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06. Juli 2010, 17:48 Uhr

CDU in NRW

Der rote Schwarze übernimmt die Macht

Aus Düsseldorf berichtet Lars Geiges

Der neue starke Mann in der NRW-CDU heißt Karl-Josef Laumann. In einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz hat sich der Westfale knapp gegen Armin Laschet durchgesetzt. Laumann will die Union aus dem Tief führen. Doch für einen wirklichen Neuanfang steht er nicht.

Man kann sich diesen Mann gut in der Landwirtschaft vorstellen oder auf dem Bau. Die Schultern breit, der Oberkörper wuchtig, zwei Hände wie Schraubzwingen. 17 Jahre lang hat Karl-Josef Laumann, der Westfale, als Maschinenschlosser malocht. Keinen einzigen Tag davon möchte er missen. Er steht vor dem Raum E3A02 des Düsseldorfer Landtags und berichtet, wie gut es sich anfühle, abends von der Arbeit nach Hause zu kommen mit dem Wissen, einen Traktor wieder in Gang gesetzt zu haben. Dabei lächelt er mild und nickt zufrieden. So sieht ein Sieger aus.

Laumann hat sich durchgesetzt. Der erste wichtige Posten in der Ära nach Jürgen Rüttgers geht an ihn. Die Kampfabstimmung um den CDU-Fraktionsvorsitz hat er hauchdünn gewonnen. Zwei Stimmen mehr bekam er als sein Kontrahent, der Integrationsminister Armin Laschet. Deshalb wird Laumann das Gesicht der neuen Opposition in Nordrhein-Westfalen und mehr noch als das: Laumann ist nun der neue starke Mann der Partei.

Fest steht: Laumann steht für Kontinuität. Man könnte auch sagen: für ein "Weiter so" bei der CDU. Wie Jürgen Rüttgers gilt der 52-Jährige als sozialdemokratisch angehauchter Unionsmann. Er ist bodenständig. Er ist ein geschätzter Sozialexperte, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft.

Nach Rüttgers' Wahlniederlage hat er sich immer wieder hinter den scheidenden Ministerpräsidenten gestellt.Auch heute betont Laumann, er wolle auf der guten Regierungsarbeit der vergangenen fünf Jahre aufbauen. Beim Haushalt, in der Schulpolitik und in der Agrarpolitik habe die vergangene Regierung "riesige Akzente gesetzt", so Laumann und hebt hervor: "Darauf können wir ruhig stolz sein." Ohnehin sei das schlechte Wahlergebnis nicht nur durch landespolitische Fehler zustande gekommen. "Auch in Berlin lag die Verantwortung dafür", betont Laumann

Laumann sagt Rot-Grün den Kampf an

Der künftigen rot-grünen Minderheitsregierung ("die linkeste Regierung, die es in NRW je gab") wolle er von Anfang an Paroli bieten. In der Schulpolitik plant er, "mit allen verfassungsrechtlichen Mitteln die Gymnasien zu verteidigen". Und auch in der Finanzpolitik sieht er Angriffsflächen. "Wir wollen keine Politik der Verschuldung, für die unsere Kinder später zahlen müssen", sagt Laumann kurz nach seiner Wahl.

Der neue Fraktionschef möchte auch seine Partei wieder näher zu ihren Stammwählern führen. "Wir sind keine Arbeiterpartei, aber auch keine Wirtschaftspartei, sondern Volkspartei", so Laumann. Es sei eine ganz wichtige Aufgabe, die Stammwähler wieder "emotional stärker an die CDU zu binden".

Dafür möchte er auch Armin Laschet, den Unterlegenen der Kampfabstimmung, mit einbinden: "Mein Freund Armin bekommt ganz sicher eine wichtige Rolle in der Fraktion", sagt Laumann. Und auch Laschet sagt nur Gutes über seinen neuen Fraktionschef. Dort, wo er gebraucht werde, werde er helfen. Die Abstimmung selbst deutet Laschet gar als "einen Beitrag zur politischen Kultur unserer Fraktion". Eine Partei macht auf friedlich.

Doch wer weiß, für wie lange. Schon bald geht es um den Landesvorsitz, den Rüttgers im kommenden Jahr freimacht. Zudem wird ein Platz im Bundesvorstand vakant. Und was ist, wenn es zu einer Neuwahl kommt - dann braucht die Partei rasch einen Spitzenkandidaten. Nur Laumann hat sich heute dazu geäußert. Für den Parteivorsitz werde er definitiv nicht kandidieren. Und CDU-Spitzenkandidat für die nächste NRW-Wahl? "Ich bin immer dafür, den ranzulassen, der am meisten Stimmen bekommt", sagt Laumann und lächelt vieldeutig.

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