CDU-Sommertheater eröffnet Alles Meyer oder was?

Die Diskussion um den möglichen Rückzug des CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer schwächt auch die Parteichefin Angela Merkel.


Vorhang auf für die Sommerinszenierung: Der General Meyer und die Vorsitzende Merkel (mit dem Hamburger CDU-Spitzenkandidaten Ole von Beust)
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Vorhang auf für die Sommerinszenierung: Der General Meyer und die Vorsitzende Merkel (mit dem Hamburger CDU-Spitzenkandidaten Ole von Beust)

Berlin - "Einen zweiten Fehlgriff kann sich Angela Merkel nicht leisten", sagte Laurenz Meyer bei seiner Inthronisierung - und leistete sich damit selber seinen ersten. Im vergangenen November als Poltergeist geholt, um den kuscheligen Ruprecht Polenz abzulösen, steht der bereits zweite CDU-Generalsekretär in der 15monatigen Ära der Vorsitzenden Merkel nun mit dem Rücken zur Wand.

Zwar dementierte er am Dienstag eilig die via "Bild"-Zeitung annoncierten Rücktrittsgelüste. Aber bis zum Mittag war er auch der einzige, der sagte: Meyer bleibt. Zugleich ist damit das CDU-Sommertheater eröffnet. Nur die Rolle von Merkel in dem Stück "Alles Meyer oder was?" ist noch unklar: Regisseurin, applaudierende Zuschauerin oder Hauptdarstellerin mit tragischem Ende?

Merkel im Girlscamp

Keine zwei Wochen hielt die einmütige Ankündigung von Merkel und Fraktionschef Merz, die Darsteller fürs Sommertheater hätten sie in den Urlaub geschickt. Während sich der General mit unpolitischen Krimis in Österreich und Italien entspannt, bereitet man in Berlin und München seine Demontage vor.

Noch ist unklar, wer da an den Strippen zieht und das Gerücht streut, Meyer wolle hinschmeißen. Für Merkel ist das eine Inszenierung mit doppeltem Boden. Gerne wäre sie ihren zweiten Missgriff wieder los, mit dem sie sich laut "Bild" bereits öffentlich auf Sommerfesten laut streitet. Von der konzeptionellen Arbeit hat sie ihn längst ausgeschlossen. Bei den Beratungen in ihrem "Girlscamp" mit den engsten Vertrauten, der Büroleiterin Beate Baumann, Parteisprecherin Eva Christiansen und Hildegard Müller von den Jungen Union, ist er allenfalls Zaungast. Seinen Vorschlag für die Wahlkampfstrategie lehnte sie ab, er zog ihn dann kleinlaut zur "Überarbeitung" zurück.

Konfusion statt Konzept

Aber wer auf Meyer zielt, trifft auch Merkel. Setzt sie ihn selber ab, muss das nicht zwangsläufig als der langersehnte Beweis der bei ihr vermissten Führungsstärke bedeuten. Die CDU hat seit ihrer Gründung 1945 neun Generalsekretäre verschlissen. Merkel hätte dann innerhalb von eineinhalb Jahren bereits den Dritten zu küren. Das klingt nicht nach Konzept, sondern Konfusion

Konkurrenten: Merkel und CSU-Chef Stoiber
AP

Konkurrenten: Merkel und CSU-Chef Stoiber

Ihre öffentlichen Erklärungen zu Meyer sind äußerst knapp - und doppeldeutig. Dieser Tage sagte sie im Interview mit der "Woche" zur anhaltenden Kritik am ihrem Generalsekretär lediglich: "Kritik gibt es immer. Laurenz Meyer macht einen guten Job." Das kann heißen, er macht seine Arbeit gut. Oder: Er hat einen attraktiven Job, den auch andere gerne hätten.

Meyer ist weder im Adenauer-Haus, noch in der Fraktion, noch bei den christsozialen Brüdern und Schwestern in München sehr beliebt. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte am Dienstag zu den Rücktrittsgerüchten sybillinisch: "Wir sehen das mit gewissem Interesse, aber auch mit einer gewissen Sorge" Es sei immer ein Problem, dass beim Generalsekretär die Frage nicht ganz klar ist, was ist er mehr: Sekretär oder General? "Da muss man sich überlegen, wie man Probleme lösen kann und nicht wie man selbst eigene Probleme noch schafft", sagte der Bayer.

Seit dem Desaster mit dem Schröder-Fahndungsplakat reißt die Kritik am Westfalen nicht ab. Der CSU wäre ein Demontage des polarisierenden Meyers im Sommer ganz recht. Dann würde dieser zurücktreten oder im Dezember auf dem CDU-Bundesparteitag durchfallen. Das würde die Parteichefin Merkel weiter schwächen, so dass sie dann im Frühjahr keine Chance mehr hätte gegen einen CSU-Kanzlerkandidaten und vielleicht auch schon einen neuen CDU-Vorsitzenden. Edmund Stoiber und Roland Koch jedenfalls verstehen sich bestens.



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