Bilanz des CDU-Parteitags Die mit dem Wolf tanzt

Der CDU-Parteitag war ein Triumph für Angela Merkel. Aber gab es auch Verlierer? Wer fiel auf in Karlsruhe, wer fiel ab? Worüber wurde gelacht, worüber gestaunt? Die Bilanz.
Triumph in Karlsruhe: Merkel mit Seehofer, Baden-Württembergs Spitzenkandidat Wolf (l.) und Julia Klöckner, der CDU-Chefin von Rheinland-Pfalz

Triumph in Karlsruhe: Merkel mit Seehofer, Baden-Württembergs Spitzenkandidat Wolf (l.) und Julia Klöckner, der CDU-Chefin von Rheinland-Pfalz

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Gewinner: Angela Merkel, keine Frage. Starker Auftritt, die Kritiker besänftigt, zehn Minuten donnernder Applaus - die CDU-Chefin hat ihre Macht gefestigt. Gegen das Pathos der Flüchtlingskanzlerin wirkten die Gegner ihres Kurses ganz klein. Und am Ende gab sich sogar Horst Seehofer friedlich.

Bestes Zitat: "Ich kann das sagen, weil es zur Identität unseres Landes gehört, Größtes zu leisten", sagte Merkel zur Verteidigung ihres vielzitierten "Wir schaffen das" . Kam gut an.

Merkel in Karlsruhe: "Danke, danke, wir haben noch zu arbeiten"

Merkel in Karlsruhe: "Danke, danke, wir haben noch zu arbeiten"

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Verlierer: Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo die SPD her. Gerhard Schröder rettete einst Angela Merkel die Kanzlerschaft in der TV-Elefantenrunde. Vor ein paar Tagen frönte die SPD - anders als erwartet - der Demontage des eigenen Vorsitzenden beim Berliner Parteitreffen. Die CDU-Leute erkannten die Lücke, feierten auf ihrem Parteitag - anders als erwartet - die eigene Vorsitzende trotz Flüchtlingskrise. Sie machten der SPD klar, was der Unterschied zwischen einer Regierungs- und einer künftigen Oppositionspartei ist.

Merkel und Seehofer: Ein paar Minuten neben der Kanzlerin, dann ein leises Servus

Merkel und Seehofer: Ein paar Minuten neben der Kanzlerin, dann ein leises Servus

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Die lieben Verwandten: Auftritt Horst Seehofer , Chef der Schwesterpartei CSU. Der Empfang war kühl, hatte doch Merkel bei ihrem CSU-Gastauftritt zuvor eine Demütigung erfahren. "Wir haben eine exzellente Kanzlerin", lobte nun der Gast aus München in Karlsruhe - und langsam taute die Stimmung auf. Nur: Inhaltlich blieb Seehofer bei seiner Forderung nach einer Obergrenze. Er versuchte aber, den Konflikt zu einem semantischen Problem herunterzureden: "Obergrenzen, Kontingente - da können wir jetzt Sprachwissenschaftler einsetzen." Die Bevölkerung aber interessiere allein die spürbare Senkung der Flüchtlingszahlen. Seehofer durfte noch ein paar Minuten neben der Kanzlerin sitzen, dann sagte er leise Servus.

Fraktionsvize Vaatz: "Entspann dich, Arnold!"

Fraktionsvize Vaatz: "Entspann dich, Arnold!"

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Moment der Macht: Als der Applaus nach Merkels Rede nicht enden wollte, als er in die zehnte Minute ging, da machte die Kanzlerin eine Geste der Beruhigung: "Danke, danke, wir haben noch zu arbeiten." Die Chefin würgte den Beifall ab! Wie protestantisch ist das denn? "Jetzt geht's wieder ran an die Arbeit", sagte sie - und demonstrierte damit ihre Macht: Le Parteitag, c'est moi.

Last Man Standing: Nicht alle Kritiker gaben in Karlsruhe Ruhe. Arnold Vaatz aus Sachsen, Fraktionsvize im Bundestag, war schon im Vorstand gegen den Flüchtlingskompromiss. Beim Parteitag wedelte er solange aufgeregt mit der Stimmkarte, bis sein Nein unter den 1000 Delegierten endlich registriert wurde. Anschließend durfte er in jede Kamera erklären, warum er Merkels Flüchtlingspolitik zu lasch findet. Der Rat von Tagungspräsident Peter Hintze: "Entspann dich, Arnold!"

CDU-Delegierte bei der Abstimmung: Beim Geld war Schluss mit der Harmonie

CDU-Delegierte bei der Abstimmung: Beim Geld war Schluss mit der Harmonie

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Rebellion: In der Flüchtlingspolitik demonstrierte die CDU Geschlossenheit, beim Geld war Schluss mit der Harmonie. Die Parteispitze wollte den Mindestbeitrag für Neumitglieder von fünf auf acht Euro anheben. Die erste Erhöhung seit 19 Jahren. Nix da, sagte der Parteitag, und ließ sich nur auf sechs Euro ein. Auch die Pläne für mehr Mitsprache der einfachen Mitglieder an der Basis lehnten die Delegierten ab. Schmerzliche Niederlagen für CDU-General Peter Tauber, der die Parteistrukturen reformieren will.

Kampf gegen rechts: Ein CDU-Europaabgeordneter mit dem poetischen Namen Thomas Mann zeichnete sich durch einen reichlich poetischen Redebeitrag aus, in dessen Verlauf er der Kanzlerin huldigte, die "Großrede von Angie" feierte und schließlich zur entschlossenen Attacke auf die Rechtspopulisten von der AfD ansetzte: "Frauke Petry ist doch nur eine Grinsekatze." Da leuchtete Karlsruhe.

Merkel und Baden-Württembergs Spitzenkandidat Guido Wolf: Ein Plüschtier für die Kanzlerin

Merkel und Baden-Württembergs Spitzenkandidat Guido Wolf: Ein Plüschtier für die Kanzlerin

Foto: THOMAS KIENZLE/ AFP

Kalauer von Karlsruhe: Baden-Württemberg ist laut Naturschützern - Achtung, jetzt kommt's - Wolfserwartungsland. Ja, und? Na, Guido Wolf! So heißt der Spitzenkandidat der CDU in Ba-Wü, der im März Ministerpräsident werden will. Der Gag wurde in Karlsruhe gleich mehrfach bemüht. Merkel bekam auch noch einen riesigen Wolf aus Plüsch geschenkt. Sie reagierte höchst euphorisch: "Ich kann damit relativ locker umgehen, weil in Brandenburg der Wolf schon zu Hause ist."

Parteitagshit: Klar, die Nationalhymne. Wird bei der CDU immer zum Abschluss des Parteitags geschmettert. Die Christdemokraten wollen nun dafür sorgen, dass sie im Grundgesetz verankert wird. Artikel 22 soll so ergänzt werden: "Die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist die dritte Strophe des Liedes der Deutschen mit dem Text von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und der Melodie von Joseph Haydn."

Merkel mit Plüsch-Wolf: "Ich kann damit relativ locker umgehen"

Merkel mit Plüsch-Wolf: "Ich kann damit relativ locker umgehen"

Foto: AP/dpa

Bizarrster Moment: Das Aufzucken der alten, eigentlich längst vergangenen CDU. "Als Mann der Basis" sehe er Entwicklungen in Land und Partei mit Sorge, sagte ein Delegierter aus Baden-Württemberg. Basis hieß in diesem Fall Blödsinn. Und der ging so: Wenn man nicht Kinder im Mutterleib töten würde, sagt der Mann, dann hätte man auch keinen Fachkräftemangel und dann benötigte man auch keine Zuwanderung. Aha. Sagen wir mal: quasi geschlossenes Weltbild. Gibt es bei der CDU nicht mehr so oft.

…und zum Schluss gibt's noch was zu gewinnen: CDU-Landeschef Thomas Strobl lobte für die Journalisten ein Weinpräsent aus. Die Presse möge dafür während des Parteitags recherchieren, was ein "Muggeseggele" ist. Da spielen wir nicht mit. Ihnen aber steht das natürlich frei.