CDU-Hoffnung Friedrich Merz Darf er jetzt ran?

Die einen trauen ihm zu, AfD-Wähler zurückzugewinnen. Für die anderen ist er der Lord Voldemort des Neoliberalismus. Doch wenn sich Merz gegen Laschet und Spahn durchsetzen will, muss er die CDU einen. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory.
CDU-Politiker Merz

CDU-Politiker Merz

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Jonas Holthaus / laif

Von Melanie Amann, Maik Baumgärtner, Lukas Eberle, Markus Feldenkirchen, Sebastian Fischer, Jan Friedmann, Florian Gathmann, Julia Amalia Heyer, Christoph Hickmann, Roman Höfner, Martin Knobbe, Veit Medick, Ann-Katrin Müller

Auftritt Friedrich Merz: Dienstagabend, Magdeburg, die Toepffer-Villa, Jahresempfang des CDU-Wirtschaftsrats Sachsen-Anhalt, Merz muss über eine breite Holztreppe ins Erdgeschoss schreiten, es wirkt, als schwebte der Stargast zu seinem Publikum hinab. Blitzlichtgewitter, Merz lächelt geduldig, kurz danach beginnen die Begrüßungsreden. "So was hat die Villa Toepffer noch nicht erlebt!", ruft der erste Redner. Hinten im Saal müssen Dutzende stehen. Alle wollen Merz, 64, sehen.

Auftritt Armin Laschet: Montagabend, Aachen, kurz nach 17 Uhr, Laschet, dunkler Anzug, grüne Krawatte, stellt sich in der Kreisgeschäftsstelle der Aachener CDU vor ein Dutzend Mikrofone. Bei der Suche nach einer neuen Parteiführung, "da wird auch Nordrhein-Westfalen einen Beitrag leisten". Viel mehr sagt er nicht, Nachfragen lässt er nicht zu, nach knapp drei Minuten rauscht er ab. Ein paar Journalisten rennen ihm hinterher, doch Laschet verschwindet in einem Nebenzimmer, die Tür wird laut zugeschlagen. Armin Laschet, 58, hält sich erst mal bedeckt.

Auftritt Jens Spahn: Mittwochmorgen, Gesundheitsministerium, zwei Minuten nach sieben, der Minister kommt um die Ecke gefedert. "Guten Morgen!" Er wirkt gut gelaunt, fit, das Sakko hat er im Büro gelassen, Hemd und Krawatte, nicht zu lässig, nicht zu förmlich. Die Uhrzeit, selbst im Dauerbetrieb von Berlin ungewöhnlich, ist den Umständen geschuldet, anders hätte es mit dem SPIEGEL-Interview  kaum geklappt, aber sie ist auch ein Signal: Ich bin belastbar, diszipliniert, und wenn es drauf ankommt, mache ich vieles möglich. Jens Spahn, 39, weiß, wie wichtig es ist, dynamisch rüberzukommen.

Gerade jetzt, in diesen Wochen. Wo es um alles geht, nicht nur für ihn, für Laschet und für Merz. Sondern für die CDU und damit, mal wieder, für die Regierung.

Als Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag ihren Rückzug als CDU-Vorsitzende ankündigte, war das nicht nur das tragische Scheitern einer Frau, die der Bundespolitik mit ihren Härten und Fallen nie gewachsen war. Es scheiterte damit auch ein gewagtes Konstrukt: die Aufteilung der Macht auf eine Kanzlerin und eine Parteichefin, die sich die Kanzlerkandidatur erst noch erarbeiten sollte.

Kramp-Karrenbauers Ankündigung, den Vorsitz abzugeben und die Kanzlerkandidatur nicht anzustreben, legt aber mit einem Schlag auch sämtliche unausgetragenen Konflikte offen, die seit Jahren in der CDU schwelen. Seit Mittwoch vergangener Woche, als sich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen von AfD und CDU zum Thüringer Ministerpräsidenten wählen ließ, streiten die Flügel lauter und heftiger denn je.

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