Frauenquote in der CDU Nicht mal ein Drittel

Eigentlich wollte die Frauen Union eine Frauenquote von 33 Prozent durchsetzen. Doch die Partei will nicht einmal über diese Minimalforderung abstimmen - und zeigt damit, wie unmodern sie ist.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Annette Widmann-Mauz: Initiative für mehr Kandidatinnen
FILIP SINGER/ EPA-EFE/ Rex

Annegret Kramp-Karrenbauer, Annette Widmann-Mauz: Initiative für mehr Kandidatinnen

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Die CDU-Frauen waren kämpferisch, als sie beim Bundesparteitag 1995 forderten: Ein Drittel der Parteiämter und öffentlichen Mandate sollen mit Frauen besetzt sein. Sie setzten ihre Forderung ein Jahr später durch, erreichten aber mit dem sogenannten Frauenquorum nur eine Vorgabe. Mehr als 20 Jahre später wollte die Frauen Union nun den nächsten Schritt gehen. Die Vorgabe, die in der Partei nicht immer eingehalten und insgesamt wohl eher als Obergrenze verstanden wird, sollte zu einer verbindlichen Quote umgestaltet werden.

Dazu hat Annette Widmann-Mauz, die Chefin der Frauen Union, vor vier Wochen einen Antrag für den Bundesparteitag gestellt. Bei dem Treffen in Leipzig sollte die Partei darüber abstimmen, ob sie Frauen in ihrer Partei stärker fördern möchte, ob sie sie mit einem Personalentwicklungsprogramm dazu motivieren möchte, sich für eines der politischen Ämter zu entscheiden, die in der CDU immer noch überwiegend von Männern besetzt werden. Nun sieht es so aus, als würde es zu dieser Abstimmung gar nicht kommen.

Die CDU-Spitze will den Antrag auf das kommende Jahr vertagen, eine Kommission soll ihn sich vornehmen und konkrete Empfehlungen erarbeiten. Doch braucht es tatsächlich eine Kommission, um etwas zu überprüfen, was es eigentlich schon gibt? Eine Vorgabe, die seit mehr als 20 Jahren umgesetzt werden soll? Wohl kaum.

"Ich bin eine Quotenfrau"

Der näherliegende Grund für das Zögern ist ausgerechnet die Frau, auf die die Frauen Union gesetzt hatte: Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Diese hatte ihre Wahl zur Chefin zu großen Teilen der Frauenlobby ihrer Partei zu verdanken. Sie hatte eine Diskussion über das wichtige Thema versprochen, hatte es als Versagen bezeichnet, wenn die Union es nicht schaffe, mehr Frauen in den Bundestag zu schicken. Sie hatte stolz gesagt: "Ich bin eine Quotenfrau."

Nun ist Kramp-Karrenbauer aber in ihrer Führungsposition gerade so geschwächt, dass ihr offenbar keine weitere Niederlage zugemutet werden kann. Doch eine Ablehnung der Frauenquote gilt in der Parteispitze als sicher.

Wie harsch so eine Ablehnung ausfallen kann, hat vor Kurzem der CSU-Parteitag gezeigt: Die Frauen Union der Schwesterpartei forderte eine Quote von 40 Prozent, dieser Vorstoß wurde krachend abgeschmettert. Parteimitglieder hielten feurige Reden gegen die Quote, CSU-Frauen betonten, sie wollten wegen ihrer Qualifikation gewählt werden, nicht wegen ihres Geschlechts.

Auch bei der CDU melden sich nun Männer und Frauen gegen eine Quote zu Wort. Wie sollen wir 33 Prozent der Parteiämter und auf den Wahllisten mit Frauen besetzen, wenn nur 26 Prozent der Parteimitglieder weiblich sind? Das ist eine der meistgestellten Fragen zu dem Thema.

Da würde es vielleicht helfen, diese Prozentzahlen einmal in Menschen umzurechnen. In Thüringen standen zuletzt 88 Kandidaten der CDU zur Wahl in den Landtag bereit, 44 davon waren Direktkandidaten. Rechnet man die von der Frauen Union geforderten 33 Prozent einmal in lebendige Frauen um, dann sind das etwa 26. Die Thüringer CDU stellte übrigens 31 auf. So schwer scheint das nicht gewesen zu sein.

Dieses Rechenbeispiel zeigt nicht nur, dass die CDU sehr wohl in der Lage ist, genügend Frauen zu finden, die für Ämter kandidieren. Es zeigt auch, dass die quotierten Listen allein nicht ausreichen, um Frauen in politische Ämter zu bringen, um auf Parität hinzuarbeiten, das erklärte Ziel der Frauen Union. Denn von 21 Mandaten gingen in Thüringen am Ende nur zwei an Frauen - obwohl 33 Prozent der Kandidaten weiblich waren und obwohl die ersten zwanzig Plätze auf der Wahlliste quotiert waren.

Der Grund dafür ist, dass die Quote nicht für Direktmandate gilt - und die CDU vor allem Wahlkreise direkt gewinnt. Dieses ernüchternde Ergebnis zeigt aber auch, was passiert, wenn es keine Quoten gibt: Bei den innerparteilichen Abstimmungen werden praktisch keine Frauen gewählt - selbst, wenn viele zur Wahl stehen.

Was die Frauen Union fordert, ist unter diesem Gesichtspunkt überhaupt nicht viel. Doch wenn nicht einmal eine Minimalforderung von 33 Prozent in der Volkspartei CDU offen diskutiert und ausgefochten werden kann, dann zeigt die Partei damit nur, wie weit sie davon entfernt ist, modern zu sein. Und wie wenig sie die weiblichen 50 Prozent des Volkes repräsentiert, dessen Partei sie gern sein will.



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hwdtrier 21.11.2019
1. Wenn man sieht dass sich in allen
Parteien nur wenige Frauen sich ins Joch der zaehen harten Arbeit in der Basis draengen ist eine höhere Quote ungerecht gegenueber denen die sich vor Ort abquälen. Die Quote sollte nur unwesentlich hoeher sein als der Frauenanteil in der Partei.
dieter-ploetze 21.11.2019
2. unmodern, dafuer vernuenftig
und das wiegt es auf, auch mal "unmodern " zu sein. vernuenftig, weil ein frauenquote ungerecht und nicht zielfuehrend ist. nicht dass ich gegen eine hoehere beteiligung von frauen in allen belangen waere, nur sollten die frauen das auch wollen und sich dementsprechend durchsetzen. die frauen sind doch keine bedrohte spezies, die besonderen schutz beduerften.
C0untZer0 21.11.2019
3. Unmodern?
Auch wenn es gerade modern ist Quoten zu fordern, ist es nicht zwangsläufig unmodern sie abzulehnen. Viele Leute halten Quoten für ungerecht. Das hat mit modern/unmodern überhaupt nichts zu tun. Ihr Artikel aber sehr viel mit Polemik.
noregrets 21.11.2019
4. Quote oder Qualität?
Dieses ewige Quotengelabere ist doch vollkommen an der Realität vorbei! Es gibt genug Frauen die tatsächlich ohne Quote anspuchsvolle Jobs haben, wie haben die das nur gemacht?! Das wirkt auf mich immer so "Bewerber A hat deutlich bessere Referenzen als Bewerberin B, aber wir müssen ja die Quote erfüllen, also nehmen wir notgedrungen B...." Toller Erfolg!
elcaron 21.11.2019
5. Ich verstehe das Problem nicht
Die CDU hat einen Frauenanteil von 26,3% (Stand: 31. Dezember 2018). Mit 33% der Positionen hätten Frauen damit ein Drittel mehr Ämter, als ihnen dem Anteil nach zuständen, oder anders formuliert: Alleine die Tatsache, eine Vagina zu haben, sollte die Chance, ein Amt zu erhalten, um 42% erhöhen. Wie kann man das fair finden und erwarten, damit durchzukommen? Gerade auch noch, wenn man die Kanzlerin stellt, diejenige, die gerne die Nachfolgerin wäre in Personalunion mit der Verteidigungsministerin, die Präsidentin der Europäischen Kommission, und die Ministerinnen für Ernährung/Landwirtschaft und Bildung/Forschung. Wenn Ihr mehr Frauen in CDU-Positionen wollt, dann seht zu, dass mehr Frauen die elementare Grundvoraussetzung dafür erfüllen, nämlich ein CDU-Parteibuch zu haben. Ist ja schließlich nicht so, als gäbe es dafür Hürden. Oder noch besser: Lasst ein paar Männer austreten, weniger CDU ist immer gut.
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