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30. Oktober 2019, 07:48 Uhr

Personaldebatte

Wird Markus Söder Kanzlerkandidat der Union?

In der CDU ist nach der Wahlschlappe in Thüringen eine Diskussion über das Führungspersonal entbrannt. Parteivorstand Elmar Brok zufolge könnte CSU-Chef Söder profitieren.

Der Gegenwind für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in der eigenen Partei nimmt zu: CDU-Europapolitiker Elmar Brok erwartet, dass die Union zur nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten der Schwesterpartei CSU aufstellt.

"Einiges spricht dafür, dass die Kanzlerkandidatur so geregelt wird wie schon zwei Mal in der Geschichte der Union", sagte Brok, der auch dem CDU-Bundesvorstand angehört, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

1979 habe der damalige Bundesvorsitzende Helmut Kohl zugunsten von Franz Josef Strauß verzichtet, 2001 habe dann Angela Merkel Edmund Stoiber den Vortritt gelassen. "Ich bin davon überzeugt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer die Ruhe besitzt, eine ähnliche Entscheidung zu treffen, wenn die Zeit so weit ist", sagte Brok.

Die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin habe sich offengehalten, Kanzlerkandidatin zu werden und werde im geeigneten Augenblick ihre Entscheidung treffen. "Sie hat gesagt, dass sie die Nominierung als Parteivorsitzende von vorn führen wird. Sollte die Koalition nicht vorzeitig beendet werden, wird diese Entscheidung nicht vor November oder Dezember 2020 fallen."

Will Söder überhaupt?

Broks Einschätzung könnte darauf hinauslaufen, dass der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder zum Kandidaten wird. Söder hatte vor gut zwei Wochen im Interview mit dem SPIEGEL gesagt, die Unionsspitzen sollten einvernehmlich einen Kanzlerkandidaten bestimmen.

Auf die Frage, ob er eine eigene Spitzenkandidatur ausschließe, sagte Söder: "Meine Aufgabe ist Bayern. Was nicht heißt, dass ich mich nicht auch national für die Union einbringen werde. Aber als Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender."

Zuletzt hatte allerdings die historische Schlappe der CDU bei der Landtagswahl in Thüringen den Machtkampf und Richtungsstreit in der Partei neu entfacht. Die CDU war auf das historische Tief von 21,8 Prozent abgesackt und hinter Linkspartei und AfD nur noch auf Platz drei gelandet. Vor dem CDU-Parteitag (22./23. November in Leipzig) zeichnet sich auch deshalb ein neuer Konflikt um die nächste Kanzlerkandidatur der Union ab.

CDU-interner Streit: Günther widerspricht Merz-Kritik

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz wertete das Wahlergebnis als "großes Misstrauensvotum" gegen die Große Koalition in Berlin. Im Mittelpunkt der Kritik stehe ganz überwiegend Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die "politische Führung und klare Aussagen" vermissen lasse, sagte er am Montag im ZDF. Mehrere Politiker aus den Reihen der Union und FDP schlossen sich dieser Kritik an.

Widerspruch kam dagegen vom Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Daniel Günther. Dem ZDF sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend, es sei sehr offensichtlich, "dass es hier eher darum geht, alte Rechnungen zu begleichen". Er habe wenig Verständnis dafür. In den RND-Zeitungen forderte Günther: "Wir sollten uns jetzt gemeinsam dagegen stemmen, dass Leute von der Seitenlinie in der CDU die Debatten prägen."

mes/dpa

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