CDU Merkel steht vor dem Ritterschlag

Es müsste schon ein Wunder geschehen, sollte der CDU-Bundesvorstand am Montag jemand anderen als Generalsekretärin Angela Merkel als neue Parteivorsitzende vorschlagen. Auch die Bedenken der bayrischen Schwesterpartei sind weitestgehend verschwunden.


Berlin - In der fünfwöchigen Diskussion um das Spitzenamt im Zuge der CDU-Finanzaffäre hatte sich eine große Unterstützung der Basis für die Kandidatur der 45-jährigen Ostdeutschen abgezeichnet. Merkel würde Nachfolgerin des amtierenden Parteichefs Wolfgang Schäuble, der im Zusammenhang mit der Affäre seinen Rückzug bekannt gegeben hatte. Von der Sitzung am Montag wird auch eine erste Klärung erwartet, wer als Stellvertreter ins Rennen geht. Gewählt wird der neue Vorsitzende auf dem CDU-Bundesparteitag vom 9. bis 11. April in Essen.

CDU-Generalsekretärin Merkel: Die Nominierung für den Parteivorsitz ist so gut wie sicher
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CDU-Generalsekretärin Merkel: Die Nominierung für den Parteivorsitz ist so gut wie sicher

In der CSU gibt es nur noch rein strukturelle Bedenken gegen eine CDU-Chefin Angela Merkel. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Michael Glos, sagte der Zeitung "Die Welt", man werde sehen, ob das neue Führungsgespann der Schwesterpartei mit Merkel und Friedrich Merz als Fraktionschef die gesamte Bandbreite der Partei repräsentiere, sagte Glos. Wenn die Bandbreite der Union gefährdet sei, werde die CSU ihren Einfluss in der gemeinsamen Bundestagsfraktion zur Geltung bringen.

Glos sagte, selbstverständlich müssten beide Partein in der Lage sein, den Kanzlerkandidaten zu stellen. "Dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber jedenfalls kann man die Befähigung dazu genauso wenig absprechen, wie dies bei Franz Josef Strauß oder Theo Waigel der Fall gewesen ist."

Die breite Zustimmung zu Merkels Kandidatur zeigte sich am Samstag auch auf der letzten der neun Regionalkonferenzen in Stuttgart. In Köln quittierten die Delegierten des Parteitags der NRW-CDU das Votum ihres Vorstands für Merkel mit Beifall. Auch Bremens Landesverband sprach sich wie viele vor ihm für Merkel aus. Merkel selbst hielt sich an die Absprache, vor den Sitzungen am Montag keine Kandidatur öffentlich bekannt zu geben. Sie wäre die erste Frau an der Spitze einer der beiden großen Volksparteien und würde Nachfolgerin von Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Rainer Barzel, Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble.

Offen ist weiterhin, wer die vier stellvertretenden Vorsitzenden werden. Annette Schavan und Christian Wulff wollen kandidieren. Ambitionen werden Volker Rühe nachgesagt. Als Nachfolger von Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm wird NRW-CDU-Chef Jürgen Rüttgers antreten. Schäuble soll für das Präsidium kandidieren. Es wird nicht erwartet, dass schon am Montag über den neuen Generalsekretär und den neuen Schatzmeister entschieden wird.



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