CDU-Parteitag Söder hat »keine Zeit« für die Reden der Kandidaten

Er müsse Akten abarbeiten und Termine machen: CSU-Chef Söder hat angeblich keine Zeit, sich die Parteitagsreden von Laschet, Merz und Röttgen anzuhören. Bundestagspräsident Schäuble verrät derweil, wen er wählt.
Markus Söder: Stichelei gegen die drei Kandidaten um den CDU-Vorsitz

Markus Söder: Stichelei gegen die drei Kandidaten um den CDU-Vorsitz

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Sammy_Minkoff / imago images/Sammy Minkoff

Kurz vor dem CDU-Parteitag hat CSU-Chef Markus Söder angekündigt, er habe keine Zeit, sich die Reden der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz am Samstag anzuschauen. Er werde sich am Schluss »überraschen lassen«, sagte Bayerns Ministerpräsident der Funke-Mediengruppe. Er müsse Akten abarbeiten und Termine machen.

In einem Grußwort an den CDU-Parteitag betonte Söder später, dass er mit allen drei Kandidaten gut zurechtkommen werde. Friedrich Merz, Armin Laschet oder Norbert Röttgen seien »drei sehr gute, hervorragende Kandidaten«, sagte der bayerische Ministerpräsident und fügte hinzu: »Wir können super zusammenarbeiten.«

Der Bundesparteitag findet coronabedingt vollständig digital statt – eine Premiere in Deutschland. Am Samstag soll der Nachfolger von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt werden. Zur Wahl stehen Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Die Lösung der Personalfrage schleppt sich wegen der Pandemie seit dem Frühjahr hin. Ein ursprünglich für Ende April 2020 anvisierter Sonderparteitag sowie ein Parteitag im Dezember waren abgesagt worden.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble teilte derweil mit, er werde für Merz als CDU-Chef stimmen. Der Kandidat, den er bereits vor der Vorsitzenden-Wahl 2018 aufgebaut hatte, könne am besten mobilisieren.

Noch-Parteichefin Kramp-Karrenbauer nahm in ihrer Rede beim Parteitag Abschied von ihrem Amt. Vor fast einem Jahr habe sich die CDU nach dem Debakel in Thüringen in einer existenziell schwierigen Situation befunden. Damals war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen von AfD und CDU zum Ministerpräsidenten gewählt worden.

»Es ging um die Seele unserer Partei«, sagte Kramp-Karrenbauer in ihrer Rede. Als Parteivorsitzende habe sie nicht mehr genügend Autorität und Unterstützung gehabt. Der Entschluss, in dieser Krise ihren Rückzug vom Amt anzukündigen, sei schwer gewesen, aber richtig. »Euren Erwartungen nicht immer gerecht geworden zu sein, das schmerzt auch heute noch«, sagte die scheidende Parteichefin.

Der Streit über die Flüchtlingsfrage habe die CDU und ihrer Schwesterpartei CSU fast an den Rand des Scheiterns einer Gemeinschaft gebracht, sagte Kramp-Karrenbauer. Das dürfe nicht noch einmal passieren.

Kramp-Karrenbauer betonte, mit den Anträgen der Struktur- und Satzungskommission etwa zur Verankerung der Frauenquote oder zur Anerkennung der Gruppe der Lesben und Schwulen in der Union zeige die CDU, dass sie nicht nur rede, sondern auch handle. »Wir tun etwas für die Gleichstellung der Frauen«, sagte Kramp-Karrenbauer.

Merkel nennt Pandemie »Jahrhundertereignis«

Im Anschluss dankten mehrere Parteikollegen Kramp-Karrenbauer für ihre Arbeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnerte in ihrer Rede an die Entwicklungen seit dem Jahr 2005, als sie ins Amt gewählt wurde. Es seien keine ruhigen Jahre gewesen, sagte Merkel. Nun gebe es das »Jahrhundertereignis« der Pandemie, die den allermeisten Menschen viel abverlange. In diesen bewegten Jahren hätten Deutschland und seine Bürger aber Stärke gezeigt, sagte Merkel. Sie sei überzeugt, das werde auch nach der Pandemie so sein. Deutschland habe immer wieder zu neuer Stärke finden können. Sie sei überzeugt, dass sich die Welt in den nächsten 15 Jahren noch schneller verändern werde, als in ihrer Amtszeit.

mfh/Reuters/dpa
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