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30. Oktober 2018, 17:04 Uhr

SPON-Umfrage

Mehrheit wünscht sich Friedrich Merz als neuen CDU-Chef

Friedrich Merz will Angela Merkel beerben und CDU-Chef werden. Das kommt in der Bevölkerung gut an. In einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage schneidet der Konservative unter den gehandelten Kandidaten am besten ab.

Anfang des Jahrtausends hatte Friedrich Merz seine große Zeit in der Politik. Er war Fraktionschef der Union im Bundestag, galt als profilierter Wirtschaftsexperte und provokanter Konservativer. Sein Steuerkonzept, das auf einen Bierdeckel passen sollte, ist legendär. Nur: Merz war auch einer der schärfsten Rivalen von Angela Merkel.

Den Machtkampf verlor er letztlich - und zog sich Stück für Stück aus der Politik zurück. Jetzt, Jahre später, will Merz zurück. Nach Merkels angekündigtem Verzicht sieht er offenbar seine Chance - und hat seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz beim Parteitag Anfang Dezember in Hamburg erklärt. Kann das gutgehen?

In der Bevölkerung hat Merz offenbar immer noch viele Anhänger. In einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE spricht sich eine Mehrheit der Befragten für Merz als neuen CDU-Chef aus.

Unter den gehandelten Kandidaten liegt er mit knapp 34 Prozent klar vorne. Mit gut 19 Prozent folgt auf Platz zwei CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Merkel-Vertraute.

Gesundheitsminister Jens Spahn ist der dritte prominente Christdemokrat, der bereits seine Kandidatur erklärt hat. Er liegt in der Umfrage jedoch abgeschlagen zurück, ebenso wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther. Sie alle kommen nur auf rund sechs Prozent der Stimmen. Noch weniger Zustimmung erhalten CDU-Vize Julia Klöckner und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die beide noch vor einigen Jahren als Topanwärterinnen für die Merkel-Nachfolge galten.

Videoumfrage: "Merz ist einer, der das Maul aufmacht"

Merz ist mittlerweile 62 Jahre alt. Die Frage ist, ob er auch die jüngere Generation für sich gewinnen kann - Menschen, die ihn in der Spitzenpolitik gar nicht mehr bewusst erlebt haben. Am besten schneidet Merz bei den über 65-Jährigen ab, am schlechtesten bei den 18- bis 29-Jährigen.

Kramp-Karrenbauer dagegen erhält in allen Altersgruppen in etwa ähnliche Zustimmungswerte. Der erst 38-jährige Spahn holt dagegen bei den Jüngsten sein bestes Ergebnis, während er bei den Ältesten die größten Probleme hat.

Und noch etwas zeigt die Umfrage: Am meisten Rückhalt bekommt Merz gar nicht bei den Unionswählern - sondern bei AfD und FDP. Etwa die Hälfte der Anhänger der Rechtspopulisten favorisiert Merz, bei den Liberalen sind es fast zwei Drittel. Kramp-Karrenbauer wiederum erhält bei Union, SPD und Grünen jeweils ähnlich viel Zustimmung.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 29. bis 30. Oktober 2018 online erhoben. Wörtlich lautete die Frage: "Welche/r Politiker/in sollte am ehesten in der Nachfolge Angela Merkels CDU-Vorsitzende/r werden?" Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent beim Gesamtergebnis, bei der Auswertung nach Alter und Wahlabsicht zwischen 3 und 7,4 Prozent.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kev

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