Personaldebatte Wird Markus Söder Kanzlerkandidat der Union?

In der CDU ist nach der Wahlschlappe in Thüringen eine Diskussion über das Führungspersonal entbrannt. Parteivorstand Elmar Brok zufolge könnte CSU-Chef Söder profitieren.

CSU-Chef Söder: Kanzlerkandidat der Union?
PHILIPP GUELLAND/ EPA-EFE/ REX

CSU-Chef Söder: Kanzlerkandidat der Union?


Der Gegenwind für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in der eigenen Partei nimmt zu: CDU-Europapolitiker Elmar Brok erwartet, dass die Union zur nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten der Schwesterpartei CSU aufstellt.

"Einiges spricht dafür, dass die Kanzlerkandidatur so geregelt wird wie schon zwei Mal in der Geschichte der Union", sagte Brok, der auch dem CDU-Bundesvorstand angehört, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

1979 habe der damalige Bundesvorsitzende Helmut Kohl zugunsten von Franz Josef Strauß verzichtet, 2001 habe dann Angela Merkel Edmund Stoiber den Vortritt gelassen. "Ich bin davon überzeugt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer die Ruhe besitzt, eine ähnliche Entscheidung zu treffen, wenn die Zeit so weit ist", sagte Brok.

Die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin habe sich offengehalten, Kanzlerkandidatin zu werden und werde im geeigneten Augenblick ihre Entscheidung treffen. "Sie hat gesagt, dass sie die Nominierung als Parteivorsitzende von vorn führen wird. Sollte die Koalition nicht vorzeitig beendet werden, wird diese Entscheidung nicht vor November oder Dezember 2020 fallen."

Will Söder überhaupt?

Broks Einschätzung könnte darauf hinauslaufen, dass der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder zum Kandidaten wird. Söder hatte vor gut zwei Wochen im Interview mit dem SPIEGEL gesagt, die Unionsspitzen sollten einvernehmlich einen Kanzlerkandidaten bestimmen.

Auf die Frage, ob er eine eigene Spitzenkandidatur ausschließe, sagte Söder: "Meine Aufgabe ist Bayern. Was nicht heißt, dass ich mich nicht auch national für die Union einbringen werde. Aber als Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender."

Zuletzt hatte allerdings die historische Schlappe der CDU bei der Landtagswahl in Thüringen den Machtkampf und Richtungsstreit in der Partei neu entfacht. Die CDU war auf das historische Tief von 21,8 Prozent abgesackt und hinter Linkspartei und AfD nur noch auf Platz drei gelandet. Vor dem CDU-Parteitag (22./23. November in Leipzig) zeichnet sich auch deshalb ein neuer Konflikt um die nächste Kanzlerkandidatur der Union ab.

CDU-interner Streit: Günther widerspricht Merz-Kritik

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz wertete das Wahlergebnis als "großes Misstrauensvotum" gegen die Große Koalition in Berlin. Im Mittelpunkt der Kritik stehe ganz überwiegend Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die "politische Führung und klare Aussagen" vermissen lasse, sagte er am Montag im ZDF. Mehrere Politiker aus den Reihen der Union und FDP schlossen sich dieser Kritik an.

Widerspruch kam dagegen vom Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Daniel Günther. Dem ZDF sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend, es sei sehr offensichtlich, "dass es hier eher darum geht, alte Rechnungen zu begleichen". Er habe wenig Verständnis dafür. In den RND-Zeitungen forderte Günther: "Wir sollten uns jetzt gemeinsam dagegen stemmen, dass Leute von der Seitenlinie in der CDU die Debatten prägen."



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mes/dpa

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lupo44 30.10.2019
1. Herr Günther ist ein Gefolgsmann von Frau Merkel....
er ist jung und denkt aus seinem kleinen Bundesland die Stimme zu erheben und geht dabei nicht sehr zaghaft um mit denen die sich schonlange in der Politik befinden.Es geht bei der nächsten Wahl einzig und alleine nicht um eine Personenwahl oder alte Rechnungen zu begleichen ,sondern um die Demokratie Deutschlands zu erhalten gegen rechte Machenschaften.
b-blog 30.10.2019
2. Die CDU wird doch nicht etwa vernünftig?
Söder ist der einzige mit der Strahlkraft, die das Amt erfordert. AKK laviert wachsweich, um möglichst nicht wieder in Fettnäpchen zu treten. Merz ist ein vom Volk abgehobener Banker. Spahn ist nett. Ich würde mir wünschen, wenn Politik wieder mit kernigen, klaren Worten angeführt wird und das kann Söder.
malpf 30.10.2019
3. Merz muss Kanzlerkandidat!
Wenn die CDU letztlich Friedrich Merz zum Kanzlerkandidaten kürt, hat sie eine gute Chance die Wahl zu gewinnen. Alles andere ist nur WischiWaschi und hat auch dementsprechende Erfolgsaussichten.
Greenkeeper2021 30.10.2019
4.
Supergeil Eine Altherren, von Ü 60+ gewählte Partei, getragen aus Niederbayern und dem Hinterland, geboren im digitalen Nirvana, aufgewachsen im Paläolithikum des Internets will in Deutschland den Kanzler stellen Ganz grundsätzlich, ohne den Ü60 zu nahe zu treten: Die CSU hat überall auf dem Land, auf dem Dorf, in vergessenen Regionen und bei Rentnern gepunktet Überall, wo Moderne zählt, ist die CSU alles, aber nicht überragend So sind zum Beispiel die Grünen bei der Mehrzahl der Menschen, die in Bayern in Großstädten über 100.000 Einwohner wohnen, führend. Und wenn ich mir in Bayern betrachte, wie sehr der Amigo, der Kumpel, der Schorsch, im Gemeidnerat und im Bürgermeisteramt Politik mit "Kumpels" macht, wie oft in Bayern Amigo 1 dem Amigo 2 was zuschanzt, dann wäre ein CSU Personal für die Bundesrepublik der völlige Untergang Ach ja: Verkehrsminister, Minister für deutschlands digitale Infrastruktur: Mit wenigen Ausnahmen seit Jahrzehnten: CSU Alleine die Unfähigkeit Dobrints hat Deutschland beim digitalen Ausbau auf ein dritte Welt Land katapultiert, Stichwort: Kupfer und Nichtstun Wäre ich China, würde ich Milliarden dafür ausgeben, dass die CSU was zu sagen bekommt
scratchpatch 30.10.2019
5. Lieber nicht
Söder hat einen rasanten Aufstieg hinter sich, vom groben Störer zum grünen Konservativen, der eine Erneuerung der eigenen Partei einleiten will und jetzt spricht Brok schon von der Kanzlerkandidatur. Das ist wohl etwas übertrieben. Kohl hat Strauß den Vortritt gelassen und Merkel Stoiber - und was ist daraus geworden? So ein Null-Ergebnis muss man nicht wiederholen. Die nur regional vertretene CSU hat sich darauf eingeschworen, Bayern für die Krönung Deutschlands zu halten und folglich kann der Wahlkampf nur darauf hinaus laufen, dass ganz Deutschland wie Bayern werden soll. Das kann nie klappen. In Frankfurt, Berlin, Hamburg, Düsseldorf etc. wird man das nicht lustig finden. Söder sollte seinen Weg weitergehen und die CSU erneuern, das ist auch eine große Aufgabe.
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