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06. Februar 2014, 18:04 Uhr

Bericht über Briefkastenfirma

CDU-Schatzmeister Linssen gibt Amt auf

CDU-Bundesschatzmeister Helmut Linssen wirft hin. Er wird im April nicht mehr für das Amt kandidieren, sagte er der "Bild"-Zeitung. Linssen soll rund 400.000 Euro in einer Briefkastenfirma in Mittelamerika versteckt haben.

Berlin - Der wegen Geldanlagen unter Druck geratene CDU-Bundesschatzmeister Helmut Linssen will sein Amt abgeben. "Ich habe mich im Interesse der Partei und meiner Familie entschlossen, die Parteivorsitzende zu bitten, auf dem kommenden Parteitag im April einen neuen Schatzmeister zu wählen", sagte Linssen der "Bild"-Zeitung.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte, die CDU nehme Linssens Rückzug mit Respekt zur Kenntnis: "Er hat sich in seiner langjährigen politischen Tätigkeit - insbesondere als Bundesschatzmeister - um unsere Partei verdient gemacht."

Den Entschluss zum Rückzug soll Linssen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel am Donnerstagvormittag in einem Telefonat mitgeteilt haben. Die Kanzlerin wird Linssen nicht zum Bleiben gedrängt haben. In einer Zeit, in der immer mehr Prominente mit möglichen Steuerdelikten in Verbindung gebracht werden, kann es sich die Union nicht leisten, dass ein führender Funktionär selbst in Verruf gerät - ob er sich nun rechtlich etwas hat zuschulden kommen lassen oder nicht.

Die privaten Finanzgeschäfte ihres Bundesschatzmeisters hatten auch in der CDU für Irritationen gesorgt. Zwar blieb offene Kritik weitgehend aus, die Diskussionen drohten jedoch die Klausurtagung des CDU-Bundesvorstands am Freitag und Samstag in Erfurt zu überschatten. Dort wollen die Christdemokraten über den anstehenden Europawahlkampf sprechen. Unter anderem soll der frühere niedersächsische Ministerpräsident David McAllister zum Spitzenkandidaten der CDU ernannt werden.

"Ich habe keine Steuern hinterzogen"

Laut einem Bericht des "Stern" hat Linssen 1997 umgerechnet über 400.000 Euro bei der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt International eingezahlt. Mit Hilfe der Bank sei das Geld auf die Briefkastenfirma transferiert worden. Der auf den Bahamas registrierte Trust wurde dem Bericht zufolge 2001 geschlossen und in Panama wieder eröffnet. Ende 2004 schloss Linssen demnach sein Trinkaus-Konto.

Der Noch-CDU-Schatzmeister verteidigte die Transaktionen: "Ich habe keine Steuern hinterzogen. Das haben auch Finanzverwaltung und Staatsanwaltschaft bestätigt." Bei dem Geld handele es sich um privates Vermögen seiner verstorbenen Eltern, das die Familie steuerlich korrekt erwirtschaftet habe.

Doch die Kritik an Linssen blieb. "Ob Briefkastenfirmen auf den Bahamas oder in Panama ein akzeptables Betätigungsfeld für den Bundesschatzmeister einer demokratischen Partei sind, darf man wohl mit Fug und Recht bezweifeln", sagte etwa SPD-Parteivize Ralf Stegner SPIEGEL ONLINE. Es sei im Interesse aller, wenn der Sachverhalt aufgeklärt und alle offenen Fragen zügig beantwortet würden.

Offen blieb bis zuletzt, ob Merkel oder andere Mitglieder der Parteiführung zum Zeitpunkt der ersten Wahl Linssens zum Bundesschatzmeister im Jahr 2010 von dem laufenden Steuerverfahren gegen diesen wussten. Das Verfahren wurde laut "Stern" erst 2012 eingestellt - ohne juristische Folgen für Linssen.

vek/phw/dpa

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