Castor-Transport Steinbrück wettert gegen Trittin

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident ist über Jürgen Trittin empört. Die Genehmigung eines Atommüll-Transportes aus Sachsen nach Ahaus sei eine "gänzlich unverständliche Entscheidung, die einen wahnsinnigen Aufwand nach sich zieht", kritisierte Peer Steinbrück.


Zwischenlager Ahaus: Lieferung aus Sachsen
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Zwischenlager Ahaus: Lieferung aus Sachsen

Düsseldorf - "Angesichts der aktuellen Lage fehlt mir jedes Verständnis", sagte der SPD-Politiker Steinbrück heute in Köln. Realistische Schätzungen gingen allein in Nordrhein-Westfalen von Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro für die Absicherung der Transporte aus, die per Lkw über die Straßen führen sollen. Die Summe sei den Menschen nicht zu vermitteln.

Bärbel Höhn, NRW-Umweltministerin und Parteifreundin von Bundesumweltminister Trittin, kündigte Widerstand gegen den vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigten Transport ins münsterländische Zwischenlager Ahaus an: Die rot-grüne Landesregierung werde alle Möglichkeiten prüfen, das zu verhindern, sagte sie heute in Düsseldorf. Vor allem die Tatsache, dass der radioaktive Müll über eine Entfernung von rund 600 Kilometer auf der Straße transportiert werden soll, stieß bei ihr auf Unverständnis: "Dieser Transport ist unsinnig. Deshalb muss er verhindert werden." Nur weil der Freistaat Sachsen keinen Gleisanschluss am Forschungsreaktor habe, müssten die Castoren nun über die Straße rollen.

Die nordrhein-westfälischen Grünen kündigten ebenfalls Widerstand an. Man wolle gemeinsam mit der SPD mit allen politischen und juristischen Mitteln das Zustandekommen der Fahrten verhindern. Geplant sei in diesem Zusammenhang eine Bundesratsinitiative, mit der das Land Sachsen gezwungen werden soll, am Standort Rossendorf ein Zwischenlager einzurichten.

NRW-Ministerpräsident Steinbrück: "Mir fehlt jedes Verständnis"
AP

NRW-Ministerpräsident Steinbrück: "Mir fehlt jedes Verständnis"

Auch der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD) kritisierte die Genehmigung und kündigte Rechtsmittel dagegen an. Die Möglichkeiten dazu seien aber "wohl beschränkt", sagte Behrens. Gerade nach den Terroranschlägen von Madrid seien diese Transporte "nicht zu verantworten".

Kritik an den bevorstehenden Transporten kam umgehend auch von Kernkraftgegnern. Das Amt und Trittin seien "willige Helfer der Atomindustrie", teilte die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" mit. Die Atomkraftgegner aus dem Münsterland riefen spontan zu einer Demonstration vor dem Ahauser Rathaus auf.

Das dem Grünen-Politiker Trittin unterstellte Amt für Strahlenschutz hatte gestern den Transport von 18 Castorbehältern mit 951 bestrahlten Brennelementen aus dem stillgelegten Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden nach Ahaus genehmigt. Wann von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werde, liege nun an der Antragstellerin, der Nuclear Cargo + Service GmbH, teilte das Bundesamt mit. Befristet sei die Erlaubnis bis zum Jahresende.



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