Durchsuchungen bei Ansaar International Bundesweite Razzien wegen Verdachts der Terror-Unterstützung

Schon länger beobachten Sicherheitsbehörden den Düsseldorfer Verein Ansaar International, weil er der salafistischen Szene nahestehen soll. Jetzt wird ermittelt, denn der Klub soll die Terrorgruppe Hamas finanziert haben.

Polizeieinsatz (Symbolbild)
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Nach außen hin geht es dem Düsseldorfer Verein Ansaar International nur um die Hilfe für Menschen in Not. Der Bürgerkrieg im Jemen, die Verfolgung der Rohingya in Myanmar, Wassernot im Gazastreifen - dort und bei Projekten in Dutzenden weiteren Ländern leistet Ansaar humanitäre Hilfe, hießt es auf der Webseite des Vereins.

Dass es dabei nicht nur um Unterstützung für Notleidende gehen könnte, treibt die Sicherheitsbehörden seit Jahren um. Der 2012 gegründete Verein wird in Nordrhein-Westfalen vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Behörden verdächtigen den Verein, der salafistischen Szene nahezustehen. Womöglich, so heißt es immer wieder, kämen vermeintliche humanitäre Hilfsprojekte in Wahrheit auch Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" in Syrien oder anderen Islamistenmilizen zugute.

Seit diesem Mittwochmorgen ist der Verdacht nun konkret. Auf Anordnung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) durchsucht die Polizei nach SPIEGEL-Informationen seit den frühen Morgenstunden in neun Bundesländern etwa 90 Objekte, die mit Ansaar International und einem der Organisation eng verbundenen, weiteren Verein in Verbindung stehen sollen.

Verein bekommt sein Geld nicht nur von Spendern

Mehrere Hundert Polizeibeamte sollen im Einsatz sein. Die Behörden verdächtigen die Organisation, die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas unterstützt zu haben.

Bei den Durchsuchungen geht es darum, Material für ein mögliches, späteres Vereinsverbot durch das Bundesinnenministerium zu sammeln. Zudem gibt es strafrechtliche Ermittlungen wegen Terrorismusfinanzierung, unter anderem ermittelt der Düsseldorfer Generalstaatsanwalt Emil Brachthäuser gegen mehrere Beschuldigte aus dem Ansaar-Umfeld.

Ansaar finanziert sich nach Angaben aus dem NRW-Verfassungsschutzbericht 2017 nicht nur durch Spenden. Der Verein hat demnach eine eigene Kleidermarke inklusive Shop, betreibt ein Restaurant und soll All-inklusive-Angebote für Pilgerreisen anbieten.

Eigenen Angaben zufolge hat der Verein in den vergangenen Jahren etwa zwölf Millionen Euro bewegt und nach Einschätzung des Verfassungsschutzes allein in Nordrhein-Westfalen gut 170 aktive Anhänger. Dazu kommen nach Einschätzung der Behörden etliche weitere Aktivisten in anderen Bundesländern.

Das Vakuum, das "Lies!" hinterließ

Bei dem ebenfalls von den Ermittlungen betroffenen Verein soll es sich um eine Organisation namens WWR-Help e.V. (World Wide Resistance- Help e.V.) handeln. Nach Angaben der NRW-Verfassungsschützer fokussiert dieser Verein seine Aktivitäten auf den Gazastreifen. Auch er tritt nach außen ausschließlich als humanitäre Hilfsorganisation auf.

Zwischen Ansaar und WWR-Help sind demnach "verwandtschaftliche und organisatorische Verknüpfungen" erkennbar. Diese seien so eng, dass man WWR-Help als Unterorganisation Ansaars verstehen könne.

Nach dem Verbot des durch seine Koranverteilungen bekannt gewordenen Vereins "Lies!" des radikalislamischen Predigers Ibrahim Abou-Nagie sollen sich viele der in diesem Verein aktiven Islamisten Ansaar angeschlossen haben, heißt es in Sicherheitskreisen. Ansaar habe "in der extremistischen Szene ein Vakuum gefüllt, das durch das 'Lies!'-Verbot hinterlassen wurde", schreiben die NRW-Verfassungsschützer in ihrem Bericht über das Jahr 2017.



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