CDU-Spendenaffäre Verwirrung um aufgetauchte Bohl-Akten

Regierungssonderermittler Burkhard Hirsch hat sich erstaunt über Aktenfunde bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung gezeigt. Der FDP-Politiker betonte aber, die jetzt aufgetauchten Akten hätten nichts mit den Unterlagen zu tun, die er gesucht habe.


Burkhard Hirsch
DPA

Burkhard Hirsch

Berlin - Die bei der Konrad-Adenauer-Stiftung aufgetauchten Akten sind höchstwahrscheinlich nicht die vermissten Papiere aus dem Bonner Kanzleramt. Der Sonderermittler der Bundesregierung, Burkhard Hirsch, sagte am Montag dem WDR, der Eindruck, 90 Prozent aller gesuchten Akten seien gefunden worden, sei "mit Sicherheit falsch". Die Unterlagen des früheren Kanzleramtschefs, Friedrich Bohl, hätten "mit dem großen Bereich der insgesamt verschwundenen Akten zu Leuna und zu Eisenbahnerwohnungen" gar nichts zu tun.

Friedrich Bohl
DPA

Friedrich Bohl

Die Überschriften der jetzt aufgetauchten Papiere kenne er bereits durch Datenaufschreibungen, die er gefunden habe, sagte Hirsch. Bohl habe die Unterlagen nach Ende seiner Amtszeit dem Konrad-Adenauer-Archiv mit der Bewertung übergeben, dass es sich um seine persönlichen, also nicht um dienstliche Akten handele. Der Sonderermittler meinte: "Ich habe den Eindruck, dass ein Teil davon nicht zu dem Bereich von Herrn Bohl als Abgeordneter und sonst was gehören, sondern dass es sich zum Teil auch um dienstliche Dinge aus dem Kanzleramt handelt."

Im Bayerischen Rundfunk fügte Hirsch hinzu, er halte es für erstaunlich, dass die Stiftung den Besitz der Akten nicht mitgeteilt habe. Er werde auf das Angebot von Bohl eingehen und sich die Papiere zum vereinbarten Termin ansehen. Grundsätzlich begrüßte Hirsch den Fund: "Ich freue mich über jede Akte, die ins Kanzleramt zurückkehrt."

CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sagte im ZDF, er könne sich das Wiederauftauchen der Bohl-Akten in der Stiftung nicht erklären. Er habe sie dort nicht vermutet und sei "genauso überrascht wie viele andere über die Nachricht". CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sagte ebenfalls im ZDF, er sei erstaunt darüber, dass sich im Kanzleramt oder in der CDU-Zentrale niemand daran erinnert habe, dass Akten bei der Stiftung lagerten. Es sei "ärgerlich, dass da einer geschlafen hat".



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.