Liveschalte zu Laschets Mitbewerber Spahns Trick

Beim CDU-Parteitag gab es nach den Reden der Kandidaten eine Fragerunde. Jens Spahn machte daraus eine Werberede für seinen Tandempartner Laschet. War das fair? Sein Ergebnis bei der Vizewahl kurz darauf: mau.
Jens Spahn bei seiner Schalte auf dem digitalen CDU-Parteitag

Jens Spahn bei seiner Schalte auf dem digitalen CDU-Parteitag

Foto: Rüdiger Wölk / imago images/Rüdiger Wölk

Armin Laschet ist neuer CDU-Chef. Er und sein Tandemspartner, Gesundheitsminister Jens Spahn, waren »als Team« ins Rennen um den CDU-Vorsitz gegangen. Was das nun, nach Laschets Sieg, für Spahns Rolle in der CDU bedeutet, ist unklar. Welchen Vorteil es für Laschet auf dem Parteitag bedeutete, wurde dagegen deutlich. Denn Spahn nutzte eine digitale Fragerunde für eine Lobeshymne auf Laschet – anders, als eigentlich vorgesehen.

Der Parteitag fand erstmals komplett digital statt. Vor Ort im Studio waren Laschet und seine Konkurrenten, Ex-Fraktionschef Friedrich Merz und der frühere Minister Norbert Röttgen. Die insgesamt 1001 Delegierten saßen hingegen daheim und schauten im Livestream zu. Alle drei Kandidaten hatten je 15 Minuten Redezeit, dann folgte eine virtuelle Fragerunde.

Nur drei CDU-Mitglieder hatten auch aufgrund technischer Probleme die Chance, eine Frage zu stellen, einer davon war Jens Spahn. Der Minister hatte dann aber in seiner Schalte keine Frage, sondern schickte lieber Grußworte gen Laschet. Laschet sei die »richtige Antwort« auf die nun anstehende Personalfrage, sagte Spahn. Der NRW-Ministerpräsident habe die Fähigkeit, verschiedene Lager zusammenzuführen: »Er lebt Zusammenhalt.« Zwar seien er und Laschet »nicht immer gleicher Meinung«, so Spahn weiter. Sie beide seien aber der Überzeugung, dass es nach 16 Jahren der Kanzlerschaft von Angela Merkel »Kontinuität beim Regieren« brauche, »aber auch neue Impulse für die 20-er Jahre«.

»Das war keine Frage«

Der angesprochene Laschet lächelte dezent, Merz und Röttgen schauten leicht irritiert. Die Moderatorin schloss mit: »Das war keine Frage.«

Im Netz sorgte das Manöver für Kritik. Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann schrieb auf Twitter von einem »unfairen Move«. So etwas sei bei Grünen-Parteitagen nicht üblich. Andere verteidigten die Wortmeldung. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak schrieb auf Twitter , solche Art der Werbung sei auf normalen Parteitagen gang und gäbe.

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Spahn hatte sich 2018 auf dem CDU-Parteitag erfolglos auf den Posten des CDU-Chefs beworben, unterlag damals aber Merz und der dann siegreichen Annegret Kramp-Karrenbauer. Die nun scheidende CDU-Chefin hatte Anfang 2020 ihren Rückzug vom Amt verkündet. Spahn schloss eine neue Kandidatur aus und kündigte stattdessen die Unterstützung Laschets an. Er selbst fungierte die vergangenen elf Monate als Vizekandidat.

Bei der Wahl zu den Vizevorsitzenden musste Spahn dann auch das schlechteste Ergebnis der Runde hinnehmen. Fünf Stellvertreterinnen und Stellvertreter wurden von den 1001 Delegierte auf dem Parteitag gewählt. Neben Spahn waren das Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Silvia Breher und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl.

Spahn holte 589 Stimmen. Die ausreichende Mehrheit – von allen Bewerbern das schlechteste Ergebnis.

mit dpa