Castor-Transport vor letzter Etappe Noch 20 Kilometer bis Gorleben

Noch nie brauchte ein Castor-Transport aus Frankreich so lange: Nach 109 Stunden hat der Zug den Umladebahnhof in Dannenberg erreicht. Dort wird die hochradioaktive Fracht auf Tieflader gehoben. Für die letzte Etappe auf der Straße kündigen die Gegner massiven Protest an.


Dannenberg - Der Castor-Transport geht in seine letzte Phase: Im Umladebahnhof in Dannenberg werden zurzeit die elf Behälter mit ihrer hochradioaktiven Fracht per Kran vom Zug auf Spezialtransporter gehoben. Dafür sind etwa 15 Stunden eingeplant. Ein Castor-Behälter ist bis zu 120 Tonnen schwer. Allein das Messen der Strahlung nach dem Umsetzen dauert bei jedem Castor eine Dreiviertelstunde. Die Umladestation wird durch Scheinwerfer und Hunderte Polizisten gesichert.

Im Schneckentempo hatte sich der Castor-Transport in der Nacht vorgearbeitet: 109 Stunden brauchte er für die rund 1200 Kilometer aus dem französischen La Hague bis ins niedersächsische Wendland. Nach massiven Protesten kam der Transport am frühen Montagmorgen in der Umladestation in Dannenberg an.

Die letzten rund 20 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben muss der Transport über die Straße zurücklegen. Irgendwann wird er dann an seinem Ziel ankommen - wann ist ungewiss: Die Atomkraftgegner haben mit weiteren Protesten gedroht. Bereits am Sonntagabend besetzten rund 800 Demonstranten eine Straße.

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109 Stunden: Castor-Transport vor letzter Etappe
Auch an anderen Stellen kam es zu Blockaden: An der Ortseinfahrt zu Metzingen errichteten Atomgegner eine Barrikade aus brennenden Autoreifen. In der Ortschaft gerieten schon in den vergangen drei Tagen Einsatzkräfte der Polizei und Demonstranten gewaltsam aneinander.

800 Menschen auf den Gleisen

Auch in der Nacht hatten sich Castor-Gegner wieder ein stundenlanges Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei geliefert. Trotz massiven Einsatzes der Beamten konnten Demonstranten die Fahrt des Zugs mehrmals stoppen. Wenige Kilometer vor dem Verladebahnhof mussten die Polizisten rund 800 Menschen von den Gleisen bei Hitzacker tragen. Zudem mussten sie noch einen Aktivisten von den Gleisen lösen, der sich mit einem Rohr festgemacht hatte. Dazu wurden die Schienen durchtrennt und danach wieder repariert, wie die Polizei berichtete.

Zuvor hatte die Polizei das wohl schwierigste Hindernis von den Bahnschienen entfernt: eine 600 Kilogramm schwere Betonpyramide, an die sich eine Frau und drei Männer gekettet hatten. Erst nach 15 Stunden gaben sie auf. Die Polizei räumte ein, es habe sich bei der Betonpyramide "augenscheinlich um ein durchdachtes, ausgeklügeltes" System gehandelt. Es sei nur schwer möglich gewesen, die Atomkraftgegner unverletzt zu befreien, hieß es. Es sei die längste Einzelaktion gewesen, die es je gegen einen Castor-Transport gegeben habe, sagte die Grünen-Politikern Rebecca Harms, die selbst im Wendland zu Hause ist.

Auch an anderen Orten entlang der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg sorgten Demonstranten immer wieder für unplanmäßige Stopps. Außerdem lieferten sich rund 200 Vermummte in einem unübersichtlichen Waldstück eine heftige Auseinandersetzung mit Polizisten. Dabei wurden auch Journalisten mit Wurfgeschossen attackiert.

Schon jetzt ist klar, dass dieser Transport länger dauert als alle Castor-Fahrten zuvor. 2010, im bisherigen "Rekordjahr", hatte die Fahrt von La Hague nach Dannenberg rund 92 Stunden gedauert. Der Einsatz wird in Deutschland von etwa 19.000 Polizisten und Zehntausenden Atomkraftgegnern begleitet.

heb/dpa/dapd/AFP



insgesamt 61 Beiträge
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Leser161 28.11.2011
1. Von den Schwaben lernen
Wie wäre es mal mit einer Volksabstimmung zu Gorleben? Vielleicht kommt da wie bei Stuttgart21 was überraschendes raus?
DrHibbert, 28.11.2011
2. gäähn
Ritualisierter Protest-Popanz! Wenigstens nervt dieser Bahnhof jetzt nicht mehr ...
grana 28.11.2011
3. ausgeschlossen
Zitat von Leser161Wie wäre es mal mit einer Volksabstimmung zu Gorleben? Vielleicht kommt da wie bei Stuttgart21 was überraschendes raus?
Die sind tatsächlich alle gegen das Endlager. Selbst eine steinreiche Familie aus der Region hat sich, entgegen den Erwartungen der Befürworter, klar dagegen ausgesprochen. So wie man in Bayern kein Deutsch spricht, so will man im Wendland keinen Atommüll ;-)
komparse, 28.11.2011
4. Nur mel eine Frage.
Zitat von sysopNoch nie brauchte ein Castor-Transport aus Frankreich so lange: Nach 109 Stunden hat der Zug den Umladebahnhof in Dannenberg erreicht. Dort wird die hochradioaktive Fracht auf Tieflader gehoben. Für die letzte Etappe auf der Straße kündigen die Gegner massiven Protest an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800254,00.html
Wer kann mir von den Atomgegner sagen, wer denn den deutschen Atommüll ihrer Meinung nach nehmen soll?
Epaminaidos 28.11.2011
5. Bringt nichts.
Zitat von Leser161Wie wäre es mal mit einer Volksabstimmung zu Gorleben? Vielleicht kommt da wie bei Stuttgart21 was überraschendes raus?
Vielleicht passiert aber auch das gleiche wie bei S21: Das Volk spricht und die Protestler interessiert es nicht. Scheint ja in Stuttgart genau so zu kommen.
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