Castor in Niedersachsen Atomkraftgegner blockieren Gleise

Der Castor-Transport hat Niedersachsen erreicht. Dabei hat der Zug eine andere Strecke genommen als vorgesehen. Unterdessen gibt es neue Blockaden von rund 1000 Atomkraftgegnern in Wendisch-Evern bei Lüneburg.


Die Polizei hat alle Hände voll zu tun in Wendisch-Evern.
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Die Polizei hat alle Hände voll zu tun in Wendisch-Evern.

Gorleben/Dannenberg/Heilbronn - Mehrere Stunden vor dem Eintreffen des Castor-Transports haben 1.500 Atomkraftgegner am Dienstagnachmittag im Wendland die Gleise blockiert. Sie drangen nach Angaben der Anti-AKW-Bewegung "X-tausendmal quer" an zwei bis drei Stellen auf die Schienenwege vor, die Polizei habe Schlagstöcke eingesetzt, um sie davon abgehalten. Nach Angaben der Umweltschützer wurde mindestens eine Person verletzt, die Sicherheitskräfte sprachen von mehreren Demonstranten, die Platzwunden erlitten hätten.

Die Polizei begann inzwischen damit, die Gleise zu räumen. Sie trage die Castor-Gegner nach und nach von den Gleisen, sagte. Anschließend würden die Demonstranten in Gewahrsam genommen.

Route geändert: Der Castor-Zug auf dem Weg nach Gorleben
AP

Route geändert: Der Castor-Zug auf dem Weg nach Gorleben

Anders als erwartet fuhr der Zug mit den sechs Atommüllbehältern am Montagmittag vom hessischen Bebra nicht Richtung Göttingen, sondern durch Nordrhein-Westfalen, wie die Polizei mitteilte. In Göttingen hatte es zuvor Gleisblockaden gegeben. Am Nachmittag erreichte der Transport Celle um über Lüneburg ins Wendland weiterzufahren.

In der Nacht hatte der Zug die deutsche Grenze überquert, wo es Demonstranten zweimal gelungen war, ihn durch Schienenblockaden zu stoppen.

"Wir mussten Menschen wegräumen"

In Wörth an der deutsch-französischen Grenze nahm die Polizei mehrere Personen fest. Ihnen werde Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. "Wir mussten die Menschen wegräumen", sagte ein Polizeisprecher. In Rheinland-Pfalz waren 2000 Polizisten im Einsatz, die die Zugstrecke absicherten.

10.000 wollen in Niedersachsen demonstrieren

Von Wörth aus, wo die Lokomotive ausgetauscht und der Castor-Zug durch Waggons für Beamte des Bundesgrenzschutzes ergänzt worden war, setzte der Castor-Zug seine Fahrt über Karlsruhe, Würzburg und Fulda fort. Am Dienstagnachmittag wurde der Transport in Niedersachsen erwartet, wo bis zu 10.000 Menschen gegen die Atompolitik der rot-grünen Bundesregierung demonstrieren wollten. Zum Schutz der Strecke und des Castor-Transports sollen dort bis zu 20.000 Polizisten und Grenzschutzbeamte eingesetzt werden.

Greenpeace besetzte wichtige Brücke

Greenpeace-Aktion contra Castor-Transport
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Greenpeace-Aktion contra Castor-Transport

Greenpeace besetzte nahe des niedersächsischen Ortes Hitzacker eine Eisenbahnbrücke. Die Polizei nahm 40 Mitglieder der Umweltschutzorganisation in Gewahrsam. Die Greenpeace-Mitglieder waren mit Schlauchbooten herangefahren und mit Spezialleitern auf die Brücke über die Jeetzel geklettert. Dort brachten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Stopp Castor" an. Zehn Umweltschützer hingen an Seilen von der Brücke herab, bis Polizisten sie herunterholten. Ein Umweltschützer sei dabei verletzt worden, teilte Greenpeace mit.

Auch an anderen Stellen entlang der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg protestierten Atomkraftgegner. Bei Oldendorf in der Nähe von Göhrde wurden 20 Personen in Gewahrsam genommen, weil sie eine Brücke über die Bahnstrecke blockierten. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Rebecca Harms, sagte, sie rechne für den Dienstag mit weiteren Blockadeversuchen entlang der Zugstrecke.



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