Führungsstreit Söders Einmischung verärgert CDU-Spitze

Wann und wie kürt die Union ihren neuen Parteichef? Die Interventionen von Markus Söder irritieren die CDU-Führung. Im SPIEGEL weist Parteivize Strobl den bayerischen Ministerpräsidenten zurecht.
CSU-Chef Söder

CSU-Chef Söder

Foto: Hannibal Hanschke/ REUTERS

In der CDU herrscht großer Ärger über die Einmischung von CSU-Chef Markus Söder in die Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden. "Wann und in welchem Verfahren die CDU die Parteivorsitz-Frage klärt, ist allein Sache der CDU", sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl dem SPIEGEL: "Das gilt auch für gut gemeinte Hinweise aus München."

Der CSU-Vorsitzende Söder hatte zuletzt angemahnt, dass die Kanzlerkandidatur nicht bereits mit dem CDU-Parteivorsitz entschieden werden dürfe. Zudem kritisierte er den Zeitplan der Schwesterpartei. Strobl betont: "Wir in der CDU trödeln nicht rum - wir lassen uns aber auch von niemandem treiben." Der CDU-Politiker ist Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Strobl ist nicht der Einzige in der CDU-Führung, der von Söders Ansagen irritiert ist. Auch der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf hatte in dieser Woche die Einmischungen aus Bayern verärgert zurückgewiesen. In der CDU-Spitze wird gemutmaßt, Söder könne es entgegen eigener Beteuerungen doch darauf angelegt haben, die Kanzlerkandidatur für sich zu beanspruchen. Der CSU-Chef hatte Ambitionen zuletzt immer wieder dementiert, unter anderem mit dem Hinweis, die Deutschen seien nicht bereit für einen Kanzler aus Bayern.

DER SPIEGEL 9/2020

Deutscher Winter

Wenn aus rechtem Hass Terror wird

Zur Ausgabe

Die CDU-Spitze will am kommenden Montag festlegen, wie es in der Suche nach einem neuen Vorsitzenden weitergeht. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat dazu Präsidium und Vorstand nach Berlin geladen, sie will das weitere Verfahren erläutern. Bislang hat nur der Außenpolitiker Norbert Röttgen seine Kandidatur öffentlich gemacht. Drei weitere Christdemokraten gelten als Interessenten: Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet.

Hinter den Kulissen wird bei der CDU händeringend versucht, eine einvernehmliche "Teamlösung" zu erzielen, um einen Wettbewerb wie im Jahr 2018 vermeiden zu können. Eine Konsenslösung gilt seit der Bewerbung von Röttgen allerdings als unwahrscheinlich.

Alle vier CDU-Politiker hatten in dieser Woche ein Gespräch mit Kramp-Karrenbauer, um die Lage zu erörtern. Ob die CDU-Chefin am Montag in den Gremiensitzungen bereits über konkrete Personalien spricht, ist offen. Im Gespräch ist ein Sonderparteitag noch vor der Sommerpause, auf dem der neue Parteivorsitzende gekürt werden könnte. 

hic/ flo/ vme
Mehr lesen über Verwandte Artikel