Zehn Tage vor Landtagswahl in Niedersachsen Union will »wolfsfreie Zonen« in Deutschland

Der Umgang mit Wölfen ist ein Dauerstreitthema, nun positioniert sich die Unionsfraktion im Bundestag: Sie will die »rechtssichere Wolfsentnahme« erleichtern – auch ohne dass den Tieren Angriffe nachweisbar sind.
In Niedersachsen leben Wölfe nicht mehr nur in Wildtiergehegen, sondern auch in freier Wildbahn

In Niedersachsen leben Wölfe nicht mehr nur in Wildtiergehegen, sondern auch in freier Wildbahn

Foto: Swen Pförtner / dpa

Die Union will schärfere Maßnahmen gegen Wölfe in Deutschland ermöglichen. »In Arealen, in denen ein effektiver Herdenschutz technisch und zu vertretbaren Kosten nicht umzusetzen ist, (sind) wolfsfreie Zonen zu definieren«, heißt es in einem Antrag, den der Fraktionsvorstand von CDU/CSU im Bundestag am Montagabend beschlossen hat. Er liegt dem Nachrichtenportal »t-online« vor. »Hierzu zählen vor allem die beweideten Küsten- und Hochwasserdeiche sowie die Almregionen.«

Wölfe stehen in Europa unter Schutz, seit einigen Jahren breiten sie sich in Deutschland wieder aus. Was Naturschützer freut, wird von vielen Schäfern und anderen Tierhaltern kritisiert. Immer wieder werden Tiere getötet, auch wenn sie hinter Zäunen weiden. Lange konnten nur Wölfe zum Abschuss freigegeben werden, die wiederholt solche Schutzzäune überwanden und Tiere rissen. 2019 einigten sich SPD und Union schließlich auf eine Erleichterung des Wolfsabschusses. Das reicht der Union nun anscheinend nicht mehr.

Der Umgang mit Wölfen war in der Vergangenheit ein wichtiges Wahlkampfthema. Niedersachsen wählt in zwei Wochen einen neuen Landtag – und auch dort haben sich zuletzt vermehrt Wölfe angesiedelt.

CDU und CSU fordern, es müssten »vereinfachte Möglichkeiten für eine rechtssichere Wolfsentnahme« geschaffen werden. Das bedeutet, dass Wölfe auch abgeschossen werden dürfen, wenn sie nicht zweifelsfrei als attackierende Tiere identifiziert werden konnten.

So sollen »einheitliche Kriterien für die Entnahme von Wölfen gemeinsam mit den Ländern festgelegt, ein populationserhaltender Zielbestand an Wölfen definiert und der administrative Aufwand von Wolfsentnahmen abgesenkt werden«. Beide Maßnahmen sollen Teil eines »Wolfsbestandsmanagements« sein, wie es Länder wie Schweden bereits praktizieren.

Außerdem spricht sich die Union dafür aus, die Kosten, die durch Wölfe in Deutschland entstehen, regelmäßig zu erheben und zu veröffentlichen sowie Entschädigungsverfahren für die Besitzer von gerissenen Nutztieren zu vereinfachen.

​​​​​​​»Die romantische Verklärung des Wolfes muss beendet werden«, sagte die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Anja Weisgerber (CSU), zu »t-online«. »Menschen in bestimmten ländlichen Regionen in Deutschland fühlen sich nicht mehr sicher, daher muss nun schnell etwas passieren.« Die bisherigen Präventionsmaßnahmen zeigten nicht den erwünschten Erfolg.

muk
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