Die Reden von Laschet, Merz und Röttgen »Ein Wort zu den Frauen«

Er war als Erster dran und überzeugte die CDU-Delegierten: Armin Laschet punktete mit einer auf Konsens ausgerichteten Rede, Friedrich Merz präsentierte sich überraschend schwach – und versagte komplett beim Thema Gleichstellung.
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Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen hatten auf dem digitalen Parteitag jeweils 15 Minuten lang Zeit, mit ihren Reden die 1001 zugeschalteten Delegierten von sich zu überzeugen. Am Ende holte Laschet den Sieg – der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist neuer CDU-Chef.

Nach alphabetischer Reihenfolge war auch Laschet zuvor als erster Redner dran. Er forderte zum Schutz der Demokratie und dem Kampf gegen rechts auf, und erinnerte dabei auch an den mutmaßlich rechtsextrem motivierten Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und die Anfeindungen, denen viele andere Politikerinnen und Politiker ausgesetzt sind. »Wir lassen uns unser Land von Rechtsterroristen und geistigen Brandstiftern nicht kaputt machen«, so Laschet.

Weiterhin appellierte Laschet an die Einheit in der CDU – die helfe auch, die Gesellschaft zu einen. »Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren«, sagte Laschet. Es dürfe nicht neues Gift durch eigene Polarisierungen verbreitet werden - was sicher als Spitze gegen den forscheren Merz gedacht war. Stattdessen müsse man integrieren und die Gesellschaft wieder zusammenführen. Für ihn gehöre auch dazu, mit Menschen zu verhandeln, die »man vielleicht nicht mag«. Es sei entscheidend für eine Partei der Mitte, immer nach Kompromissen zu suchen, sagte Laschet. Insgesamt müsse die CDU weiblicher und jünger werden.

Merz erklärt sich zum Frauenfreund – mithilfe seiner Töchter

Den gleichen Anspruch äußerte auch Friedrich Merz als nächster in seiner Rede, die in weiten Teilen wie eine Verteidigung wirkte. Seine Bemerkungen über Gleichstellungspolitik leitete er ein mit einem unglücklichen Spruch über »die Sache mit den Frauen«: »Ich weiß, dass wir in der Frauenpolitik besser werden und mehr tun müssen«, sagte Merz. »Aber wenn ich wirklich ein Frauenproblem hätte, wie manche sagen, dann hätten mir meine Töchter längst die Gelbe Karte gezeigt – und meine Frau hätte mich nicht vor 40 Jahren geheiratet.«

Die Coronakrise bezeichnete Merz als Chance, Dinge zu ändern. Die Gesellschaft sei im »Ausnahmezustand«. Er versuche, den Blick nach vorn zu richten und zeige sich zuversichtlich, dass die deutschen Unternehmen die Krise überstehen. Es werde eine gute wirtschaftliche Entwicklung geben. Ziel sei ein modernes und zukunftsfähiges, aber auch »sozial gerechtes Land«. Zudem müsse man in der Klimapolitik »nachsteuern«, sagte Merz, ohne jedoch ins Detail zu gehen.

Am deutlichsten von allen drei Kandidaten erteilte Merz der AfD eine Absage: »Es wird mit mir keine Zusammenarbeit mit der AfD geben: in keinem Landtag, in keinem Bundestag, nicht im Europäischen Parlament.«

Röttgen wirbt um Zusammenhalt

Zum Abschluss der Bewerbungsreden der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz sprach der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Er präsentierte sich als Modernisierer der Union und gute Alternative zu seinen Konkurrenten. Er wolle, dass die CDU »die Partei der Zukunftskompetenz« werde, sagte Röttgen. Der Status quo reiche nicht, sagte Röttgen. Die CDU müsse ein Angebot für neue Milieus machen. Er traue sich zu, »neue Wählerinnen und Wähler zu gewinnen«.

Zudem beschwor er die Einheit der Partei. Er sei »kein Lager«, sagte Röttgen auf dem virtuellen Parteitag der Christdemokraten. »Zusammenhalt ist auch für uns das A und O«, sagte Röttgen und betonte: »Ich möchte integrieren.«

Und wie seine Vorredner forderte auch der dritte Mann im Rennen künftig weniger Männer bei der CDU: »Wir müssen weiblicher werden, wir müssen jünger werden«, sagte Röttgen. So könne die CDU Volkspartei blieben. Das sei schließlich »mehr als unser Interesse«, es sei »demokratische Pflicht«.

mrc