CDU in Baden-Württemberg Eisenmann gewinnt Machtkampf gegen Strobl

Der Landeschef der Südwest-CDU gibt klein bei: Thomas Strobl verzichtet auf die Spitzenkandidatur im Landtagswahlkampf 2021, stattdessen will Susanne Eisenmann antreten. Sie gilt als überzeugend, schlagfertig und direkt.

Thomas Strobl und Susanne Eisenmann: Der Landeschef zieht die Reißleine
Marijan Murat/ DPA

Thomas Strobl und Susanne Eisenmann: Der Landeschef zieht die Reißleine

Von , Stuttgart


Hinter verschlossenen Türen wurde im Ländle schon länger darüber g'schwätzt: Die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann, 54, soll die Südwest-CDU als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf 2021 führen.

Nach SPIEGEL-Informationen hat der Stuttgarter Innenminister und Landeschef Thomas Strobl bereits am Wochenende in einem Gespräch mit Eisenmann seinen Verzicht erklärt. Dabei hätte er als Parteichef das Erstzugriffsrecht auf die Kandidatur gehabt.

An diesem Montagabend soll Strobl den Parteigremien Eisenmann als Spitzenkandidatin vorschlagen. Das dürfte der machtbewusste Innenminister nur zähneknirschend tun. In der Partei atmen dagegen viele auf. Auch etliche Landtagsabgeordnete hatten Strobl nicht mehr zugetraut, die Union aus der ungeliebten Juniorpartnerschaft mit den Grünen zu befreien - und mittelfristig wieder zu altem Glanz zu führen.

Einer Wählerumfrage zufolge liegen die Grünen mit 32 Prozent deutlich vor der CDU, die nur auf 28 Prozent kommt. Die Beliebtheitswerte Strobls sind seit Langem im Keller. Gerade mal 17 Prozent der Baden-Württemberger würden sich für ihn als Ministerpräsident entscheiden. Dagegen stehen 63 Prozent hinter dem grünen Landesvater Winfried Kretschmann, der sein präsidiales Auftreten erfolgreich mit schwäbelnder Volksnähe verbindet.

Mitgliederbefragung schien unausweichlich

Bis zuletzt war in der CDU unklar gewesen, wie man Strobl als Spitzenkandidat am elegantesten loswerden könnte. Die Befürworter Eisenmanns hatten auf einen Mitgliederentscheid gezielt, den wiederum der Innenminister um jeden Preis vermeiden wollte. Als offizielle Begründung für seine Antipathie gegen ein Basisvotum galt die befürchtete Spaltung der Union. Doch es war ein offenes Geheimnis, dass der nicht gerade als Menschenfänger geltende Strobl keine Chance gegen seine Kontrahentin gehabt hätte.

Strobl dürfte in den jüngsten Tagen klar geworden sein, dass eine Mitgliederbefragung nach dem zu erwartenden schlechten Abschneiden der Landes-CDU bei der Europa- und Kommunalwahl wohl kaum zu verhindern gewesen wäre. Zudem sollen ihm in den vergangenen Wochen auch baden-württembergische CDU-Granden wie der ehemalige Ministerpräsident Günther Oettinger zum Rückzug aufgefordert haben.

Schließlich zog Strobl selbst die Reißleine. Zwar ist auch Eisenmann nicht gerade ein Liebling der Massen. Doch im Gegensatz zum oft behäbig wirkenden Innenminister gilt sie als überzeugend, schlagfertig und direkt. Als Kultusministerin eilt ihr der Ruf einer eisernen Lady voraus, die in ihrer Behörde ein hartes Regiment führt. Während Strobl ermüdende Reden mit komplizierten Schachtelsätzen hält, spricht die promovierte Sprachwissenschaftlerin geschliffen scharf und schnell.

In der Landespolitik hat die gebürtige Stuttgarterin einen steilen Aufstieg hingelegt. Seit 2016 ist sie Ministerin im Kabinett Kretschmann. Ausgerechnet Strobl war es, der ihr den Posten seinerzeit anbot. Zuvor hatte Eisenmann zwischen 1991 und 2005 als Büroleiterin Oettingers das Handwerk der Macht erlernt, ehe sie elf Jahre lang erfolgreich als Schulbürgermeisterin in der Landeshauptstadt tätig gewesen war.

Ihre Entscheidung, den eigenen Förderer aus dem Weg zu räumen, soll Eisenmann schon vor Wochen getroffen haben. Während man in der Landes-CDU ihre Kandidatur erleichtert zur Kenntnis nimmt, wird einer die Nachricht wohl nicht ganz so freudig aufnehmen: Ministerpräsident Kretschmann. Der 71-Jährige hat sich bislang noch nicht festgelegt, ob er bei der Landtagswahl 2021 erneut antreten wird.

Und er dürfte es sich jetzt erst recht zweimal überlegen. Denn während der Landesvater im Vergleich zu Strobl wirkt wie ein grüner weiser Häuptling, könnte er neben Eisenmann schnell wie ein alter weißer Mann erscheinen. Am Ende wird es Kretschmann aber wohl mit seiner Lieblingsphilosophin Hannah Arendt halten, die er nicht müde wird zu zitieren: Politik sei für das menschliche Leben eine "unabweisbare Notwendigkeit", schrieb Arendt einst.

insgesamt 8 Beiträge
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success4us 27.05.2019
1. Bw
Ich wohne in Baden-Württemberg und bin schon lange ob der Unfähigkeit von Hrn Strobl geschockt, auch wie lange man sich trotz Ueberforderung im Amt halten kann. Ich denke dabei an die Tötungsfälle in Freiburg....; mickrige Abschiebezahlen, seine Förderung von illegalen in BW Betrieben arbeiten sollen statt sie abzuschieben, Ueberbelegung der JVA in Mannheim mit ca 200% usw Schauen wir mal wie sich das weiter entwickelt - natürlich ohne Strobl der hoffentlich bald in Pension geht
Idinger 28.05.2019
2. War doch
schon länger erkennbar: Strobl strebt in die Bundespolitik. Vielleicht kann der Schwiegervater ja hilfreich sein?
t.bird 28.05.2019
3. Vergleich Kretschmann / Eisenmann
Die Zuschreibung "alter weißer Mann" darf in diesen Tagen wohl auch in keiner zeitgeistigen Abhandlung fehlen. Daß die wackere Frau Eisenmann gegenüber dem "elder statesman" Kretschmann auch nicht gerade wie die blühende Jugend rüberkommt, muß man wohl nicht weiter ausführen. Eher anzunehmen - daß gerade unter dem Eindruck der gestrigen Grünen-Ergebnisse im einstigen CDU-Stammland Baden-Württemberg - die Unionisten nachhaltiges Fracksausen bekommen. Meine Prognose: bleibt der "Kretsche" gesund und tritt nochmal an, hat die CDU geringste Chancen - egal wen sie da aufbietet.
carlitom 28.05.2019
4.
Zitat von t.birdDie Zuschreibung "alter weißer Mann" darf in diesen Tagen wohl auch in keiner zeitgeistigen Abhandlung fehlen. Daß die wackere Frau Eisenmann gegenüber dem "elder statesman" Kretschmann auch nicht gerade wie die blühende Jugend rüberkommt, muß man wohl nicht weiter ausführen. Eher anzunehmen - daß gerade unter dem Eindruck der gestrigen Grünen-Ergebnisse im einstigen CDU-Stammland Baden-Württemberg - die Unionisten nachhaltiges Fracksausen bekommen. Meine Prognose: bleibt der "Kretsche" gesund und tritt nochmal an, hat die CDU geringste Chancen - egal wen sie da aufbietet.
Naja, gegen Kretschmann ist einfach jeder "blühende Jugend". Der Mann ist doch schon seit Jahren total fertig. Er denkt und spricht in unendlicher Langsamkeit, ist nie auf dem Stand aktueller Information, kann keine Frage beantworten, dafür lässt er sich von seinen Mitarbeiterinnen (vor ihm kniend!) die Schuhe wechseln, wenn er in die Limousine geschoben wird. Der Typ ist mehr ein Pflegefall als ein Politiker.
claus7447 28.05.2019
5. Sehen sie
Zitat von carlitomNaja, gegen Kretschmann ist einfach jeder "blühende Jugend". Der Mann ist doch schon seit Jahren total fertig. Er denkt und spricht in unendlicher Langsamkeit, ist nie auf dem Stand aktueller Information, kann keine Frage beantworten, dafür lässt er sich von seinen Mitarbeiterinnen (vor ihm kniend!) die Schuhe wechseln, wenn er in die Limousine geschoben wird. Der Typ ist mehr ein Pflegefall als ein Politiker.
Adenauer war älter als er kanzler wurde. Und wenn Kretschmann bei den nächsten Wahlen wieder antritt, hat auch Eisemann verloren. Sehen sie sich nur die Beliebtheitswerte an. Da wird auch die Kanzlerin neidisch. Und eisemann ist nicht unumstritten. Die stundenausfälle häufen sich gewaltig. Und die Lehrerschaft beginnt zu murren.
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