CDU Kleiner Parteitag wählt Merkels treuen General

Die CDU hat Volker Kauder auf ihrem Kleinen Parteitag einmütig zu ihrem neuen Generalsekretär gewählt. Er gilt als Vertrauter der CDU-Vorsitzenden. Dabei war der Mann aus Baden-Württemberg zunächst kein ausgesprochener Anhänger von Angela Merkel.

Von


Kauder: Heraus aus der zweiten Reihe
DPA

Kauder: Heraus aus der zweiten Reihe

Berlin - Kauder erhielt von den rund 100 anwesenden Delegierten 98 Stimmen. Die Wahl des neuen Generalsekretärs war ohnehin nur noch eine Formsache gewesen. Schon vor der Sitzung des CDU-Bundesausschusses, dem sogenannten Kleinen Parteitag, war klar, dass Kauder in das Amt nachrücken würde, das sein Vorgänger Laurenz Meyer wegen seiner RWE-Verbindungen im Dezember räumen musste.

Der 55-Jährige hat eine steile Karriere hinter sich. Eine, die so vor drei Jahren noch nicht abzusehen war. Da hatte Kauder, als Generalsekretär der baden-württembergischen CDU jenen Landesparteitag mit organisiert, auf dem sich der damalige CDU-Landeschef Erwin Teufel zum Lager von CSU-Chef Edmund Stoiber, des späteren Kanzlerkandidaten, bekannte. Dieser Affront gegen Merkel, an dem der Jurist Kauder gehörigen Anteil hatte und der doch wohl nichts weiter als Ausdruck der damaligen Seelenlage der Südwest-Partei war, hat ihm im Nachhinein nicht geschadet.

Kurz nach der verlorenen Bundestagswahl im Herbst 2002 bekam er einen Anruf von Angela Merkel. Die CDU-Chefin, die gerade dabei war, den Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz aus dem Amt zu drängen, bat ihn, einen der wichtigen Posten zu übernehmen, die im Bundestag zu vergeben sind: den des Ersten parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführers. Es ist ein Amt der zweiten Reihe - aber wie so viele Ämter der zweiten Reihe laufen hier die Fäden zusammen, sind gerade hier Effektivität und Geräuschlosigkeit mehr gefragt als öffentliche Selbstdarstellung.

Kauder willigte ein. Vielleicht mag an Merkels Entscheidung nicht nur machttaktisches Kalkül mitgespielt haben - die Baden-Württemberger in der CDU-Bundestagsfraktion sind neben dem Landesverband aus Nordrhein-Westfalen eine mächtige Bastion -, sondern auch Kauders Ehrlichkeit: So hatte er schon früher als andere in der CDU Merkel in einem persönlichen Gespräch klar gemacht, dass nicht sie, sondern Stoiber in der Union für den besseren Kanzlerkandidaten gehalten wurde.

Kauder gehört zu Merkels Inner Circle

Wenn heute von den männlichen Vertrauten der CDU-Vorsitzenden die Rede ist, dann darf Kauder sich wohl dazu zählen. Mehrmals am Tag kommunizieren Merkel und er miteinander, per Telefon oder SMS, geräuschlos managte er bislang die Fraktion mit ihren widerstreitenden Interessen, ihren Animositäten und persönlichen Eitelkeiten. Sein potenzieller Nachfolger Norbert Röttgen, mit 39 Jahren einer der Jüngeren in der Fraktion, Jurist und ein Mann des liberalen Flügels aus der nordrhein-westfälischen CDU, wird ein gut geführtes Amt vorfinden.

Kauder hielt während seiner Zeit als Fraktionsgeschäftsführer im besten Sinne Merkel den Rücken frei. Auch in jener Phase, in der er direkt in den Mittelpunkt des bundespolitischen Geschehens hineingeworfen wurde, während der zähen Verhandlungen im Vermittlungsausschuss zu den Hartz-Gesetzen. Da hielt er den Kontakt zu den CDU-Länderchefs, der Fraktion, der Vorsitzenden und zum politischen Gegner. Kauder wurde in dieser Phase auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, rückte heraus aus der zweiten Reihe. Zusammen mit dem Verhandlungsführer der SPD, dem Ersten Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer Wilhelm Schmidt, wurde er in Fernsehstudios geladen. Da war ein Duo zu sehen, das sich gegenseitig respektierte und vor allzu groben Verallgemeinerungen zurückschreckte.

Kauder, dessen jüngeren Bruder Siegfried ebenfalls für die CDU im Bundestag sitzt, gilt gemeinhin als Arbeitstier. Prägnanz ist sein Stil. Wer ihn in den Journalistenrunden in den Sitzungswochen des Parlaments erlebt, kann einen Mann beobachten, der voller Anspannung ist, ein Mann, der mit den Füßen hin und her wippt, der sich locker gibt und mit gelegentlichen Scherzen die Runde zu unterhalten weiß. Als er sich am Abend der CDU-Vorstandsklausur in Kiel zu den Journalisten gesellte, um in groben Zügen den politischen Kurs des nächsten halben Jahres zu erläutern, wurde ein Unterschied zu seinem Vorgänger deutlich: Laurenz Meyer, den Lebensfreuden nie abgeneigt, hätte sich wohl danach zum Pils mit den Journalisten an die Theke gesellt. Nach einer halben Stunde Vortrag aber ging Kauder - um sich mit den CDU-Vorständlern im abgetrennten Raum zu treffen.

Ein bekennender Lobbyist für die Wehrtechnik

Während die Affäre um die Gehaltszahlungen des Energiekonzerns RWE an Meyer noch köchelte und die Schlagzeilen dominierte, ging Kauder schon andere Wege. Als Merkel ihn kurz vor Weihnachten bat, das Amt des Generalsekretärs zu übernehmen, erzählte er ihr offen, dass er für die Wehrindustrie eintritt. In seinem Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen sind das drei Unternehmen: Neben der Zünderfabrik Junghans und der Waffenschmiede Mauser produziert dort auch Heckler & Koch, einer der weltweit führenden Produzenten von Handfeuerwaffen. Aus seinem Einsatz für diese Industrie und damit dem Erhalt Tausender Arbeitsplätze hat Kauder nie einen Hehl gemacht. Auf seiner Homepage im Internet bekennt er: "Ich stehe zur Wehrtechnik."

Das Bekenntnis Kauders, das vom politischen Gegner instrumentalisiert werden könnte, hielt Merkel jedoch nicht davon ab, ihn für das Amt vorzuschlagen. Nun muss Kauder sich in seiner neuen Rolle bewähren, die im Gegensatz zu der des Fraktionsgeschäftsführers gerade nach Öffentlichkeit verlangt. Neben der Organisation der Partei sieht die Rolle des Generalsekretärs auch vor, gelegentlich für grobe Angriffe zuständig zu sein. Zur Einarbeitung in sein neues Amt bleibt Kauder kaum Zeit. Vor allem zwei Länder sind es, die seinen Einsatz verlangen: Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Dort will die CDU im Februar und Mai die Landtagswahlen gewinnen. In beiden steht es zwischen Rot-Grün und CDU/FDP Kopf an Kopf. Für Kauder wird das die erste Bewährungsprobe.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.