Zur Ausgabe
Artikel 15 / 73
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Markus Feldenkirchen

Rennen ums Kanzleramt Armin Laschet, deutscher Buddha

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Kirre machen lassen sich andere. Man kann vom Kanzlerkandidaten der CDU halten, was man will. Aber die Gelassenheit, mit der er unterwegs ist, sucht ihresgleichen.
aus DER SPIEGEL 25/2021
Kanzlerkandidat Laschet

Kanzlerkandidat Laschet

Foto:

Sepp Spiegl / imago images

Sollte es die Wiedergeburt geben, wäre ich beim nächsten Mal gern Armin Laschet. Zumindest hätte ich gern seine Gelassenheit, die innere Ruhe und Zuversicht, dass am Ende alles gut wird. Selbst dann noch, wenn einen die ganze Republik gerade zum Volldödel erklärt und man in Umfragen weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz liegt.

Wissen Sie noch, vergangenen Herbst, als Friedrich Merz den Vorsitz der CDU auch deshalb für sich reklamierte, weil er die klar besseren Umfragewerte als Laschet habe? Oder die Zeit kurz nach Weihnachten, als Jens Spahn plötzlich in irgendeiner der 1000 Umfragen der beliebteste Politiker Deutschlands war und viele ihn für den besten Kanzlerkandidaten hielten, allen voran Spahn selbst? Oder als Markus Söder und seine CSU keinen Zweifel daran ließen, dass nur er die Union retten könne, weil er in Umfragen gefühlt 120 Prozentpunkte vor Laschet lag?

Aus: DER SPIEGEL 25/2021

Wunderwaffen für ein gesundes Leben

Die Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis sind erst der Anfang: Mit der bahnbrechenden neuen Technik wollen Ärztinnen und Forscher die Zellen des Patienten in Arzneimittelfabriken verwandeln und auf diese Weise die großen Volkskrankheiten behandeln. Hiesige Firmen spielen dabei eine führende Rolle. Kann Deutschland zur Apotheke der Welt werden?

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Auf die Spitze trieb diese Form der infantilen, rein auf Forsa, Insa und Co. fußenden Politikbetrachtung der CDU-Politiker Reiner Haseloff. In der Hochphase des Machtkampfes zwischen Söder und Laschet plädierte der sachsen-anhaltinische Großstratege dafür, die Wahl des Kanzlerkandidaten allein von den aktuellen Popularitätswerten abhängig zu machen. Mit der trostlosen Begründung: »Es geht nicht um persönliche Sympathie, Vertrauen oder Charaktereigenschaften.«

Nicht nur Haseloff setzte konsequent auf Beliebtheitswerte. Auch die SPD entschied sich für den Genossen mit den blendendsten Zahlen. Dass man mit Olaf Scholz kein Momentum des Aufbruchs erzeugen kann, wurde ausgeblendet. Auch bei der Entscheidung der Grünen für Annalena Baerbock spielte (neben dem Geschlecht) eine wichtige Rolle, dass Baerbock in den Umfragen im Vergleich zu Robert Habeck zumindest mächtig aufgeholt hatte. Vielleicht hätte man damals nicht nur auf die Umfragen, sondern auch mal in den Lebenslauf schauen sollen.

»Die Sturheit wirkte so altmodisch, dass sie fast wieder erfrischend progressiv daherkommt.«

Nur die CDU machte etwas vollkommen Irres. Sie ließ sich vom Terror der Demoskopie nicht kirre machen und nominierte einen Mann, dessen persönliche Werte damals gefühlt knapp über der Fünfprozenthürde lagen. Man muss weder Laschet noch das Programm der CDU mögen (falls sie vor der Wahl noch eins präsentiert). Aber die Sturheit, mit der Laschet und das Gros der Führung auf dem Grundsatz beharrten, dass hinter gravierenden Entscheidungen mehr stehen muss als Umfragewerte, wirkte so altmodisch, dass sie fast wieder erfrischend progressiv daherkommt.

Es scheint, als gäbe die Entwicklung der CDU recht. In aktuellen Umfragen steht Laschet in der Kanzlerfrage inzwischen an erster Stelle. Der Wahnsinn der Gegenwartshektik zeigt sich oft erst im Rückblick. Und vielleicht sind Vertrauen und Charaktereigenschaften ja doch nicht ganz aus der Zeit gefallen.

Zur Ausgabe
Artikel 15 / 73
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.