Identitäre Aktivistin Caroline Sommerfeld Auf rechts gedreht

Die Philosophin Caroline Sommerfeld gilt als Ikone der "Neuen Rechten" und ist seit 20 Jahren mit einem prominenten Linken verheiratet. Wie kann das funktionieren? Eine Begegnung.
Sommerfeld mit Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse

Sommerfeld mit Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse

Foto: Michael Schick / imago images

Will man als Journalist Caroline Sommerfeld treffen, sind ihr zwei Dinge wichtig: Sie wolle den Text vor der Veröffentlichung lesen, auch die Bildunterzeilen, fordert sie per E-Mail. In der Vergangenheit sei ihr "Häßliches" widerfahren, Sommerfeld nutzt noch die alte Rechtschreibung. Man habe sie schon als "Rechtsextreme" und als "Nazischlampe" bezeichnet.

Sommerfeld, 43, deutsche Staatsbürgerin, lebt seit 13 Jahren in Wien. Sie ist promovierte Philosophin. Und sie gilt als Ikone der "Neuen Rechten". 2017 hat sie, zusammen mit einem Co-Autor, das Buch "Mit Linken leben" veröffentlicht, eine Art Handreichung für Rechte, wie sie sich in einer vermeintlich von Linken geprägten Umwelt behaupten können. Bei der Vorstellung im vergangenen Herbst auf der Frankfurter Buchmesse sorgten Linke mit "Nazis raus!"-Rufen für den Abbruch der Veranstaltung. Sommerfeld verschaffte das noch mehr Aufmerksamkeit.

Seither ist sie bekannt als intellektueller Kopf der Rechten. Sie schreibt für die "Sezession", die sich eine "rechtsintellektuelle Zeitschrift" nennt, aber auch für die österreichische Seite unzensuriert.at, einem rechtspopulistischen Portal für etwas schlichtere Gemüter.

"Ihren verdammten Job tun"

Man teilt Sommerfeld mit, dass sie selbstverständlich ihre Zitate zur Autorisierung vorgelegt bekomme - aber dass man grundsätzlich keine kompletten Artikel zur Freigabe vorlege und da auch keine Ausnahme mache. Aber man könne sich ja auch unverbindlich zum Kennenlernen treffen.

Das will Sommerfeld dann auch nicht - "wenn schon, dann mit Artikel", teilt sie mit. Ein Artikel, den sie natürlich vor Veröffentlichung, mit Ausnahme der Zitate, nicht zu sehen bekommt.

Im Zweifel trifft sie sich also doch mit Journalisten, auch wenn sie nicht viel von ihnen hält: "Wenn sie es ab und zu schaffen, sachlich über uns zu berichten, dann haben sie uns damit keinen Gefallen, sondern lediglich ihren verdammten Job getan", steht in ihrem Buch.

Trotzdem betritt sie zur verabredeten Zeit ein Wiener Kaffeehaus in der Nähe ihrer Wohnung. Viel Zeit habe sie nicht, sagt sie. Sie muss pünktlich zurück sein, um auf die Kinder aufzupassen. Denn später hat auch ihr Mann einen Termin mit Journalisten: Helmut Lethen, 79, Germanist und Kulturwissenschaftler, prominenter Autor, ein Linker und Achtundsechziger.

Helmut Lethen

Helmut Lethen

Foto: imago/ Gerhard Leber

Seit 20 Jahren sind die Rechte und der Linke verheiratet, sie haben drei Kinder. Der alte Professor, die junge Studentin, ein Klischee von einem Paar. Als sie zusammenkamen, lagen sie aber politisch noch auf einer Linie, Sommerfeld sah sich damals selbst als Linke. Ihre Eltern waren Mitgründer der Grünen in Schleswig-Holstein. "Mich beschäftigten damals, wie viele Jugendliche, Fragen wie: Wie kann man die klassenlose Gesellschaft herbeiführen? Oder: Ist die DDR das bessere Deutschland?"

Aber schon in jener Zeit habe sie sich "am linken Denken gestört", erinnert sie sich. "Manche Mitschüler, die sich gegen rechts und für das bunte Zusammenleben engagierten, waren mir unerträglich." Nur konnte sie damals nicht sagen, warum. Erst vor drei Jahren, im Sommer 2015, als Hunderttausende Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland kamen, sei es ihr bewusst geworden. "Ich sah, wie alle um mich herum darauf abfuhren und plötzlich meinten, die Deutschen und die Österreicher könnten endlich die Guten in der Geschichte sein. Das fand ich widerwärtig."

Unfassbar naiv

Von da an habe sie sich klar rechts verortet. In einem Artikel las sie über die "Neue Rechte", im Internet forschte sie weiter, stöberte auf rechten Webseiten - und stellte fest: "Das ist genau das, was ich denke."

Sommerfeld zitiert gerne Philosophen, Politologen und sonstige Gelehrte, um ihre Positionen zu untermauern. Sie ist im klassischen Sinne gebildet, kennt sich aus mit politischer Theorie. Sie denkt schnell, wirkt aber bisweilen unfassbar naiv, als handele es sich bei all ihrem Gerede um ein intellektuelles Fingerspiel ohne konkrete Folgen.

Ihre Ehe mit Lethen wird von Beobachtern als eine Art Sozialexperiment wahrgenommen. Lethen pocht vor Gesprächen mit Journalisten darauf, dass es in Interviews um sein neues Buch gehen soll, nicht um seine Ehe mit einer Rechten. Sommerfeld hingegen thematisiert ihre Ehe und die Gegensätze zu ihrem Mann sehr gern. "Wir streiten uns andauernd über die großen Themen", erzählt sie, etwa über die Flüchtlingspolitik. "Mein Mann warf mir einmal vor, die Rechten wollten die ethnische Säuberung wie der NS-Staat. Das ist natürlich ungeheuerlich!"

An bestimmten Punkten gehe es in ihrer Diskussion nicht weiter. "Er ist manchmal gekränkt, ich bin höchstens wütend." Aber da sie nun schon so lange ein Paar seien, gebe es "eine ganz dicke Basis". Andere Paare würden an solcher Gegensätzlichkeit zerbrechen.

Aktivistin der Identitären

Nach ihrer politischen Wende hätten sich manche Freunde von ihr abgewandt, erzählt Sommerfeld. Doch sie habe sich neue gesucht, "zum Beispiel im identitären Kreis". Auf Twitter posiert sie mit dem selbsterklärten Identitären-Sympathisanten  Matthias Matussek. Sie bezeichnet sich nun als Aktivistin der "Identitären Bewegung" in Österreich, jener völkisch orientierten Gruppierung, die von einer "geschlossenen europäischen Identität" träumt, die durch Islamisierung bedroht sei.

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Auf die Frage, ob jemand, der nicht weiß ist, Deutscher sein könne, antwortet sie: "Nein!" Deutschsein sei zwar keine reine Rassenfrage. "Aber es hat auf jeden Fall ganz elementar eine ethnische Komponente. Mit der Staatsbürgerschaft allein ist es nicht getan." Man muss das erst einmal sacken lassen. Was ist dann deutsch? Sommerfeld überlegt. "Das ist doch augenscheinlich", sagt sie dann. Man müsse nur in eine deutsche Kleinstadt fahren und zur Kenntnis nehmen, "wie die Leute dort denken, wie sie sprechen, wie sie aussehen". Mit anderen Worten: Es bedürfe keiner hochtrabenden Definition beispielsweise mit kulturellen Referenzen, sondern es genüge das Kleine, das Alltägliche, um zu sehen und verstehen, was deutsch sei.

Sie sei aber nicht "gegen Fremde ganz pauschal, das ist Quatsch", betont Sommerfeld, natürlich nicht. Das Asylrecht sei sinnvoll, aber es sei dazu da, "wenigen, die in ihrer Heimat politischer Verfolgung unterliegen, temporären Aufenthalt zu gewähren". Wem genau? "In den Fünfzigerjahren hatte das Asylrecht den Sinn, vor allem Deutschen aus dem Ostblock zu helfen. Heute verfolgten Christen aus dem Orient in Deutschland Asyl zu gewähren, ist auch plausibel. Wichtig ist: Asyl gebührt einzelnen, wenigen Individuen."

Dann blickt Sommerfeld auf ihr Uhr. Sie muss los, die Kinder hüten. Der Linke daheim wartet schon. Die Rechte sagt: "Helmut wird sich freuen, dass ich nicht zu spät komme."

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