck. Schließlich war sie einst mit dem Ziel angetreten, die Probleme zügig abzustellen - und eine Trendwende einzuleiten. Doch davon ist bei der Materialausstattung bisher nur wenig zu spüren, wie der "Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr 2017" nun zeigt.

Einige Beispiele:

  • "Eurofighter" Von 128 Maschinen waren demnach im vergangenen Jahr nur durchschnittlich 39 Jets einsatzbereit.
  • Von den älteren Tornado-Kampfjets waren es 26 von 93 Flugzeugen.
  • Transporthubschrauber CH 53: Nur 16 von 72 Maschinen konnten für Ausbildung und Einsatz genutzt werden.
  • Ähnlich sieht es beim Transportflugzeug Airbus A400M aus: Von 15 Maschinen waren durchschnittlich drei einsatzbereit.
  • Auf dem Wasser konnten fünf von 13 Fregatten genutzt werden,
  • von den U-Booten der Klasse 212 A stand im Schnitt eines zur Verfügung.
  • Kampfpanzer "Leopard 2": Von 244 waren 105 einsatzbereit. Und auf die neuen modernisierten Panzer wird die Bundeswehr auch noch warten müssen.

Seit drei Jahren wird der Verteidigungsausschuss jährlich über die materielle Einsatzbereitschaft der Truppe informiert. Und erneut sieht sich die Ministerin angesichts der Mängelliste in der Defensive.

Ihr bleibt nicht viel anderes übrig, als zu beschwichtigen und Optimismus zu verbreiten. Schließlich soll von der Leyen auch in der neuen GroKo das Ministerium weiterführen: "Es gehe Schritt für Schritt bergauf", und "wir brauchen Geduld", sagte sie der "Passauer Neuen Presse." Sie widersprach zudem dem Vorwurf, dass unter ihrer Leitung die Einsatzbereitschaft gesunken sei. Im Gegenteil: Die durchschnittliche Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme sei seit Anfang 2015 um 25 Prozent gestiegen.

Glaubt man der CDU-Politikerin, machen die vielen bestehenden Mängel bei der Truppe vor allem schmerzhaft klar, wie lange die von ihr eingeleitete Trendwende beim zähen Thema Rüstungsbeschaffung eigentlich dauert.

Im Video: Der umstrittene Eurofighter

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Ihr Ministerium erklärt die Materialprobleme mit einer verstärkten Abnutzung der Waffensysteme durch die gestiegene Zahl von Übungen und Einsätzen im Zusammenhang mit der verschlechterten Sicherheitslage seit der Ukrainekrise. "Im Ergebnis ist eine höhere Beanspruchung nahezu aller Waffensysteme im Vergleich zu vorherigen Berichten zu beobachten", schreibt das Ministerium.

Weitere Gründe seien zu geringe Ersatzteilvorräte nach langem Sparkurs sowie schlicht das Alter der Waffensysteme, die teils seit vielen Jahrzehnten bei der Bundeswehr im Einsatz sind. Mit Blick auf die laufenden Missionen sei die Einsatzbereitschaft der Truppe aber gewährleistet.

Für ihre Kritiker hat die Ministerin versagt

Für von der Leyens Kritiker indes ist die prekäre Lage der Bundeswehr vier Jahre nach Amtsantritt der Beleg dafür, dass die selbsternannte Reformerin versagt hat.

Bei einem Briefing vergangene Woche gaben hochrangigen Militärs unumwunden zu, dass die Reformen des Ministeriums "bisher bei der Truppe nicht angekommen" seien. Gleichsam müsse man bedenken, dass es noch schlechter aussehen würde, wenn die Trendwende der Ministerin nicht eingeleitet worden wäre.

Die nächsten vier Jahre werden nun zur Bewährungsprobe für von der Leyen, sie muss den selbst von Militärs eingeräumten "grottenschlechten Außeneindruck" der Bundeswehr korrigieren. Von 2019 an, so jedenfalls die Planung, soll sich die Materiallage gerade bei Großgeräten wie Panzern endlich bessern. Passiert das nicht, wird es eng für die Ministerin (lesen Sie hier einen Kommentar zu den Defiziten bei der Bundeswehr).

Anfang vergangener Woche hatte der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels bereits beklagt, dass sich die Ausrüstung der Bundeswehr noch verschlechtert habe. Die Einsatzbereitschaft der Waffensysteme sei "dramatisch niedrig", die Reformen müssen deutlich an Fahrt aufnehmen.

Der Grünen-Haushalts- und Verteidigungsexperte Tobias Lindner warf der Verteidigungsministerin nun vor, sie habe es nicht geschafft, die Probleme abzustellen. "Viele Verpflichtungen und hohe Übungstätigkeiten belasten das Material ohne Zweifel, aber darauf muss die Bundeswehr proaktiv reagieren und nicht bloß zuschauen, wie ihr Material ausfällt."

mit Material der Agenturen
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