CDU-Politiker Pflüger "Es gibt eine Menge spießiger Grüner"

Hat Oettingers dilettantischer Ausflug ins nationalkonservative Lager die schwarz-grüne Option zerstört? Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger, was Schwarze und Grüne verbindet - und warum die Ökopartei für ihn selbst nie eine Option war.


SPIEGEL ONLINE: Herr Pflüger, nachdem die CDU-Vorsitzende Angela Merkel ihren Parteifreund Günther Oettinger wegen dessen Trauerrede für den verstorbenen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger getadelt hatte, war vor allem das dröhnende Schweigen der CDU-Ministerpräsidenten vernehmbar. Warum ist Frau Merkel niemand beigesprungen?

Pflüger: Günther Oettinger hat sich entschuldigt, seinen umstrittenen Satz zurückgezogen und sein Bedauern ausgedrückt - damit ist in dieser Angelegenheit alles gesagt worden.

SPIEGEL ONLINE: Der Zentralrat der Juden hat seine Entschuldigung akzeptiert,ganz vorbei ist die Angelegenheit aber nicht. Männer des konservativen Flügels wie Herr Schönbohm haben Frau Merkel dafür kritisiert, Herrn Oettinger öffentlich getadelt zu haben.

Pflüger: Alle Versuche, von welcher Seite auch immer, dieses Thema weiter zu treiben, werden nicht tragen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie verstehen, was Herrn Oettinger bewogen hat, Herrn Filbinger, der nachweislich in der NSDAP war, der an Todesurteilen mitgewirkt hat, einen Gegner des NS-Regimes zu nennen?

CDU-Präsidiumsmitglied und Berliner CDU-Fraktionschef Pflüger: "Jamaika und Schwarz-Grün sind nichts Alltägliches"
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CDU-Präsidiumsmitglied und Berliner CDU-Fraktionschef Pflüger: "Jamaika und Schwarz-Grün sind nichts Alltägliches"

Pflüger: Ich habe nicht vor, über seine Motive zu spekulieren. Ich kenne Günther Oettinger seit über 20 Jahren und weiß, dass er nichts, aber auch gar nichts mit der Verharmlosung oder Relativierung des Nationalsozialismus am Hut hat. Ich würde empfehlen, das ernst zu nehmen, was der SPD-Vorsitzende Kurt Beck oder der Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erklärt haben:Hier hat sich jemand entschuldigt und das verdient Respekt. Günther Oettinger ist ein ausgezeichneter Ministerpräsident, das weiß man in Baden-Württemberg.

SPIEGEL ONLINE: Herr Oettinger hat nach der letzten Wahl in seinem Land kurzzeitig mit Schwarz-Grün gespielt. Sie haben als Berliner CDU-Fraktionschef selbst über schwarz-grün-gelbe Koalitionen - dem sogenannten Jamaika-Modell - öffentlich gesprochen. Was könnte ein solches Projekt tragen?

Pflüger: Das können nur politische Inhalte sein. Jamaika und Schwarz-Grün sind ja nichts Alltägliches. Solche Überlegungen sind in allen betroffenen Parteien nicht tief verwurzelt, bei Wählern und Mitgliedern gleichermaßen. Deshalb ist ein langer Weg zu gehen.

SPIEGEL ONLINE: Eine der letzten Umfragen in Berlin sagt: nur 17 Prozent der Befragten wollen Jamaika, von den Grünen-Anhängern wünschen sich 80 Prozent Rot-Grün. Ist das für Sie nicht ernüchternd?

Pflüger: Ich habe immer gesagt, dass jetzt nicht der Zeitpunkt für Debatten über Koalitionen ist. Die letzte Abgeordnetenhauswahl liegt gerade hinter uns. Um was es derzeit geht, ist die Zusammenarbeit in der Opposition. Alles andere würde dem Regierenden Bürgermeister Wowereit und Rot-Rot das Geschäft erleichtern. Was aus dieser Zusammenarbeit dann wird, bleibt gelassen abzuwarten.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben kürzlich in einem Aufsatz geschrieben, es gehe mit Schwarz-Grün auch darum,den Bruch in der Vergangenheit, der mit den tödlichen Schüssen eines Polizisten 1967 auf den Studenten Benno Ohnesorg begann, zu beenden. Sind Sie der Auffassung, dass CDU und Grüne nicht so sehr politisch, sondern kulturell auseinanderliegen?

Pflüger: Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären - ich hatte Anfang der 70er Jahre eine Freundin, der spielte ich auf meinem Tonband-Gerät "Black Magic Woman" von Carlos Santana vor. Die sagte: Was, ein Rechter hört Santana! Die dachte wahrscheinlich, ich lege jetzt Heino auf oder Roy Black. Diese Vorurteile, die gibt es bis heute - gegenseitig, bei den Grünen und bei uns. Wir haben auch Woodstock gehört, aber was wir eben nicht mitgemacht haben, war der Dogmatismus, zu dem sich viele Linke hingezogen fühlten und der sie politisch oft ins marxistisch-leninistische Lager führte.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich je in ihrer Jugend mit dem Gedanken getragen, zu den Grünen zu gehen?

Pflüger: Nein. Wer mich aber mit ökologischen Themen in Berührung brachte, war Herbert Gruhl, einer der späteren Mitbegründer der Grünen. Er hat mich stark beeinflusst, damals war er ja mein CDU-Bundestagsabgeordneter in Hannover. Bei einer Buchvorstellung in Bonn, auf dem Tulpenfeld, war ich dabei. Seine Ideen haben uns in der Jungen Union sehr interessiert. Dass er dann zu den Grünen ging, fanden wir sehr schade.

SPIEGEL ONLINE: Die heutige Generation der Grünen trägt Anzug wie damals Gruhl, viele in der CDU lassen schon mal den Schlips weg wie einst Rudi Dutschke, der ja die Grünen ebenfalls mitbegründete. Nähern sich da Milieus an oder sind das nur Äußerlichkeiten?

Pflüger: Es gibt eine Menge spießiger Grüner (lacht). Aber im Ernst - die Grünen sind nicht Latzhosen tragende Kiffer und wir sind nicht Leute, die abends unter Kuckucksuhr und röhrendem Hirsch Monopoly spielen. Ich finde, Vorurteile sind dazu da, sie abzubauen.

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Fragwürden, 19.04.2007
1. Grüne sind Kinder der Schwarzen
Für mich ist der Braunste ohnehin Mahler und der war mal grün. Die ideologische Farbenlehre taugt eh nur zu Farbspielen: Die Grünen als Kinder der Schwarzen, der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm, und deshalb werden die über kurz oder lang miteinander gehen. Echte Rote waren nie bei den Grünen.
tomrobert 19.04.2007
2. "Es gibt eine Menge spießiger Grüner"
Die Grünen der Komunen sind nicht die Bundesgrünen und die Provinz CDU (oder CSU)ist nicht die Bundes CDU wie Oettinger und Gefolgschaft sowie der Intregantenstatel in Bayern zeigen.Beide Parteien haben die unbedingte Aufgabe das Provinzlerische in ihren Parteien aufzubrechen. Was da zuweilen abläuft ist ja geradezu lächerlich. Nicht die Welt muß sich denen anpassen sondern umgekehrt. Demokratischen Entscheidungsprozessesen sind pluralistische Interessen die es zu beachten gilt immanent!Ein Beispiel ist die einsame Entscheidung des Kultusministeriums in Baden-Württemberg, Französisch trotz Widerstand der Eltern, an den Gymnasien zur Pflicht zu machen.Wer wünscht sich nicht ein cosmopolitisches Europa in welchem jeder Französisch spricht?Aber das ist wieder ein typisches Beispiel wie man Demokratische Entscheidungsprozesse einfach umgeht.Vieleicht war das unverdächtig in den 60gern. Aber im 21Jahrhundert? Es sind durchaus diese kleinen selbstherrlichen Entscheidungen die noch dem Geist Filbingers und Kiesingsers etc.entstammen. Wie lange den noch? Da spricht ein Herr Pflüger von Wodstock.Die Realität sitzt aber auf den Schulämtern und im Gerichtssaal und im Landratsamt und und und.Auffallen tut das nur, wenn dann mal einer dieser Hinterwäldler glaubt Staatstragendes daher reden zu müssen und das halbe Europa sich dann wundert,wie bei Oettinger. Leiden müssen andere.
jimKn0pfEnhanced, 19.04.2007
3. CDU, Grün und SPD
Ich finde Herrn Pflügers Ansichten Nachvollziehbar - und Zeitgemäß und hätte lieber Schwarz Grün, anstatt irgednwas mit SPD oder der unfähigen Links Partei! Hätte ich Heute die Wahl zwischen CDU mit Merkel und SPD mit Beck ich würde mich für die CDU entscheiden, mit Grün, natürlich Grün - um ein Zeichen zu setzen. SPD ist in aller Hinsicht unwählbar geworden, Profillos, Asozial, Lobby Arbeit vom feinsten und was das schlimmste ist, ich kann nirgends auch nur irgendwas gutes finden. Da ist Pflüger mit seiner Bekundung und Erkennung von Exportschlager mit regenerativen Energietechnologien Lichtjahre weiter - SPD will einen Umweltpass für Autos und beschummelt die Bürger bei Co2 Emissionen (Tiefensee) - SPD Katastrophal! Und Beck ist kein Kanzler Charakter, eher ein Dorf Vertreter. Da hat Wowereit merh Profil und Weltsicht. naja, nicht mein Problem - im übirgen ist wowi ein guter Bürgermeister, leider falsche Partei. Cheers
Carolusmagnus, 20.04.2007
4. Grüne
Natürlich ist auch das Spektrum der Grünen breit gefächert, aber in ihrer Mehrzahl sind sie antideutsche Rassisten und ökologische Hysteriker. Sie schauen bei Ausländerstraftaten geflissenstlich weg, tolerieren Rechtsbrüche, wenn es nicht gerade gegen Frauen geht, bis zum Umfallen und wittern überall Deutschtümelei, wo es meist nur um kulturelle Eigenheiten geht.Aber wehe, ein deutscher beklagt mal ausländische Auswüchse.... Den Grünen laste ich das Enstehen von Parallelgesellschaften an und den tiefen Atheismus, der große Teile unsrer Gesellschaft prägt und von der Linkspartei noch verstärkt wird. Die Toleranz der Grünen ist blind und tödlich. Wenn wir irgendwann gefesselt in der Ecke liegen und jemand kommt, um uns die Kehlen durchzuschneiden, werden evtl. sogar die Grünen merken, dass was schiefgelaufen ist... Linke Mörder fast mit Tränen in den Augen zu bemitleiden und andere, die eben einer verhassten Gesellschaft angehörten, noch im Grab zu beschimpfen, das, ja das kriegen nur Linke und vor allem Grüne fertig. CDU und Grüne, das wäre die Quadratur des Kreises, das passt nicht.
jimKn0pfEnhanced, 21.04.2007
5.
Zitat von CarolusmagnusNatürlich ist auch das Spektrum der Grünen breit gefächert, aber in ihrer Mehrzahl sind sie antideutsche Rassisten und ökologische Hysteriker. Sie schauen bei Ausländerstraftaten geflissenstlich weg, tolerieren Rechtsbrüche, wenn es nicht gerade gegen Frauen geht, bis zum Umfallen und wittern überall Deutschtümelei, wo es meist nur um kulturelle Eigenheiten geht.Aber wehe, ein deutscher beklagt mal ausländische Auswüchse.... Den Grünen laste ich das Enstehen von Parallelgesellschaften an und den tiefen Atheismus, der große Teile unsrer Gesellschaft prägt und von der Linkspartei noch verstärkt wird. Die Toleranz der Grünen ist blind und tödlich. Wenn wir irgendwann gefesselt in der Ecke liegen und jemand kommt, um uns die Kehlen durchzuschneiden, werden evtl. sogar die Grünen merken, dass was schiefgelaufen ist... Linke Mörder fast mit Tränen in den Augen zu bemitleiden und andere, die eben einer verhassten Gesellschaft angehörten, noch im Grab zu beschimpfen, das, ja das kriegen nur Linke und vor allem Grüne fertig. CDU und Grüne, das wäre die Quadratur des Kreises, das passt nicht.
Auch Ihre asoziale und perfide Art der Argumentation, kann nicht über Ihre plumpe Art der Klischee Aufbereitung hinwegtäuschen.
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