Castor unterwegs Rund 150 Verletzte bei Protesten

Der Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben wird massiv: Auf dem letzten Schienenstück blockierten nach Mitternacht noch weit mehr als Tausend Demonstranten die Gleise. Im Laufe des Tages waren bei den Protesten rund 150 Menschen verletzt worden.

Greenpeace-Aktivisten ketteten sich an die Gleise: In der Nacht griff die Polizei ein
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Greenpeace-Aktivisten ketteten sich an die Gleise: In der Nacht griff die Polizei ein


Lüneburg/Dannenberg - Polizei und Demonstranten liefern sich an der Strecke des Castor-Transports nach Gorleben heftige Auseinandersetzungen. Im Laufe des Tages sind mehr als 100 Demonstranten und etwa 35 Polizisten verletzt worden. In der Nähe von Lüneburg ketteten sich mehrere Greenpeace-Aktivisten an die Gleise. In der Nacht begannen Polizisten, die Schienen neben diesen Blockierern aufzuflexen, um die Demonstranten wegtragen zu können.

Einige Kilometer weiter versammelten sich nach Angaben der Initiative "WiderSetzen" rund 2500 Demonstranten, um den Castor an der Weiterfahrt zu hindern. Die Polizei sprach von etwa 1800 Menschen in der Nähe der Gemeinde Harlingen. Dort kam es zunächst nicht zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Castor-Gegnern. Bis nach Mitternacht war diese Blockade auch nicht aufgelöst.

Im Gegensatz dazu ist es in Metzingen in der dritten Nacht in Folge zu Auseinandersetzungen gekommen. Etwa 50 schwarz gekleidete Personen sollen brennende Strohballen auf eine Kreuzung gezerrt und Polizisten mit Steinen attackiert haben, wie ein Polizeisprecher sagte. Bereits am Donnerstag und Freitag waren dort Polizisten und Einsatzkräfte aneinandergeraten.

Tagsüber war die Polizei hart gegen die Castor-Proteste vorgegangen. Sanitäter hätten seit Beginn der Anti-Castor Demonstrationen rund 110 Atomkraftgegner behandelt, sagte die Leiterin der Sanitätszentrale in Dannenberg. Viele Demonstranten erlitten Augenverletzungen durch Pfefferspray, andere Prellungen durch Schlagstöcke. Zudem wurden etwa 35 Polizisten durch Wurfgeschosse oder Tränengas der Atomkraftgegner verletzt, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte.

Ungeplanter Zwischenhalt in Maschen

Am Abend erreichte der Transport mit elf Atommüll-Behältern den Verschiebebahnhof Maschen. Dort soll er umgekoppelt werden, bevor er die letzte Etappe auf der Schiene antritt. In Dannenberg soll der Castor dann auf Lastwagen umgeladen werden, die ihn bis ins Zwischenlager Gorleben bringen.

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Atom-Transport: Letzte Etappe für den Castor
Der Transport blieb jedoch zumindest bis weit nach Mitternacht in Maschen stehen - offenbar anders als geplant. Ursprünglich sei dort nur ein kurzer Stopp vorgesehen gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei am Samstagabend. Der Fahrplan hänge nun allerdings davon ab, wie sich die Lage auf der "Wendlandbahn" genannten Passage nach Dannenberg entwickle.

Mögliche Verzögerung durch starken Wind

Nach dem ursprünglichen Plan der Behörden sollten die Castoren morgen den Bahnhof Dannenberg erreichen. Allerdings könnten auch ungünstige Wetterbedingungen den Transport weiter verzögern: Von Samstagnacht an werden im Wendland Böen mit Windstärke sieben erwartet, am Sonntag sogar bis Stärke neun, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Dann könnte der Atommüll vorerst nicht auf Lastwagen geladen werden: Der zum Umheben des Atommülls eingesetzte Kran ist nach Angaben der Gorleben-Betreibergesellschaft GNS nur bis Windstärke sieben ausgelegt.

usp/dpa/dapd



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rkinfo 26.11.2011
1. Atomausstieg ?
Zitat von sysopDer Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben wird massiv: Auf dem letzten Schienenstück blockieren weit mehr als Tausend Demonstranten die Gleise. Die Polizei schritt vorerst nicht ein. Im Laufe des Tages waren bei den Protesten rund 150 Menschen verletzt worden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800156,00.html
Wir haben doch längst den Atomausstieg womit eh die Frage Endlagerung nun akut ist. Das ist alles im Wendland surreal ... ähnlich zu Anti-Stuttgart21. Aber ich bin kein Politiker sondern Techniker ...
gfssfg 26.11.2011
2. Übergebt die Castoren Claudia Roth
Zitat von sysopDer Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben wird massiv: Auf dem letzten Schienenstück blockieren weit mehr als Tausend Demonstranten die Gleise. Die Polizei schritt vorerst nicht ein. Im Laufe des Tages waren bei den Protesten rund 150 Menschen verletzt worden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800156,00.html
Stoppt endlich dieses abgekartete Castor-Ritual. Übergebt die Castoren an Greenpeace und Claudia Roth, mal schauen wo die die Dinger hinbringen.
aeronaut79 26.11.2011
3. Hallo
Zitat von sysopDer Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben wird massiv: Auf dem letzten Schienenstück blockieren weit mehr als Tausend Demonstranten die Gleise. Die Polizei schritt vorerst nicht ein. Im Laufe des Tages waren bei den Protesten rund 150 Menschen verletzt worden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800156,00.html
Ich hoffe alle "Demonstranten", die die 35 Polizisten verletzt haben, erhalten ihre verdiente Strafe. Vielleicht kommen diese Menschen dadurch mal auf Gedanken, zu denen sie bisher nicht in der Lage waren.
no_panic 27.11.2011
4. Wünsche
Ich wünsche den Demonstranten in Gorleben, die ohne Straftaten ihre Meinung kundtun, den Zug aber trotzdem behindern können, alles Gute und eine nicht zu kalte und harte Nacht. Wir hier draußen stehen hinter Euch, haltet aus!
m a x l i 27.11.2011
5. Hysteristan (Vorsicht, Ironie!)
[SchaumVorMaul]Das ist wieder mal was für unsere Hysteriker. In China fällt ein Sack Reis um oder in Deutschland entfernt jemand ein Steinchen von einem Gleisbett. Unsere gleichgeschaltete "Qualität"presse berichtet darüber im Minutentakt, um die Panik zu schüren, damit der deutsche Michel so richtig die Hosen voll haben kann. Dabei gab es bei den Castor-Protesten genau *Null* Tote. Der Zunahmi hat 20000 getötet. Aber das interessiert hier niemand. Auch SPON ignoriert die Toten des Zunahmis wieder mal. Da gehe ich doch lieber Bild lesen! Wegen eines Ereignisses 15 Tausend Kilometer weg sollen wir jetzt aus Demonstrationen aussteigen. Dabei sind unsere Demonstrationen sicher. Da ist noch nie etwas passiert und da kann auch gar nichts passieren, bei uns gibt es nämlich keine Zunahmis. Unsere sicheren Demonstrationen müssen dann durch unsichere Demonstrationen in Nachbarländern ersetzt werden. Das ist doch egoistisch. Die Franzosen setzen jetzt schon unsichere kleine Demonstranten direkt an der deutschen Grenze in die Welt. Die Welt setzt weiter auf Demonstrationen. In Kairo und Damaskus und in New York wird weiter protestiert. Nur bei uns wandern alle Protestanten nach Rom aus. Bei uns gehen dann bald die Kerzen aus. Dafür dürfen wir dann bald teure Demonstranten aus Frankreich und Tschechien importieren. Dort freut man sich jetzt schon. Und Putin will uns auch seine orthodoxen Protestanten teuer verkaufen. Bei uns sinkt der Lebensstandard. Die Kindersterblichkeit schnellt in die Höhe. Die Welt lacht über Deutschland.[/SchaumVorMaul]
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