CDU Kohl schweigt am Parteitag


Essen - Die Order war strikt: Kein Wort zum Auftakt des CDU-Parteitags, das zu falschen Interpretationen Anlass geben könnte. Die Vertrauten von Ex-Parteichef Helmut Kohl, die in Essen sehr genau hinhörten, als es um die Aufarbeitung der Parteikrise ging, hielten sich mit Kommentaren denn auch deutlich zurück.

Nur so viel wurde bekannt: Kohl war am Montagvormittag auf dem Weg nach Berlin. "In seinem Büro arbeitet er noch Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag auf und bereitet sich weiter auf seinen Auftritt im Spenden-Untersuchungsausschuss vor", hieß es. Er sei kein Fernseh-Hocker, schaue sich deshalb auch die Direktübertragungen aus der Grugahalle nicht an. Diese Äußerung war das Einzige, was aus der Umgebung des früheren Unionspatriarchen zu hören war.

Auch als Wolfgang Schäuble um 12.30 Uhr seine letzte Rede als Parteivorsitzender mit den eher milden Worten über die innerparteilichen Intrigen der Vergangenheit beendet hatte, gab es keinen Kommentar des ehemaligen Kanzlers. Anton Pfeiffer, einst Staatsminister unter Kohl im Kanzleramt und nach wie vor einer der Getreuen mit ständigem Draht nach Oggersheim, wollte im dpa-Gespräch keine Einschätzung geben. "Es war eine gute Rede, die sehr in die Zukunft orientiert war".

Für Pfeiffer steht auch fest, dass die Distanz zwischen dem Altkanzler und seiner Partei nicht auf Dauer so groß sein wird, wie derzeit. "Dass er wieder kommt, ist für mich klar!" Ähnlich denkt auch Bremens CDU-Landeschef Bernd Neumann, ebenfalls als unerschütterlicher Kohl-Fan bekannt: "Ich gehe davon aus, dass er das nächste Mal wieder dabei sein wird", war er sich am Rande des Parteitags nach der Aufräum-Debatte der Delegierten sicher.



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