Chefin der Frauen-Union Widmann-Mauz fordert mehr Kandidatinnen auf Listenplätzen

Bislang gehört die CDU zu den Parteien mit den wenigsten weiblichen Mitgliedern. Annette Widmann-Mauz will Frauen nun stärker fördern: mit einem Reißverschlussverfahren, das Listenplätze paritätisch besetzt.

Annette Widmann-Mauz: "Das Ziel ist halbe-halbe"
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Annette Widmann-Mauz: "Das Ziel ist halbe-halbe"


Frauen sind in der Politik in der Minderheit. Das haben die Landtagswahlen vor Kurzem erneut gezeigt. In den Länderparlamenten von Sachsen und Brandenburg sitzen nach den Wahlen deutlich weniger Frauen. Das liegt unter anderem daran, dass konservative und rechtspopulistische Parteien dort stark vertreten sind: Sie haben traditionell einen geringeren Anteil an weiblichen Mitgliedern. Die Chefin der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz (CDU), will Frauen stärker in der Politik ihrer Partei vertreten sehen.

Sie hat die CDU deshalb zur Aufstellung von mehr Frauen auf Kandidatenlisten aufgefordert. "Das Ziel ist halbe-halbe", sagte sie der "Rheinischen Post". "Für Listenplätze brauchen wir ein Reißverschlussverfahren, nach dem die Listen verbindlich zur Hälfte mit Frauen besetzt werden - und zwar gleichermaßen auf vorderen, mittleren und hinteren Plätzen."

Nötig sei dabei eine "verpflichtende Mindestvorgabe". Das im Jahr 1996 von der CDU eingeführte Frauen-Quorum von einem Drittel werde "von zu vielen nur als unverbindliche Obergrenze von Frauenbeteiligung angesehen" und sei deshalb "nicht mehr zeitgemäß", kritisierte die Christdemokratin.

Widmann-Mauz kann sich nach eigenen Angaben auch finanzielle Anreize vorstellen, um die Aufstellung von Frauen zu fördern. "Zum Beispiel könnte es zusätzliche Finanzmittel geben, wenn ein Landesverband die Zielvorgaben bei der Aufstellung von Frauen erfüllt", sagte sie. Ob solche Modelle auch in der öffentlichen Parteienfinanzierung möglich seien, könne eine Bundestags-Kommission ausloten.

Andere Parteien haben bereits Regelungen zur Frauenförderung eingeführt. Die Grünen und Linken etwa besetzen ihre Wahllisten paritätisch.

mfh/AFP



insgesamt 28 Beiträge
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mynonys22 09.09.2019
1. aha
also z.B. 1/5 der Partei sind Weiblich aber 50/50 wird der geringere Anteil in höhere Positionen katapultiert, na sowas nenn ich doch mal Gleichbehandlung, toller Vorschlag
sans_words 09.09.2019
2. Proporz
Unter der Annahme, dass Frauen und Männer im Durchschnitt gleich geeignet sind für entsprechende Ämter, macht es Sinn, dass Frauen und Männer entsprechend ihrem Anteil an der Parteimitgliedschaft auf die Listenplätze verteilt werden. Also z.B.: falls in der CDU 40 % Frauen sind und 60 % Männer, so sollten dieses Verhältnis auch auf den Listenplätzen abgebildet sein. Eine andere Vorgehensweise, insbesondere ein Frauenanteil von 50 % auf den Listenplätzen bei nur 40 % Anteil in der Partei würde zu einer Verschlechterung der Qualität bei der Besetzung führen. Das kann nicht gewünscht sein.
Le Commissaire 09.09.2019
3. Datenbasis
Rund 25% der Mitglieder der CDU sind weiblich, dann kann eine Frauenquote für die Listenplätze auch nur bei rund 25% liegen. Alles andere wäre Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Oder wäre solch eine Diskriminierung plötzlich in Ordnung, wenn sie Männer betrifft?
wjr69 09.09.2019
4. Mit der Quote kann es ..
von mir aus jede Partei halten, wie sie es für richtig hält. Aber bitte keine gesetzliche Quote! Das GG kennt keinen Anspruch einer Gruppe auf eine ihrem Bevölkerungsanteil entsprechenden Repräsentation im Parlament, sondern nur ein einheitliches Staatsvolk. Der Bundestag ist kein Ständeparlament!
haarer.15 09.09.2019
5. Vergebliche Anläufe ...
... die es ja immer wieder gegeben hat. Das Ringen um mehr Frauenförderung und Anerkennung in der C-Partei hat den Frauen bislang nix gebracht. Eher wird das Rad ja sogar noch zurückgedreht. So wie Konservative nun einmal ticken mit ihrem althergebrachten Frauen- und Familienbild, wird sich daran nichts ändern. CDU und CSU bleiben in ihrer Außenwirkung und auch ganz reell wohl dauerhaft eine vorherrschend altväterliche Herrenpartei. Was bitte bewegt Frauen denn dazu, gerade in solch eine hierarchisch-verkrustete Partei einzutreten ?
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