Nach Merkels Rückzug CDU-Abgeordneter fordert radikalen Umbau der Parteiführung

Angela Merkel tritt als CDU-Chefin ab - ist die Erneuerung damit beendet? Der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker will mehr. Er will Querdenker und Seiteneinsteiger rekrutieren.

CDU-Abgeordneter Kai Whittaker im Bundestag
Steven Vangermain

CDU-Abgeordneter Kai Whittaker im Bundestag

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Kai Whittaker findet es toll, dass sich etwas tut in der CDU, das Kandidaten-Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze belebt aus seiner Sicht die deutsche Christdemokratie. Aber der 33-jährige Bundestagsabgeordnete aus Baden-Baden will, dass sich in seiner Partei mehr verändert.

"Neuanfang für die CDU heißt beim Thema Führungspersonal: Schaffen wir es, unsere Gremien nicht mehr mit Funktionären, sondern mit Querdenkern und Seiteneinsteigern zu besetzen?", schreibt der Arbeitsmarktexperte in einem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.

"Brauchen wir ein nach Proporz besetztes Präsidium und einen 50-köpfigen Bundesvorstand?" Whittaker sieht es so: "Wer nur Leute aus dem eigenen Saft rekrutiert, der darf sich nicht wundern, wenn die Menschen meinen, wir entfernten uns immer mehr vom Wähler."

"Unser ganzer Parteiapparat ist eine einzige Konsensmaschine"

"Wir müssen innovativer werden", fordert der CDU-Politiker. "Unser ganzer Parteiapparat ist eine einzige Konsensmaschine." Eine kontroverse neue Idee werde "so lange in den Mühlen von Gremiensitzungen feingemahlen, bis nichts mehr davon übrig geblieben ist", konstatiert er. "Also brauchen wir weniger Gremien, weniger Vorstandsebenen, weniger Vorstandsmitglieder."

Whittaker schlägt vor: "Stattdessen sollten wir digitale Technologien nutzen, um unsere Mitglieder und Experten überregional zu verknüpfen." Die CDU brauche "Ideenwerkstätten statt Wahlparteitage".

"Für mich wäre ein echter Neuanfang: Eine Partei, die zeigt, dass es nicht um Karrieren, sondern um die Menschen in unserem Land geht", schreibt er. "Eine Partei, die mutig ist und nicht immer die gleichen eingetretenen Pfade einschlägt." Whittaker: "Denn ich habe keine Lust, die Schlachten der Vergangenheit zu schlagen. Das wäre Selbstbeschäftigung, was Wähler abstrafen, und nicht Selbstvergewisserung, was Wähler belohnen."

Der CDU-Politiker, seit 2013 im Bundestag, ist Volkswirt und arbeitete vor dem Einzug ins Parlament als Assistent der Geschäftsleitung für den international tätigen Tunnelbauer Herrenknecht aus Lahr im Schwarzwald.

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