CDU Schäuble wirft Kohl "Handraub" vor

Helmut Kohl hat bestritten, eine Verschwörung gegen Wolfgang Schäuble inszeniert zu haben. Der Bruch mit seinem Nachfolger als CDU-Chef sei "eine Wunde, die mich enorm schmerzt". Schäuble selbst bleibt jedoch unversöhnlich.


Unversöhnlich: Wolfgang Schäuble
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Unversöhnlich: Wolfgang Schäuble

Hamburg - "Ich selber war mit Sicherheit nie an einer Verschwörung gegen ihn (Schäuble) beteiligt, denn mein Interesse war, dass er mein Nachfolger wird - ohne Wenn und Aber", behauptet Kohl in der Zeitschrift "Super Illu". Zum Bruch mit Schäuble sagte der Altkanzler, er könne "noch nicht begreifen, wie es dazu kommen konnte". Er wisse auch nicht, was Schäuble mit seinem Verschwörungsvorwurf meine.

Kohl bekräftigte, die CDU sei und bleibe seine Partei: "Deswegen werde ich sie voll und ganz unterstützen." Die derzeitige Parteichefin Angela Merkel habe "bei den verschiedenen Aufgaben damals in Bonn [als Bundesministerin für Frauen und Jugend 1991-1994 und Umwelt 1994-1998, die Red.] gute Arbeit geleistet". Kohl wird am Mittwochvormittag in Berlin auf einer Festveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung anlässlich des zehnten Jahrestages der deutschen Einheit sprechen.

Schäuble dagegen bestätigte in einem Interview mit dem Magazin "Stern" den Bruch mit Kohl: "Unsere persönliche Beziehung ist beendet." Alles habe seine Zeit, "und manchmal ist es auch zu Ende". Er denke nicht daran, seinen Satz aufzuheben, er habe schon zu viel seiner knappen Lebenszeit mit Kohl verbracht. Dass Kohl ihn neulich auf einer öffentlichen Veranstaltung mit Handschlag begrüßt habe, sei für ihn kein Anlass, das Verhältnis zu überdenken. Die Geste sei mehr ein "Handraub" gewesen.

Sein Buch "Mitten im Leben" nannte Schäuble einen "Beitrag zu einer notwendigen Debatte". In dem Werk hatte er scharf mit Kohl abgerechnet. "Wir konnten doch nach der Wahl nicht so tun, als sei nichts passiert. Und wir können das heute erst recht nicht". Man müsse die Probleme der Partei beim Namen nennen, sagte er. Dass eines davon Kohl heiße, "da reißt das Buch doch nichts Neues auf", fügte Schäuble wörtlich hinzu.



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