Streit in der CDU Generalsekretär Ziemiak ruft Parteiflügel zur Ordnung

Konservative und liberale Unionsvertreter attackieren einander scharf. Nun mahnt CDU-General Ziemiak die Parteiflügel im SPIEGEL zur Ruhe. Fraktionsvize Linnemann warnt dagegen vor zu engen "Grenzen des Sagbaren".

Paul Ziemiak
Carsten Koall/ DPA

Paul Ziemiak


Der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, appelliert an die Flügel seiner Partei, sich mit gegenseitigen Angriffen zurückzuhalten.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 37/2019
Chaos nach Plan? Wie Premier Johnson die Zukunft der Briten verzockt

"Ich sage allen, und vor allem denen, die sich in den sozialen Netzwerken äußern: Der politische Mitbewerber steht außerhalb der CDU und nicht innerhalb der eigenen Reihen", sagte er dem SPIEGEL mit Blick auf die erzkonservative WerteUnion und die liberale Union der Mitte.

"Wir streiten über Positionen, und das muss auch sein", so der CDU-Generalsekretär. "Aber um Wähler zurückzugewinnen, sollten wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen, sondern erklären, was wir eigentlich mit dem Land vorhaben." Er forderte: "Wichtig ist, dass wir einander mit Respekt begegnen." Dies mache die CDU als bürgerliche Partei aus.

Die WerteUnion mit ihrem prominentesten Mitglied Hans-Georg Maaßen, Ex-Präsident des Bundesverfassungsschutzes, übt auch immer wieder Kritik an der Parteiführung um die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und insbesondere an der Kanzlerin und Ex-Vorsitzenden Angela Merkel.

Linnemann: "CDU muss Maaßen aushalten können"

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, beklagt indes eine Verengung des Meinungsklimas in der eigenen Partei. "Die Leute haben das Gefühl, dass die Grenzen des Sagbaren immer enger gezogen werden", sagte Linnemann dem SPIEGEL und warnte: "Das treibt sie zur AfD."

Eine Volkspartei wie die CDU müsse es aushalten, wenn Kritik an der Flüchtlingspolitik geübt werde, so Linnemann, der auch Unionsfraktionsvize ist. "Sie muss auch eine Person wie Hans-Georg Maaßen aushalten können."

Carsten Linnemann
Christian Charisius/ DPA

Carsten Linnemann

Damit übt Linnemann auch Kritik an Parteichefin Kramp-Karrenbauer, die sich öffentlich von dem früheren Verfassungsschutzpräsidenten distanziert hatte.

"Ich sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet", hatte Kramp-Karrenbauer in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe erklärt. Maaßen hatte für einige CDU-Kandidaten in Sachsen Wahlkampf gemacht.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

flo/ran

insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
telarien 06.09.2019
1. Es ist ein Unterschied
Sachliche Kritik ist immer erlaubt. Gerne respektvoll vorgetragen. Sie darf auch falsch sein. Aber es gibt eine Grenze. Wenn jemand sich rassistisch oder antisemitisch äußert, dann sollte ihn eine Partei mit bürgerlichen und christlichen Werten rauswerfen. Tut sie das nicht, lässt das tief blicken.
Tauschwert 06.09.2019
2. Das nenne ich Parteidisziplin!
Es ist fantastisch frei denken zu dürfen! In welcher Partei darf man das eigentlich? Ganz sicher in der Partei der Parteilosen. Also liebe CDU Freunde hört auf Euren Vorsitzenden.
seeyouin1982 06.09.2019
3. Die Grenzen des Sagbaren
So, so, Herr Linnemann will also, dass die Grenzen des Sagbaren schön nach rechts geweitet werden, wie es einst Herr Dobrindt und Herr Seehofer vorgemacht haben, damit die CDU nicht noch mehr Stimmen an die Rechtsradikalen der AfD verliert. Prima, dann tragen wir in Zukunft bitte alle unseren persönlichen Frust verbal auf dem Rücken von Minderheiten aus, damit Herr Linnemann seine Stimmen zurück gewinnt. Ironie aus. Widerlich!!!!
frank57 06.09.2019
4. Diese Union
hatte 15 Jahre Zeit um dem Land und seinen Bürgern zu zeigen wo sie hin wollen! Was dabei herausgekommen ist, ist nicht vorzeigbar, im Gegenteil! Mehltau liegt auf dem Land, verursacht durch einen Kanzlerwahlverein und seine Steigbügelhalter durch Manipulation (von der Leyen) und Realitätsverweigerung (uns geht es doch gut, das ist ein Grund zur Freude)!
legeips62 06.09.2019
5. Die Grenzen des
"Sagbaren" und die Grenzen des "Schreibbaren" sind sehr nahe an einer Zensur.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.