Stefan Kuzmany

Kanzlerkandidat Armin Laschet Von Söders Gnaden

Stefan Kuzmany
Ein Kommentar von Stefan Kuzmany
Armin Laschet wird die Union in den Bundestagswahlkampf führen. Doch der wahre Sieger des konservativen Kandidatenduells heißt Markus Söder.
Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU), Archivbild von 2019

Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU), Archivbild von 2019

Foto: Guido Kirchner / DPA

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Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union. Mit letzter Kraft hat er, der Vorsitzende der immer noch stärksten Partei des Landes, seinen Parteivorstand zur Loyalität gezwungen: Nominiert mich oder verliert mich. Also haben sie ihn eben nominiert. Nicht, weil ihn seine Partei, deren Funktionäre, Mitglieder und Anhänger für den bestmöglichen Kandidaten hielten. Der Parteivorstand entschied unter Zwang, denn noch einen Vorsitzenden konnte die Union nicht verlieren, nicht innerhalb so kurzer Zeit, nicht so wenige Monate vor der Bundestagswahl. Nun werden die Genötigten in CDU und CSU wenig begeistert Wahlkampf für Armin Laschet machen, und am Wahlkampfstand wird man sie tausendfach fragen: Warum nicht Markus Söder? Du wolltest ihn doch auch!

Etwas Besseres als ein von Anfang an sturmreifer Kandidat Laschet hätte Markus Söder nicht passieren können.

Nein, Armin Laschet ist jetzt zwar Kandidat der Union, doch er ist nicht der Sieger dieses Duells der christlichen Schwesterparteien. Gewonnen hat Markus Söder. Etwas Besseres als dieser Verlauf und Ausgang des Kandidatenrennens, etwas Besseres als ein von Anfang an sturmreifer Kandidat Laschet hätte dem CSU-Chef nicht passieren können.

Stellen wir uns kurz vor, es wäre anders gekommen: Im CDU-Vorstand hätte sich eine Stimme nach der anderen für Söder erklärt und dem lieben Armin zum Rückzug geraten. Weil es das Parteivolk doch so wolle, weil Söder besser zieht, weil es um die Macht im Bund geht und sie Söder zutrauen, diese Macht zu erhalten. Und Laschet hätte aufgegeben.

Nach einem kurzen Moment des Triumphs in der CSU-Zentrale hätte sich schnell gezeigt: So angenehm ist diese Lage nun doch nicht für Markus Söder. Plötzlich hätte er, der alles besser weiß, es auch besser machen müssen, für alle, für die ganze Union und später vielleicht für das ganze Land. Vorbei die bequemen Zeiten als Vorprescher aus dem Süden, der immer noch eine schärfere Maßnahme immer noch schneller umgesetzt sehen wollte. Plötzlich das Wohl des ganzen Landes im Blick, nicht mehr nur Bayern und danach Bayern, aber erst, nachdem Bayern bedient wurde.

Söder hätte aus persönlichem Ehrgeiz nichts weniger riskiert als das Geschäftsmodell seiner CSU.

Söder hätte aus persönlichem Ehrgeiz nicht weniger riskiert als das Geschäftsmodell seiner CSU. Ein Kanzler kann keine Regionalpolitik machen, kann kein Bundesland bevorzugen, und ein Kanzlerkandidat darf nicht den Eindruck erwecken, er würde überheblich die Minderleistungen ferner Nordländer belächeln. Wie er’s auch gemacht hätte, es wäre falsch gewesen: Zu viel Bundeswohl im Reden und Tun, dann lässt die CSU bei der nächsten Landtagswahl so viele Federn, dass der Absturz droht. Zu viel Bayern first auf dem Weg ins Kanzleramt, und das Wahlvolk jenseits der Grenzen des Freistaats fragte sich zu Recht, warum sie einen wählen sollen, der sie missachtet.

Indem Söder scheinbar großmütig auf die Kandidatur verzichtet hat, versetzte er Armin Laschet einen letzten Stoß. Der Kandidat aus Nordrhein-Westfalen ist nun Frontmann von Söders Gnaden. Und Söder kann ab hier nur noch gewinnen: Läuft die Wahl manierlich für Laschet, dann ja nur wegen der großartigen, tatkräftigen und loyalen Wahlkampfhilfe des Kandidaten der Herzen aus Nürnberg. Eine künftige Regierung Laschet dürfte sodann wohl noch mehr weise Ratschläge aus der CSU-Zentrale erhalten als die Regierungen Kohl und Merkel zusammengerechnet. Vergeigt Laschet die Wahl jedoch, dann ist klar, mit wem es besser gelaufen wäre: mit Markus dem Großen. Er hätte es besser gewusst und besser gemacht in alle Ewigkeit.

Der Verzicht Markus Söders auf die Kanzlerkandidatur folgt, wie schon sein Muskelspiel um die Kandidatur, rein persönlichen Motiven. Ihm ging es nie darum, ein guter Kanzler für Deutschland zu sein. Es geht ihm stets allein um den persönlichen Erfolg: Erster CSU-Kanzler wollte er sein, ohne Rücksicht auf die Schwesterpartei, ohne Rücksicht darauf, dass er damit langfristig den Erfolg der CSU in Bayern gefährden würde. Bekannt war Söders selbstsüchtiger Ehrgeiz schon lange, während dieser Tage des Kandidatenkonflikts ist er überdeutlich geworden.

Vielleicht dämmert es manchen seiner Verehrerinnen und Verehrer mittlerweile: Söder wäre keine gute Wahl gewesen. Dann hätte dieses quälende Theater immerhin ein lehrreiches Ende gefunden.

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