CDU-Politiker Bernhard Vogel "Der Reuebegriff ist unglücklich"

Bernhard Vogel hat als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz zwei ehemalige RAF-Terroristen begnadigt - dennoch hält er die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler für respektabel, Christian Klar dieses Recht zu versagen.


SPIEGEL ONLINE: Ist die Entscheidung des Bundespräsidenten richtig?

Vogel: Ich habe Respekt vor ihr. Der Bundespräsident hat sich diese Entscheidung ganz offensichtlich nicht leicht gemacht und sich umfassend mit dem Fall beschäftigt. Ich halte es auch für absolut richtig, dass er mit Christian Klar selbst gesprochen hat.

Respekt für Köhlers Entscheidung, Schelte für die eigenen Leute: CDU-Politiker Bernhard Vogel, der als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident zwei ehemalige RAF-Terroristen begnadigte
AP

Respekt für Köhlers Entscheidung, Schelte für die eigenen Leute: CDU-Politiker Bernhard Vogel, der als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident zwei ehemalige RAF-Terroristen begnadigte

SPIEGEL ONLINE: Hat Köhler am Ende dem Druck aus der eigenen Partei nicht standhalten können?

Vogel: Nein, den Eindruck habe ich nicht. Ich halte es allerdings für sehr kritisch, dass versucht wurde, Einfluss auf seine Entscheidung zu nehmen. Das sollte man bei einer solchen Frage nicht tun.

SPIEGEL ONLINE: Teile der Union haben versucht, das Thema zur Profilierung zu nutzen. Warum?

Vogel: Ach, wissen Sie, solche Dinge passieren eben. Zum Glück hat sich der Bundespräsident davon nicht beeindrucken lassen.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie an Köhlers Stelle anders entschieden?

Vogel: Ich hätte es so gehalten wie damals in meiner Funktion als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz: Ich habe mich genau mit den Fällen der ehemaligen RAF-Terroristen Klaus Jünschke und Manfred Grashof beschäftigt, selbstverständlich mit jedem einzeln gesprochen, und dann meine Entscheidung gefällt.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie haben die beiden begnadigt…

Vogel: …weil es andere Fälle waren.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Ablehnung des Gnadengesuchs darin begründet, dass Christian Klar keine Reue zeigte?

Vogel: Das glaube ich nicht. Der Reuebegriff ist in meinen Augen hier jedenfalls unglücklich. Es geht darum, wie ein Mensch heute sieht, was er damals tat. Das muss man ihn fragen. Vor allem: Wäre er heute noch dazu fähig?

Das Interview führte Florian Gathmann



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