Castor-Transport Das Wendland rüstet zum Widerstand

Der bislang größte Castor-Transport rollt derzeit in Richtung Gorleben - und wird auf seinem Weg ins Atommüll-Zwischenlager auf zahlreiche Protestaktionen stoßen. Die Polizei will hart durchgreifen und Demonstranten angeblich gar in Drahtkäfige sperren - behaupten zumindest die Castor-Gegner.

Cherbourg/Gorleben - Der Zug mit den zwölf Castorbehältern war am Montagabend aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet und in der Nacht mit Verspätung durch Nordfrankreich gefahren. Atomkraftgegner setzten ihre seit dem Wochenende andauernden Proteste fort. Rund 40 Demonstranten setzten sich in Pisselberg bei Dannenberg auf die Gleise. Die Blockade wurde von der Polizei geräumt.

Der Castor-Transport kommt inzwischen schneller voran. Der Zug passierte den Bahnhof der nordfranzösischen Stadt Nancy 35 Minuten früher als geplant, teilte die Anti-Atom-Organisation "Sortir du Nucléaire" mit. In Caen und Amiens hatte er zuvor noch bis zu zwei Stunden Verspätung gehabt. Den Angaben zufolge sollen die zwölf Castor-Behälter um 15.41 Uhr in Lauterbourg die Grenze passieren.

Voraussichtlich fährt der Zug dann über Hessen ins niedersächsische Gorleben. Er soll am Mittwoch die Verladestation in Dannenberg erreichen. Dort müssen die Behälter auf Spezialtieflader umgepackt werden. Es ist der sechste Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben.

Widerstandsgruppen drohen mit Blockaden

Das Wendland hat sich bereits für die Ankunft des Atommüll-Transports gerüstet. Mehrere Widerstandsgruppen kündigten Aktionen auf der Bahn- und der Straßenstrecke an. Die Polizei sicherte Bahnübergänge und Straßenkreuzungen weiträumig um Dannenberg herum. Für den Nachmittag wurden verschiedene Aktionen der Atomkraftgegner erwartet. So soll es auf dem Marktplatz in Dannenberg erneut eine Demonstration geben, nachdem sich am Montagabend rund 1000 Bürger dort versammelt hatten.

Auf einer Pressekonferenz kündigten mehrere Widerstandsgruppen Blockaden an. Eine Gruppe mit dem Namen "Widersetzen" wollte in Hitzacker kurz vor Dannenberg versuchen, auf die Gleise zu gelangen. Die Bahnstrecke führt mitten durch den Ort. Die Gruppe "X-tausendmal quer" will den Transport auf der Straße stoppen.

Auch die Umweltorganisation Robin Wood, die im Frühjahr vergangenen Jahres einen Castor-Zug 17 Stunden lang aufgehalten hatte, kündigte erneut eine Aktion an. Die Lüneburger Bezirksregierung genehmigte unterdessen 41 von 52 angemeldeten Versammlungen der Castorgegner. Entlang der Transportstrecke gilt allerdings ein Demonstrationsverbot.

Der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein (RAV) warf Polizei und Justiz vor, sie planten eine "menschenunwürdige" Behandlung von festgesetzten Castor-Gegnern. Besonders schockierend sei die geplante Unterbringung in ehemaligen Fahrzeughallen. Dabei sollen in Gewahrsam genommene Demonstranten angeblich auch in Drahtkäfigen festgehalten werden.

Kritik der niedersächsischen Landesregierung

Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling drängte die Bundesregierung, die Suche nach Alternativstandorten für das Atomlager Gorleben zu beschleunigen. "Eine wirkliche politische Perspektive für das Wendland gibt es erst, wenn die Bundesregierung anfängt, eine ernsthafte Endlagersuche in Deutschland zu betreiben", sagte Bartling der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Noch werde Niedersachsen bei der Frage der atomaren Zwischenlagerung weitgehend allein gelassen.

Auf einen einzigen Castor-Transport im Jahr sei das Land Niedersachsen eingestellt, auch der Castor im Zwölferpack bereite keine Probleme, sagte der SPD-Politiker. Aber zwei Transporte im Jahr könne das Land schon wegen der Kosten in Höhe von jeweils 30 Millionen Euro nicht verkraften.

Beim laufenden Castor-Transport warnte der Innenminister die Demonstranten im Wendland "eindringlich davor, die Polizisten zu provozieren". Ihn bedrückten Bilder von Beamten, die von Demonstranten mit Mist beworfen oder mit anfahrenden Traktoren provoziert werden. "Vor einigen Monaten wurden unsere Uniformierten von der Bevölkerung im Wendland noch als Fluthelfer begrüßt", sagte Bartling.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke, kündigte dagegen weitere Proteste an: "Der Widerstand im Wendland ist ungebrochen." Er warf der rot-grünen Bundesregierung vor, den Atomausstieg "auf die lange Bank" zu schieben und erinnerte an den Streit um das Atomkraftwerk Obrigheim. Ehmke drückte die Sorge aus, dass noch 100 Castoren mehr als geplant nach Gorleben kommen sollen. Dabei soll es sich um mittelradioaktiven Müll handeln.