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24. Februar 2011, 19:00 Uhr

Bundeswehrwerbung

Grüne wittern Deal mit "Bild"-Zeitung

Die Wehrpflicht wird abgeschafft, jetzt fehlt der Bundeswehr der Nachwuchs. Mit einer großen Kampagne will das Verteidigungsministerium nun um junge Soldaten werben - mit einem Schwerpunkt in "Bild", "BamS" und "Bild.de". Die Grünen werfen Guttenberg einen Deal mit der Springer-Presse vor.

Berlin - Das Verteidigungsministerium will dem drohenden Rekrutenmangel mit einer breit angelegten Werbekampagne für die Bundeswehr begegnen. Das Haus von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) teilte am Donnerstag in Berlin mit, dass die Aktion von März bis Dezember in Fernsehen, Radio, Print- und Onlinemedien laufen soll. So will die Bundeswehr Freiwillige für den Dienst in der Truppe werben, um die Lücken zu schließen, die durch das Ende der Wehrpflicht zu erwarten sind.

Die Kampagne soll in drei Phasen ablaufen und unterschiedliche Schwerpunkte haben, sagte ein Ministeriumssprecher. In der ersten Phase, die in Bayern zum Teil schon angelaufen sei, werde in überregionalen Fernseh- und Radiospots die Bundeswehr als Arbeitgeber vorgestellt. Das Motto: "Bundeswehrreform, Deine Chance."

Die zweite Phase beginnt im April. Dann will das Ministerium speziell über die Laufbahn von Mannschaftsdienstgraden informieren. Ziel ist es, freiwillige Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten für den Dienstantritt am 1. Juli gewinnen zu können. Schwerpunktmedien seien hier im Print- und Onlinebereich.

Dabei würden auf Empfehlung einer Agentur vor allem "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" als Werbemedien genutzt, heißt es. Diese Medien seien für die Zielgruppe geeignet und hätten überregionale Verbreitung, begründete der Sprecher. Darüber hinaus würden aber auch in weiteren Print- und Onlinemedien Anzeigen geschaltet. Diese seien aber noch nicht vertraglich fixiert.

In der dritten Phase von Mai bis Dezember würden sich die Anzeigen auf regionale Verwendungsmöglichkeiten der Freiwilligen konzentrieren. Dafür wolle man sich an Radio-, Print- und Onlinemedien wenden, die eben diesen regionale Aspekt bedienten. Über die Kosten der Kampagne wurde zunächst nichts bekannt.

Trittin sieht "Bild"-Konstante bei Guttenberg

Wegen des besonderen Werbeschwerpunkts auf "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" unterstellte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Donnerstag im Bundestag einen "schmutzigen Deal" mit den Springer-Medien vor. Trittin wittert dahinter System: Es sei eine "Konstante" im politischen Wirken Guttenbergs, immer darauf zu achten, von diesen Medien unterstützt zu werden.

Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen den Medien der " Bild"-Gruppe und Guttenberg ein besonderes. Gerade die "Bild"-Zeitung hat den Verteidigungsminister stets offensiv unterstützt, wenn dieser unter Druck geriet. "Wir finden die GUTT!", titelte das Boulevardblatt kurz vor Weihnachten, als der Minister wegen seines gemeinsamen Besuchs mit seiner Frau Stephanie bei der Truppe in Afghanistan in der Kritik stand.

Auch jetzt, in der Plagiatsaffäre, hält ihm die "Bild" die Treue. An diesem Donnerstag veröffentlichte die Zeitung auf Seite eins das Ergebnis des großen "Guttenberg-Entscheids": 87 Prozent der Leser hätten sich dafür ausgesprochen, dass der Minister im Amt bleibt. Mehr als 260.000 hätten an der kostenpflichtigen Telefon- und Fax-Abstimmung teilgenommen. Die Online-Umfrage auf "Bild.de" ergibt ein völlig anderes Stimmungsbild, hier sind mehr als 50 Prozent für einen Rücktritt Guttenbergs.

Der Sprecher des Medienkonzerns Axel Springer, Tobias Fröhlich, wies am Donnerstag die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Werbekampagne der Bundeswehr strikt zurück. "Die Redaktion hat erst heute aus den Medien von der Anzeigenkampagne erfahren." Anzeigenbereich und Redaktion arbeiteten bei dem Konzern streng getrennt.

"Einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Berichterstattung über Minister zu Guttenberg und den Werbemaßnahmen der Bundeswehr herzustellen ist absurd und lächerlich", sagte Fröhlich. Die von der Bundeswehr beauftragte Agentur sei bereits Ende vergangenen Jahres mit dem Vermarktungsbereich von Axel Springer in Kontakt getreten.

phw/dpa

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