Wahlkampf der Union Merz soll bei Laschet eine Hauptrolle bekommen

Kanzlerkandidat Armin Laschet stellt kurz vor der Wahl sein Team vor. Mit dabei ist ein ehemaliger Rivale: Friedrich Merz sei »das wirtschafts- und finanzpolitische Gesicht«. Ein Hinweis auf ein mögliches Amt als Minister?
Einst waren sie Rivalen um den CDU-Vorsitz: Armin Laschet (l.) und Friedrich Merz

Einst waren sie Rivalen um den CDU-Vorsitz: Armin Laschet (l.) und Friedrich Merz

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Henning Kaiser / dpa

Der CDU-Politiker Friedrich Merz soll künftig eine entscheidende Rolle in der Union spielen – zumindest wenn es nach Unionskanzlerkandidat Armin Laschet geht. »Er ist das wirtschafts- und finanzpolitische Gesicht, der auch die Bundespolitik prägen wird nach der Bundestagswahl«, sagte Laschet bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsrats der CDU. »Wir haben eine breite Mannschaft.« Das Team um ihn werde bald sichtbar werden, rechtzeitig vor der Wahl Ende September.

Friedrich Merz war Armin Laschet im Januar im Rennen um den CDU-Vorsitz knapp unterlegen. Danach hatte Merz ein ausgeprägtes Interesse daran formuliert, den Posten des Wirtschaftsministers zu übernehmen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sah aber von einer Kabinettsumbildung ab.

Merz wird in großen Teilen der Union geschätzt

Laschet kündigte im April an, Merz in sein Wahlkampfteam zu holen. Das galt damals als kluger Schachzug, weil Merz in großen Teilen der CDU-Basis geschätzt wird. Während die Umfragewerte für Laschet derzeit sinken, bekommt er von Merz immer wieder Unterstützung. Die neuesten Aussagen von Laschet könnten darauf hindeuten, dass sich Merz unter einem Kanzler Laschet neue Hoffnungen auf den Posten als Wirtschaftsminister machen darf.

Beim Auftritt beim Wirtschaftsrat der CDU, einer Organisation von CDU-nahen Unternehmern, kritisierte Laschet außerdem seinen Konkurrenten Olaf Scholz (SPD). Hoffentlich werde auch Scholz mal gefragt, wo eigentlich sein Team sei. »Wo sind denn all die Leute, die ihr jetzt irgendwo festbindet in Hinterzimmern, damit die bloß keine Interviews geben?«, fragte Laschet. Zuvor hatte auch Merz gesagt, dass sich zum Beispiel Kevin Kühnert, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, aus der Öffentlichkeit zurückziehen werde. Kühnert war allerdings am Sonntagabend bei der Talkshow »Anne Will« zu Gast. Kurz zuvor hatte er dem SPIEGEL ein Interview  gegeben.

Laschet greift Scholz wegen RRG an

Laschet forderte Scholz erneut auf, eine Koalition mit den Linken, die als eine von mehreren Bündnissen derzeit in Umfragen rechnerisch möglich ist, auszuschließen. »Das ist eine Partei, die gehört nicht in deutsche Regierungen.« Laschet verwies auf das Abstimmungsverhalten der Linken bei den Themen Afghanistan und Europa.

Die Bundestagswahl werde knapp, es gehe um eine Richtungsentscheidung, auch um die Frage, ob Die Linke in die Regierung käme, ergänzte Laschet. Die SPD wolle sich das als Option erhalten, um am Ende Druck auf die FDP machen zu können, in eine Regierung mit SPD und Grünen einzutreten.

»Deshalb erwarte ich klipp und klar: Ja oder nein, wird die Linkspartei an einer Regierung in Deutschland beteiligt? Ich finde, wir können von dem, der Kanzler werden will, eine klare Aussage erwarten. Das ist das Minimum, was jetzt erfolgen muss«, sagte Laschet.

Ein Mitte-links-Bündnis aus SPD, Grünen und der Linkspartei gilt bei der Bundestagswahl in knapp vier Wochen zumindest rechnerisch als mögliche Option. SPD und Grüne hatten Die Linke angesichts der Krise in Afghanistan zuletzt jedoch hart wegen deren außenpolitischen Positionen kritisiert.

Die Linke lehnt die Nato und Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Beim jüngsten Mandat zur Rettung Schutzbedürftiger aus Afghanistan verweigerten die meisten Abgeordneten der Linksfraktion ihre Zustimmung. Ein klares Nein zu einer möglichen Koalition mit den Linken wollten jedoch weder Scholz noch Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, aussprechen.

Olaf Scholz hat in Umfragen wesentlich bessere persönliche Zustimmungswerte als Laschet. Auch bei dem TV-Triell bewertete nach einer SPIEGEL-Umfrage die Mehrheit der Zuschauerinnen und Zuschauer den SPD-Kanzlerkandidaten besser als Laschet und Annalena Baerbock.

lau/Reuters/dpa
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