Machtkampf zwischen Laschet und Söder Unionsabgeordnete sammeln Unterschriften für Votum über K-Frage

Steuert die Union auf eine Kampfabstimmung über den Kanzlerkandidaten in der Bundestagsfraktion zu? Nach SPIEGEL-Informationen wollen mehrere Abgeordnete ein Votum erzwingen, sollten sich Laschet und Söder nicht einigen.
Kontrahenten Armin Laschet und Markus Söder (v.l.)

Kontrahenten Armin Laschet und Markus Söder (v.l.)

Foto:

Michael Kappeler / dpa

Abgeordnete der Unions-Bundestagsfraktion sammeln Unterschriften, um die Frage der Kanzlerkandidatur notfalls in der Fraktionssitzung am kommenden Dienstag zu klären. Die Liste wird nach SPIEGEL-Informationen vom Vorsitzenden des Europa-Ausschusses, Gunther Krichbaum (CDU), organisiert. »Wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung. Aber wenn die nicht kommt, muss am kommenden Dienstag in der Fraktion entschieden werden«, sagte Krichbaum dem SPIEGEL. »Die Fraktion ist das einzige Gremium, in dem CDU und CSU gemeinsam sitzen.«

Die Aktion, die am Donnerstagabend gestartet wurde, geht auf mehrere Unions-Abgeordnete zurück. Krichbaum gilt als Unterstützer von CSU-Chef Markus Söder im Kampf um die Kanzlerkandidatur. In der vergangenen Woche war eine ähnliche Liste bereits von 70 CDU-Abgeordneten unterschrieben worden. Ein Votum in der Fraktion gilt als letzte Option im Machtkampf zwischen CDU-Chef Armin Laschet und Söder. Im Jahr 1979 gab es bereits einmal ein Votum über die Kanzlerkandidatur. Damals ging CSU-Chef Franz Josef Strauß als Sieger hervor.

»Eindeutig Sache der Parteien, nicht der Bundestagsfraktion«

Zuvor hatte bereits Hamburgs CDU-Landeschef Christoph Ploß eine gemeinsame Entscheidung in der Fraktionssitzung gefordert, sollten sich Laschet und Söder vorher nicht einigen können. Der Vorsitzende der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, Günter Krings, warnte hingegen davor, dass die Abgeordneten die entscheidene Abstimmung an sich ziehen. »Das Aufstellen des Kandidaten und die Formulierung des Wahlprogramms sind eindeutig Sache der Parteien, nicht der Bundestagsfraktion«, sagte Krings.

Die offene K-Frage sorgt mittlerweile für massiven Streit in und zwischen beiden Unions-Parteien. Beide potenziellen Kandidaten, Laschet und Söder haben erklärt, bei der Bundestagswahl antreten zu wollen. Noch hat keiner der Rivalen signalisiert, zurückziehen zu wollen.

Am Donnerstag zeigten sich Risse in der Rückendeckung der CDU-Führung für Laschet. So setzte sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vom Parteivorsitzenden ab, indem er forderte, die Kanzlerkandidatur entlang von Umfragewerten zu entscheiden. Diese Argumentation benutzt auch Söder. Präsidiumsmitglied Daniel Günther sowie Parteivize Volker Bouffier stellten sich hingegen an die Seite Laschets.

vme/hba
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.