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Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer »In fünf Jahren müssen wir kriegstüchtig sein«

Boris Pistorius will die Armee auf einen möglichen Konflikt vorbereiten. Unterstützung erhält der Verteidigungsminister von Carsten Breuer: Laut dem Generalinspekteur der Bundeswehr bleibt dafür nicht viel Zeit.
Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr: »Wir haben nicht endlos Zeit«

Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr: »Wir haben nicht endlos Zeit«

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Kay Nietfeld / dpa

In »fünf bis acht Jahren« könnte es möglich sein, dass Russland ein Nato-Land angreift – das sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zuletzt. Angesichts dieser Bedrohung hält der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, es für erforderlich, dass die Bundeswehr binnen fünf Jahren »kriegstüchtig« wird. »Das heißt nicht, dass es dann Krieg geben wird. Aber er ist möglich«, sagte er der »Welt am Sonntag« .

Kriegstüchtigkeit sei ein Prozess, den Deutschland durchlaufen müsse, sagte Breuer. »Aber wir haben nicht endlos Zeit dafür. Denn erstmals seit Ende des Kalten Krieges wird uns ein möglicher Krieg von außen vorgegeben.« Angesichts des militärischen Bedrohungspotenzials, das von Russland ausgehe, »heißt das für uns fünf bis acht Jahre Vorbereitungszeit«. Der Generalinspekteur fügte hinzu: »Weil ich Militär bin, sage ich: In fünf Jahren müssen wir kriegstüchtig sein.«

Kriegstüchtigkeit bedeute »sehr viel mehr« als Verteidigungsfähigkeit, sagte Breuer weiter. »Neben der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft geht es auch um den nötigen Mentalitätswechsel, dem wir uns unterziehen müssen.« Es brauche eine »Gedankenwende, sowohl in der Gesellschaft als auch und vor allem in der Bundeswehr«.

Als Verteidigungsminister Pistorius das erste Mal von Kriegstüchtigkeit gesprochen habe, »hat das schon aufgerüttelt«. Am Ende gehe es darum, »dass ich mich verteidigen kann und dadurch für einen Gegner das Risiko eines Angriffs so hoch setze, dass er sich gegen einen solchen Angriff entscheidet«, sagte Breuer. »Das ist Abschreckung.«

Mit Blick auf die Nato räumte der Generalinspekteur ein, dass Deutschland einige zugesagte Fähigkeiten der Bundeswehr erst später als geplant zur Verfügung stellen könne. Es gehe darum, »dass wir uns auf allen Ebenen ehrlich machen«, sagte Breuer. Einige Dinge könne die Bundeswehr schon jetzt zur Verfügung stellen, aber andere »erst in drei oder vier Jahren«. Um welche Fähigkeiten es geht, wollte Breuer nicht sagen; das sei »militärische Verschlusssache«.

Die deutschen Streitkräfte steckten ebenso wie die Nato insgesamt in einem Umbruch, sagte Breuer. »Zur Ehrlichkeit gehört auch der Satz: Das wird jetzt noch mal ein bisschen rumpeln – aber im positiven Sinne.« Er stehe in ständigem Kontakt mit dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, dem US-General Christopher Cavoli. Dieser sage: »Sagt uns bitte, was ihr jetzt schon könnt und ab wann ihr alles könnt.« Ein solches Vorgehen sei besser, »als irgendeine Fähigkeit nur auf dem Papier abzubilden«, betonte Breuer.

Deutschland will für die neue Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie der Nato künftig 35.000 Soldaten in sehr hoher Bereitschaft halten. Dazu gehören eine voll ausgestattete und einsatzbereite Heeresdivision ab 2025 und eine weitere Division ab 2027. Hinzu kommen laut Pistorius bis zu 200 Flugzeuge und Schiffe sowie militärische Unterstützungsfähigkeiten.

sol/AFP