Kritik an Thüringens CDU-Chef Mohring "Weder ehrlich noch kollegial"

Zoff in der Thüringer CDU: Landeschef Mike Mohring wird vorgeworfen, er habe eine Parteifreundin bei der Nominierung für einen Posten ausgetrickst. Die ist menschlich schwer enttäuscht.

Mike Mohring, Fraktionsvorsitzender der CDU: zunehmend unter Druck
DPA / Martin Schutt

Mike Mohring, Fraktionsvorsitzender der CDU: zunehmend unter Druck


Die Thüringer CDU kommt nach der Wahlniederlage von Ende Oktober nicht zur Ruhe. Die Landtagsabgeordnete Beate Meißner erhebt schwere Vorwürfe gegen den ohnehin angeschlagenen Landes- und Fraktionschef Mike Mohring. Meißner äußert offene Zweifel an Mohrings Integrität und Führungsqualität.

Am Mittwoch kam es in der Fraktionssitzung zum Eklat, als sich der Abgeordnete Henry Worm in einer Kampfkandidatur gegen die von Mohring vorgeschlagene Meißner durchsetzen konnte. Es ging um die Nominierung des Landtagsvizepräsidenten für die konstituierende Sitzung des Landtags am kommenden Dienstag.

Elf von 21 Stimmen erhielt Worm, Meißner nur acht. Nach Verkündung des Ergebnisses verließ die Abgeordnete mit Tränen in den Augen die Sitzung und knallte die Tür, wie Anwesende berichten.

In Fraktionskreisen kursiert die Erzählung, Mohring habe beiden Kandidaten im Vorfeld seine Unterstützung zugesichert, um sich von ihnen an der Fraktionsspitze stützen zu lassen - er hatte bei seiner Wiederwahl nur 66 Prozent erhalten. "Erst in der Sitzung wurde nun klar, dass Mohring Meißner verraten hat, um sich selbst an der Macht zu halten", sagte ein Abgeordneter dem SPIEGEL. Ein Fraktionssprecher wies diese Darstellung zurück und erklärte, Mohring habe Meißner weder gestützt noch nominiert.

"Nicht sicher, ob Mohring die Fraktion zusammenhalten kann"

Meißner dagegen sagte dem SPIEGEL, Mohring habe ihr vor zwei Wochen in einem Vieraugengespräch per Handschlag seine Unterstützung für ihre Kandidatur zugesichert. "Jemanden vorzuschlagen bedeutet für mich, ihn auch zu unterstützen. Das hat Mike Mohring nicht getan, und deswegen weiß ich jetzt auch, was sein Handschlag wert ist", sagte sie dem SPIEGEL.

Beate Meißner, CDU-Abgeordnete in Thüringen
Jacob Schröter/ imago images

Beate Meißner, CDU-Abgeordnete in Thüringen

Worm wird zum Unterstützerkreis des Fraktionsvizes Michael Heym gezählt, der mit einer Gruppe von Politikern eine Diskussion darüber anzettelte, ob die CDU mit der AfD zusammenarbeiten solle. Heym wurde ebenfalls nur knapp als Fraktionsvize bestätigt und erhielt Unterstützung von Mohring.

Besonders kurios: In der Sitzung am Mittwoch diskutierten die Abgeordneten auch, ob sie eine Linken-Kandidatin zur Landtagspräsidentin wählen könnten, weil diese zu DDR-Zeiten in der SED war. Nun nominierte die CDU ausgerechnet Worm - das einzige Mitglied der Fraktion, das selbst bis 1989 der SED angehörte.

"Ich akzeptiere eine demokratische Wahl, aber die Art und Weise enttäuscht mich sehr. Dieser Vorgang war weder ehrlich noch kollegial", sagte Meißner. Ein anderer Abgeordneter sprach nach der Sitzung von einer "Erosion der Macht" Mohrings, der mit seinem Schlingerkurs als Landesvorsitzender bald im Wochentakt für Streit in der Partei sorgt. Nun werde der Keil sogar in die Kreisverbände getrieben. Worm und Meißner gehören beide dem Kreisverband Sonneberg an.

"Ich bin mir nicht sicher, ob Herr Mohring noch in der Lage ist, die Fraktion zusammenzuhalten", sagte Meißner. Bis gestern sei sie davon überzeugt gewesen. "Was nun bleibt, ist eine junge Parteikollegin, die weggebissen wurde. Ich fühle mich nun in meiner Unabhängigkeit gestärkt."

Landtagswahl Thüringen 2019

Endgültiges Ergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
21,7
-11,8
Die Linke
31
+2,8
SPD
8,2
-4,2
AfD
23,4
+12,8
Grüne
5,2
-0,5
FDP
5
+2,5
Sonstige
5,5
-1,6
Sitzverteilung
Insgesamt: 90
Mehrheit: 46 Sitze
29
8
5
5
21
22
Quelle: Landeswahlleiter

til

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
fjodormichailowitsch 21.11.2019
1. Tja, was soll man dazu sagen ?
Typisch CDU, CSU, SPD ........ Machtkämpfe, Intrigen, Wendehälse ohne Ende. Vor allem aber, der Drang zur AfD, gerade von der Männergesellschaft und gerade die von den angeblich Christlichen. Es ist nichts Gutes zu erwarten.
53er 21.11.2019
2. Dann sollte sie aus der CDU austreten
und sich nach einem Posten in der Wirtschaft umsehen, als ehemalige CDU Politikerin ist das sicher kein Problem irgend ein Pöstchen findet sich da schon. Denn in der CDU kann ihr so etwas öfter passieren als ihr lieb ist, da ist das völlig normal: cDU.
FrankDunkel 21.11.2019
3.
Mohring ist nicht mehr als ein windiger Provinzpolitiker mit einem zurechtgebogenen Lebenslauf.
RalfHenrichs 21.11.2019
4. Ach Gottchen
Wem es in der Küche zu heiß ist,... Und ein Vieraugengespräch aus Beleg heranzuziehen, spricht nicht für Meißner. Nein, das ist in anderen Parteien auch nicht anders.
eugler 21.11.2019
5. Mohring wie er leibt und lebt
Man müsste vor der Wahl einen Test zum aktuellen Wissensstand machen, dann wäre die CDU unter der 5%-Hürde durchgetaucht. Die CDU-Wähler mit denen ich sprechen konnte gehen von völlig falschen Inhalten aus. Das ist eigentlich AfD-Potenzial.
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