Union Laschet verteidigt Wahl zum Kanzlerkandidaten gegen Kritiker

Viele in der Union wollten CSU-Chef Söder als Kanzlerkandidat – doch nun wird es Armin Laschet. Im ARD-Interview versprach er nun einen Versöhnungsprozess für die Schwesterparteien.
Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Foto: Michael Kappeler / dpa

CDU-Chef Armin Laschet hat sich gegen Kritik gewehrt, er sei als Kanzlerkandidat der Union nur die Wahl des »Parteiestablishments«. Der Prozess der Kandidatenkür sei eine gut abgewogene Entscheidung gewesen, sagte Laschet im ARD-Format »Farbe bekennen«. Auch wenn es an der CDU-Basis viele gebe, die lieber seinen Rivalen Markus Söder als Kanzlerkandidaten gesehen hätten, habe am Ende der CDU-Vorstand entschieden . »Die Partei hat gesagt: Ja, wir trauen dir das zu.«

Laschet sagte, er glaube nicht, dass die Union nun gespalten sei. Wie schon nach der Wahl zum CDU-Vorsitzenden wolle er sich auch jetzt bemühen, die Lager zu vereinen. Er wolle »viele Gespräche führen, versöhnen, zusammenführen, auch Gegensätze wieder zusammenbringen«, sagte Laschet. Schon in den nächsten Tagen wolle er in die Kreisverbände gehen und das Gespräch suchen. »Das braucht jetzt die CDU.«

Laschet und CSU-Chef Söder hatten wochenlang darum gerungen, wer die Union als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führen soll. Söder steht in vielen Umfragen besser da, auch in der CDU hatte er viele Fürsprecher. In einer digitalen Sondersitzung des CDU-Vorstands hatten in der Nacht zum Dienstag dann 31 von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl für den eigenen Parteivorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten plädiert. Neun stimmten für Söder, sechs enthielten sich (lesen Sie hier mehr).

Aufstand blieb aus

Söder hatte angekündigt, die Entscheidung des Bundesvorstands zu akzeptieren – und zog am Mittag schließlich im Machtkampf mit Laschet zurück. »Die Würfel sind gefallen«, sagte der bayerische Ministerpräsident in München. Laschet dankte ihm und der CSU »für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung, auch in einer sehr persönlichen Entscheidung«.

Vor der Sitzung der Unions-Bundestagsfraktion am Nachmittag war gemutmaßt worden, dort könnte Unmut über die Entscheidung zutage treten. Bei vielen Abgeordneten hatte Söder Rückhalt. Doch ein solcher Aufstand war nicht zu erkennen. Von Söders Unterstützern äußerte sich nur Gunther Krichbaum, der aber nun ebenfalls für Geschlossenheit warb. Laschet habe sich bei der Fraktion für die Offenheit in der Debatte bedankt und ihr eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung des Wahlprogramms der Union zugewiesen, hieß es aus Unionskreisen.

Merkels »große Schuhe«

Im ARD-Interview sagte Laschet zur Frage, möglicherweise Angela Merkels Nachfolger zu werden, das seien große Schuhe, in die er trete. »Wenn jemand 16 Jahre Kanzler ist«, so Laschet, »da muss man großen Respekt vor dieser Lebensleistung haben.« Aber auch Merkel habe einmal angefangen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt.

Laschet bekräftigte seine Aussage, die Union habe gute Chancen, bei der Bundestagswahl im Herbst wieder stärkste Kraft zu werden. Zwar habe die Coronapandemie deutlich gemacht, dass es viele Baustellen gebe, »wo es nicht gut läuft« – von der Digitalisierung bis zum Bildungssystem. Allerdings verwahrte sich Laschet dagegen, CDU und CSU allein seien für gegenwärtige Missstände verantwortlich, obwohl sie seit 16 Jahren ununterbrochen regieren. »Ja, es gibt Defizite«, sagte Laschet. »Aber einer der Mitbewerber, die SPD, hat mitregiert.«

Als einen der größten Gegner im Wahlkampf machte Laschet die AfD aus. Mit allen anderen Parteien könne man über Sachthemen und Ideen streiten, bei der AfD aber gehe es darum, den »Bestand unserer Grundwerte zu verteidigen«.

mrc