Ampelsondierungen Lauterbach befürwortet nach Sinneswandel Legalisierung von Cannabis

Legalisiert die Ampel Cannabis? Grüne und die FDP sind dafür, die SPD ist verhaltener. Doch nun spricht sich auch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach pro Legalisierung aus. Das Gesundheitsministerium erteilt dem eine Absage.
Daumen hoch für die Legalisierung: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Daumen hoch für die Legalisierung: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

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Christoph Hardt / imago images/Future Image

Mit Benzinpreis, Mindestlohn und Tempolimit haben die Ampelsondierer viele Baustellen zu besprechen, bevor ein möglicher Koalitionsvertrag stehen könnte. Bei der Drogenpolitik allerdings könnte es rasch zu einer Einigung kommen: FDP und Grüne sind für eine Legalisierung von Cannabis. Nun hat sich auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dafür ausgesprochen, dies in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP festzuschreiben.

In einem Interview der »Rheinischen Post« plädierte er dafür, eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene zu erlauben, um dem Handel von mit Heroin versetztem Cannabis einen Riegel vorzuschieben. »Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss«, sagte Lauterbach. »Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.« Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage.

Der deutsche Hanfverband kann noch nicht einschätzen, ob und wie weit verbreitet Heroin in Cannabis ist, warnt aber ebenfalls vor beigemischten synthetischen Cannabinoiden.

Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit verunreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker. »Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.«

FDP will größere Reform der Drogenpolitik

FDP und Grüne sind für eine Legalisierung von Cannabis und einen »Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften«. Die SPD hingegen befürwortet eine »regulierte Abgabe« an Erwachsene zunächst in Modellprojekten, die von Präventions- und Beratungsangeboten begleitet werden.

Der FDP-Nachwuchs plädierte für eine noch weitergehende Reform. »Statt den kleinsten gemeinsamen Nenner braucht es nun große Reformen, die weit über die Legalisierung von Cannabis hinausgehen«, sagte der Chef der Jungen Liberalen, Jens Teutrine, der »Rheinischen Post«. »Die Prohibition, Kriminalisierung und Stigmatisierung von Cannabis ist gescheitert.« Nur eine vollständige Legalisierung würde notwendige Qualitätsstandards und Jugendschutz sicherstellen.

Vertreter von Polizeigewerkschaften warnen vor einer Legalisierung. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handele es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

Auch das Bundesgesundheitsministerium spricht sich weiter gegen eine Legalisierung von Cannabis aus. Das machte ein Sprecher von Minister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin deutlich. Bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt, sagte er. In bestimmten medizinischen Fällen könne die Verwendung von Cannabis helfen.

mrc/dpa
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