Neuaufstellung der CDU Junge Hausmacht

Die CDU will sich erneuern – und hat beim Parteitag ihre Führungsgremien neu besetzt. Die Jungen in der Partei haben deutlich an Einfluss gewonnen. Den soll die Partei nun auch spüren.
CDU-Abgeordnete Ronja Kemmer soll die Jungen zukünftig an der Parteispitze vertreten

CDU-Abgeordnete Ronja Kemmer soll die Jungen zukünftig an der Parteispitze vertreten

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

»Erneuerung« ist das Stichwort der Stunde bei der CDU, auch beim Personal. »Offensichtlich haben wir nicht genügend Themen, die interessant genug sind für junge Menschen. Also müssen wir daran arbeiten«, sagte der neue Vorsitzende Friedrich Merz beim digitalen Parteitag. Schon im Vorfeld hatte er als ein Ziel ausgegeben: Das Führungsteam der Partei solle weiblicher und jünger werden als bisher.

Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, die junge Generation zählt zu den Gewinnern des Parteitags: Alle sieben Bewerbungen vom Parteinachwuchs Junge Union für Präsidium und Bundesvorstand waren erfolgreich. JU-Chef Tilmann Kuban bilanzierte nach den Wahlen, er sei stolz auf den Erfolg der Jungen beim Parteitag. Man sei jetzt bereit für den Neuanfang.

Die CDU ist alt, das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 61 Jahren. Bei der Bundestagswahl entschied sich rund ein Drittel der Über-60-Jährigen für die Union. Bei den Unter-30-Jährigen kamen CDU und CSU nur auf elf Prozent.

Merz, selbst 66 Jahre alt, hat das Problem erkannt. Er forderte die Junge Union auf, eine eigene Kandidatin für die Neuwahl des Parteipräsidiums ins Rennen zu schicken. Bisher war die JU zwar im Bundesvorstand vertreten, nicht aber im Präsidium – dem kleineren und mächtigeren Parteigremium.

Wurde von der Jungen Union in den Vorstand geschickt: Laura Hopmann

Wurde von der Jungen Union in den Vorstand geschickt: Laura Hopmann

Foto: laura-hopmann.de

Das ist nun vorbei. Die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer sitzt als JU-Vertreterin künftig im Präsidium, ein kleiner Coup.

Sie erreichte mit 70 Prozent nicht nur ein besseres Ergebnis als etwa Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn, der mit nur rund 60 Prozent ins Präsidium einzog. Kemmer setzte sich auch gegen eine erfahrene Mitbewerberin durch: Annette Widmann-Mauz, die drei Jahre lang im Präsidium der CDU saß, hat den Einzug nicht mehr geschafft, obschon sie Chefin der Frauen Union ist und auf deren Vorschlag hin antrat.

Kemmer ist Digitalpolitikerin und Beauftragte für Künstliche Intelligenz der Unionsfraktion. Mit 32 Jahren wird sie den Altersdurchschnitt im Präsidium deutlich senken – bisher saß dort niemand unter 40.

Mitglied des Bundesvorstands der CDU: Bastian Schneider

Mitglied des Bundesvorstands der CDU: Bastian Schneider

»Nach so einem schwierigen Jahr ist es wichtig, sich innerhalb der Partei breiter aufzustellen«, sagte Kemmer im Vorfeld über ihre Kandidatur. Natürlich lasse sich nicht jeder Konflikt auf Alt und Jung herunterbrechen. »Aber die Wahlergebnisse zeigen, warum auch junge Stimmen in der Partei gehört werden müssen.«

Zeit für junge Köpfe

Die CDU sei lange Teil der Regierung gewesen und habe sich in dieser Funktion viel mit externen Krisen beschäftigt, sagte Kemmer. Nun müsse man den Blick mehr nach innen richten. »Viele Grundsatzfragen sind in der letzten Zeit liegen geblieben, denen müssen wir uns nun widmen.« Sie wolle, dass die Partei »wieder kampagnenfähiger und angriffslustiger wird«.

Neues Mitglied im Bundesvorstand: Birte Glißmann

Neues Mitglied im Bundesvorstand: Birte Glißmann

Foto: Axel Heimken / dpa

Kemmer ist jedoch nicht die Einzige, die es beim Parteitag aus den Reihen des Nachwuchses in die Führungsriege der CDU geschafft hat. Auch für den Bundesvorstand schickte die Junge Union sechs Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen. Alle waren erfolgreich, keine Selbstverständlichkeit angesichts von 39 Bewerbungen für 26 Plätze:

  • Birte Glißmann, 29 Jahre, Landesvorsitzende der JU Schleswig-Holstein, entwarf nach einem sexistischen Spruch eines Parteikollegen einen Anti-Sexismus-Plan für ihren Verband.

  • Jessica Heller, 31 Jahre, Stadträtin in Leipzig, arbeitete unter anderem als Krankenpflegerin auf der Intensivstation.

  • Bastian Schneider, 31 Jahre, Richter, wurde unter dem damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet in die nordrhein-westfälische Staatskanzlei gerufen.

  • Johannes Steiniger, 34 Jahre, sitzt seit 2013 im Bundestag und sprach sich im vergangenen Jahr als einer der ersten CDUler offen für Markus Söder als Kanzlerkandidat aus.

  • Laura Hopmann, 32 Jahre, sitzt als jüngste Abgeordnete der CDU im niedersächsischen Landtag und setzt sich unter anderem dafür ein, Anreize zu setzen, damit Väter mehr Elternzeit nehmen.

  • Wiebke Winter, 25 Jahre, Vorsitzende der JU Bremen und Mitbegründerin der Klima-Union, die die CDU-Politik auf ein 1,5-Grad-Linie bringen will.

Wiebke Winter: Jüngstes Vorstandsmitglied der CDU

Wiebke Winter: Jüngstes Vorstandsmitglied der CDU

Foto: teutopress / IMAGO

Damit stellt die JU in dem Gremium fast ein Viertel der Mitglieder, Winter bleibt jüngstes Vorstandsmitglied. Sie war schon beim vergangenen Parteitag in den Bundesvorstand gewählt worden.

Seitdem hat Winter das Scheitern ihrer Partei bei der Bundestagswahl in der ersten Reihe miterlebt. Nicht nur, weil sie im Vorstand saß, sondern auch, weil sie sich um ein Bundestagsmandat beworben hatte und verlor.

»Wir waren am Schluss im Wahlkampf einfach nicht sexy genug«

Vorstandsmitglied Wiebke Winter über die Unionsniederlage bei der Bundestagswahl

Natürlich mache sie sich seitdem Gedanken über das schlechte Ergebnis der CDU, sagt Winter. Und natürlich treibe sie auch der niedrige Stimmanteil bei jungen Wählerinnen und Wählern um. »Wir waren am Schluss im Wahlkampf einfach nicht sexy genug«, sagt Winter. »Wir müssen diese Zeit jetzt nutzen, um uns frei von Regierungszwängen Gedanken über die Partei zu machen.«

Absehbare Differenzen

Auch Winter findet, die CDU brauche in Zukunft andere Gesichter, sie solle »jünger und weiblicher« werden – allerdings ohne Quoten. Und sie müsse ihr inhaltliches Profil wieder schärfen. »Wenn man Leute fragt, wofür die CDU steht, muss ihnen dazu sofort etwas einfallen.« Wenn Winter sich die Stichworte aussuchen könnte, die den Leuten in den Kopf kommen, wären das unter anderem: »die Verbindung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem«. Mit dieser Kombination wurde die CDU bislang allerdings nicht vorrangig in Verbindung gebracht.

Als Klimapolitikerin, die für eine 1,5-Grad-konforme Strategie kämpft, könnte Winter im Vorstand ein Gegengewicht zum neuen Vorsitzenden bilden. Zumindest bisher hat Merz sich beim Klimaschutz noch nicht als Vorreiter hervorgetan.

Winter stört sich an diesen Differenzen allerdings nicht. »Herr Merz und ich haben sicher auch mal unterschiedliche Auffassungen, aber ich halte ihn für einen intelligenten und differenzierten Politiker«, sagt Winter. Aber sie werde im Vorstand auch weiter »wie eine Löwin« für eine Klimapolitik kämpfen, die konform mit den Pariser Klimaschutzzielen ist.

Obwohl die Partei alt bleibt, haben die Jungen nun so viel Einfluss in der CDU wie selten. So eine Erneuerung in der Parteiführung habe es lange nicht gegeben, man sei durchschnittlich fünf Jahre jünger geworden, stellte Merz am Ende des Parteitags fest. »Und das, obwohl ich als Bundesvorsitzender gewählt wurde.«