CDU-Politiker contra Netzgemeinde "Mich regt das nicht auf"

Der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling wird wegen eines von ihm verfassten Artikels von der Netzgemeinde verspottet. Jetzt wehrt sich der CDU-Politiker: Durch die heftigen Reaktionen auf seinen Beitrag fühlt er sich in seiner Meinung bestätigt.

Hevelings Homepage: Hacker schrieben Texte in seinem Namen

Hevelings Homepage: Hacker schrieben Texte in seinem Namen


Berlin - Bisher fiel der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling nicht besonders auf. Er ist Mitglied des Rechtsausschusses und dort Berichterstatter für Urheberrecht, geistiges Eigentum und Strafrecht. Doch seit er in einem Gastbeitrag für die Online-Ausgabe vom "Handelsblatt" die Netzgemeinde attackierte, ist das anders: Auf seine Streitschrift folgte eine Welle des Spotts und der Empörung. Doch Heveling reagiert gelassen auf die Häme aus dem Internet: "Mich regt das nicht auf."

Er bereue nicht, den Artikel verfasst zu haben: "Mein Gastbeitrag war als durchaus provokante Streitschrift gemeint", sagt er. "Aber das kann ja im Weiteren auch ein guter Einstieg für einen sachlichen Diskurs sein."

In dem Beitrag hatte Heveling sich über die Netzgemeinde ausgelassen. Der Artikel liest sich wie ein Aufruf zur Schlacht um das Internet. "Liebe 'Netzgemeinde', ihr werdet den Kampf verlieren", schrieb Heveling.

Auf Twitter machten sich die Nutzer daraufhin mit Anachronismus-Witzen über Heveling lustig. Sogar aus der Union selbst kamen Kritik-Tweets: Nachdem der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Peter Altmeier, zu mehr Gelassenheit aufgerufen hatte, antwortete ihm die Vize-Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär: "Wenn Blinde über Farben reden, darf man sich auch mal aufregen."

Durch die heftigen Stellungnahmen sieht Heveling seine Position sogar noch gestärkt: "Die Reaktionen, wie das Hacken meiner Internetseite, haben dabei gezeigt, dass meine Grundthesen offensichtlich nicht neben der Realität liegen."

Wenige Stunden nach der Veröffentlichung seines Artikels hatten Hacker Hevelings Homepage bearbeitet und dort Botschaften wie "Ich habe versagt" oder "Ich gebe auf" untergebracht.

"Das ist gerade die Form von Reaktion, mit der ich mich in meinem Beitrag kritisch auseinandergesetzt habe", sagt Heveling. "Auf sachliche Kritik erfolgt oft eine aggressive Reaktion. Dem wollte ich den Spiegel vorhalten."

Das möchte der CDU-Politiker auch weiterhin tun. Er ist Mitglied in der Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft des Bundestags - und will das entgegen Protesten aus der Netzgemeinde auch bleiben. Der "Endkampf um Mittelerde", wie Heveling die Diskussion um die Regulierung des Internets in seinem Beitrag nannte, geht also weiter.

chp



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